Samstag, 3. Oktober 2015

"Mein" erster Tag der Einheit , 3.Oktober 1990



25 Jahre ist es her ... Es war ein besonderer Tag : Zum ersten Mal ein Feiertag zu Ehren der Deutschen Einheit .

Vom Residenztheater München aus waren wir, lange vorher geplant, genau an diesem bei der Planung noch ganz gewöhnlichen Tag zu Gast im Deutschen Theater Berlin mit dem so bayrischen wie wunderbaren Theaterstück von Heinrich Lautensack (1881-1919)   "Die Pfarrhauskomödie " . 


 .... der Titel lässt an schwiemeliges Tümelndes denken .... Weit entfernt davon ... Ein poetisches, krudes Vierpersonenstück über Moral, Doppelmoral, Religiöses, Glaube und Sex und Schuldgefühle und Schwangerschaften und Tod und Teufel  ... Traurig und komisch mit wunderbar gezeichneten Figuren:

Irma Prechtl, die Aushilfspfarrhaushälterin  (Krista Posch)

Achatius Achaz, der Pfarrer   (Fred Stillkraut)

Johann Vincenz Mauerermeier, Kooperator  (Daniel Friedrich)

Ambrosia Lindpaintner, die Pfarrhaushälterin  (Jenny Lattermann)

Irma Prechtl... ich habe diese Figur geliebt . Diese Irma ... Eine Lulu vom Lande. Ein unschuldige Verführerin, für die Lust und Gottesfürchtigkeit kein Widerspruch waren. Eine lebendige lebensgierige Naturgewalt, die für ihr So-sein auch ordentlich bestraft wird...  aus den Fängen und Zwängen der Kirche  befreit man sich nicht einfach ....




So. Und dieses niederbayrische Stück nun zur Deutschen Einheit im DT in Berlin . Draussen Böller und Feuerwerk... man hörte es bis auf die Bühne ... Es waren trotzdem viele Besucher da, und trotz der sperrigen Sprache aus dem alten Süden kam das Stück auch gut an . 
Und nachher raus aus den klobigen Schuhen und dem dünnen Kleidchen und in den Trubel auf der Strasse . Erinnere mich an eine surreale Atmosphäre ... es herrschte nicht nur Freude ... es war eine Stimmung, die bildlich beschrieben einem Polaroidfoto entsprach... nicht ganz ausgereift ... ein Schnellschuss... aber trotzdem ist man froh etwas zu erkennen ... 


            
          
                              

Der Pfarrer, der Kooperator, die Ambrosia, ja selbst auch die Irma Prechtl, diese vier sind durchaus Bauern. Und das hat nichts zu sagen, daß die zwei geistlichen Herren Brillen tragen. Bauern sind sie, alle vier.
Niederbayerische. Aus dem Bayerischen Wald. Und reden stockend und unablässig mit  Pausen. Außer es schimpft und flucht einmal einer.
Aber die Ambrosia, und das ist zu unterscheiden, hat gelblichtes Haar.
Die Irma hingegen ganz zigeunerisches."  
(aus Lautensacks Vorwort)

Jenny Lattermann und K.Posch

K.Posch und Daniel Friedrich


Die Inszenierung hat Volker Hesse gemacht, die Bühne war eine Freude, die Marietta  Eggmann und Ernst Wiener kreiert haben, und gespielt haben wir in München im Prinzregententheater . Photos : Wilfried Hösl 

(c)krista posch



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