Mittwoch, 19. April 2017

Von BOSCH bis LED ZEPPELIN ......






Wer demnächst in die Provence reist, sollte sich das nicht entgehen lassen ... 
Es lohnt auch ein Umweg, falls man nicht direkt in der Nähe ist :

DIE CARRIÈRES DE LUMIÈRES

bei Les Baux de Provence


Vor solchen SPEKTAKELN schrecke ich eigentlich zurück, 
bin skeptisch, was aus der Vermischung von bildender Kunst, Computertechnik, 
Musik so zu werden droht... Aber dann ist es überwältigend, was drei italienische
Zauberer da zuwege brachten: 
Man spaziert durch die Gemälde von Hieronymus Bosch, von Brueghel jung und alt, 
man IST mitten in der Schöpfung, 
man IST mitten im Höllensturz, 
man IST in den ländlichen Festen der Brueghels, 
man säuft, feiert, liebt und leidet, barmt und fürchtet sich vor Gottes Zorn, 
wer immer das sei...
Der Boden wankt und dreht sich, die Bilder, die wir alle aus den Museen kennen
bewegen sich und man selbst IN ihnen...
Der Kosmos nimmt einen mit in die Schöpfung unserer Winz-Erde...
Zugleich mit den Sternen erscheinen auch die Höllengespenster ....
Die Blumen der Brueghels, die Zerbrechlichkeit der Gläser und Tischdekorationen,
die Spitzendecken, die Obstteller, die Wolllüstigkeiten und Obszönitäten ... 
alles überdimensional groß, in höherer Auflösung als Full HD,  und in Bewegung..
über uns hinweg, die wir als kleine zusehende Schatten durch dieses bildmächtige, 
klangmächtige, ur-tümliche Universum in den Steinbrüchen unter der Festung 
der Baux de Provence stolpern..










"Aus den Steinbrüchen inmitten der Alpilles stammt der weiße Kalkstein, 
der zur Errichtung des Château und Dorfes Les Baux-de-Provence
abgebaut wurde. Unter dem Wettbewerbsdruck durch moderne Materialien 
wurden die Brüche 1935 geschlossen.
Die Carrières begannen ein zweites Leben in den 1960er Jahren, 
dank Jean Cocteaus visionärem Genie, 
der sie 1959 als Drehort für seinen Film Testament d’Orphée ans Licht brachte.

Diese Verwandlung wurde 1977 durch ein neues Projekt fortgesetzt. 
Auf Grundlage der Recherchen von Joseph Svoboda, 
einem der größten Szenografen des 20. Jahrhunderts,  
kam der Ort neu zur Geltung: 
Seine Felswände sollten nun als Hintergrund für eine innovative 
Ton- und Lichtshow dienen. 
Die als „son et lumière“ bekannten Vorstellungen werden nunmehr 
seit über 30 Jahren in den alten Steinbrüchen gezeigt."

So steht es auf der Homepage des spektakulären Ortes, 
weitere Infos über die Künstler, die Musikauswahl, und Veranstaltungen  auch hier:

Die Steinbrüche ohne Licht und Farbenspiel haben ebenfalls eine große 
Anziehungskraft , wie man sehen kann .... Cocteau hat da sein Meisterwerk 
DAS TESTAMENT DES ORPHEUS gedreht und der Film ist im Steinbruch 
auch zu sehen . 



text und Bilder : (c)krista posch

Dienstag, 11. April 2017

11.4.17 Der Tag







Eine Frau steht an der Bushaltestelle und schreit. Sie schreit hasserfüllt einer anderen Frau hinterher. Sie macht obszöne Gesten, eindeutige, sie skandiert ein englisches Kinderlied, so klingt es jedenfalls. Alles mit diesem Hass in der Stimme und im Ausdruck. Ich werde innerlich stiller als still wenn ich so jemandem begegne, es erschreckt mich und zugleich gibt es da ein Verständnis für den oder die Schreierin, ein Wissen, dass in dieser Zeit manche vielleicht nur mit blankem lautem Lauteausstoßen ihrer Hilflosigkeit Herr werden können, 
für Momente... 

Domenico Gnoli "Two Sleepers" 

Der Schreinermeister ist pünktlich. Er bringt Farbmusterkataloge mit für den Küchenarbeitstisch. Der alte ist 33 Jahre lang bei mir, und war schon beim Trödler in Düsseldorf alt, als ich ihn erstanden habe. Nun also bekommt er einen Nachfolger. Nach kurzem schauen und sprechen waren die Farben bestimmt und gewählt, samtgelb die Platte, Eiche gebeizt das Untergestell. "Mei, san Sie schön einfach", strahlt er mich aus seinen blaugrünen Augen an. Ich verstehe das Kompliment für eine Handlung/Haltung, die gar nichts anderes sein konnte für mich, in diesem Moment, zu diesem Thema.... 


SCHÖN und EINFACH... vielleicht würde uns diese Kombination das Leben erleichtern ... 
Einfach im schönsten Sinne ist klar, durchblickend, entscheidungsfroh, unkompliziert.

Vielleicht müssten Politiker dann nicht jahrelang über etwas diskutieren und streiten und rechthabenwollen? Vielleicht könnten Künstler sich dann trauen, schöpferisch zu sein im puren Sinn, unspekulativ, unsensationell, gerade heraus, ohne jemandem zu entsprechen? Vielleicht müssten keine Kinder verhungern, keine Krankenhäuser bombardiert werden, keine Narzissten die Welt regieren?
...man kann das ruhig weiterdenken... ja, ich glaube daran, dass es so sein könnte, wenn der Mensch das ernst nähme... schön und einfach ... 

Vielleicht müsste die Frau dann nicht mehr an der Bushaltestelle stehen und schreien.

Schön einfach ... heisst nicht : langweilig .......................... . . . . . .....

Einfach bei sich selbst anfangen ... 


Wandlampe , WDR , Köln 





text&fotos : (c)krista posch








Freitag, 7. April 2017









7.4.17

„Gestern hams wieder einen Unschuldigen erschossen. Dass wir gerade in einer solchen Zeit leben müssen. Das denk ich mir oft, Fräulein….“ 
1932 von Ödön von Horváth geschrieben, aktuell auch heute, heute ist es Giftgas, heute sind es Bomben aus Übersee oder Untersee…. 


Eine fast 90jährige Bekannte rief mich heute vormittag an, sie war in der Vorstellung gestern, nach all den Elogen, die über mich prasselten, sprachen wir vom Sterben... SIE fing davon an... "Der Tod gehört zum Leben" sagte sie klarsichtig. "Angst bringt gar nichts, auch wenn man angesichts von Trump (sie sprach den Namen deutsch aus ) Putin, Erdogan schon berechtigt Angst kriegen kann." Sie holte hörbar Luft "Umso mehr" rief sie ins Telefon "Umso mehr braucht es eine Krista Posch, die so was macht, die so leuchtet mit solch einer breiten Skala an Gaben !".... 

Ich schreibe das hier, weil es mich zutiefst berührt hat, WIE diese alte Dame ZUSAMMENHÄNGE erkennt ..................... 

Cut.

Dialoge heute morgen, beim Möbel aus der Gasteig-Garderobe holen …

Ich warte an der Schranke, nachdem mich ein tiefbayrischer Pförtner schon durch die Sprechanlage mit meinem Namen begrüßt hat, den ich noch gar nicht genannt habe.
Ein kräftiger Mann mit Security-Weste kommt an die Tür. 
„G´hörn Sie dazu?“
„Ja, ich hole die Möbel aus der Blackbox, können Sie mir dabei helfen?“
„Nein. Ich hab mehrere Bandscheibenvorfälle. Es ist auch nicht meine Aufgabe. Wenn es meine Aufgabe wäre, würde ich auch mehr verdienen.“
(Bin ich noch im Horváth-Stück?…)
„Ok, dann lassen wir das Auto hier stehen und mein Mann kommt mit mir nach oben“
Der Lift landet auf Umwegen im Erdgeschoss.
Ein anderer Angestellter, sehr freundlich, mit starkem Sprachfehler, erwartet uns an der Blackbox. 
„grüthgott, hier itht der freundliche Gathteig“  ( Bin ich noch im Horváth-Stück?… Mein Vizepräparator klingt auch so.... )
Wir holen Tisch, Stuhl, Rose, Kleidersack aus dem Raum.
Wir werden thum Auto begleitet.
„Aufwiederthehn! Der freundliche Gathteig heitht eth ja“

Die Schranke draussen öffnet thich freiwillig.



text/photos (c) k.posch

.... photo : Jan, März 2017







Sonntag, 2. April 2017

schwarz-weiss ist bunter als bunt


2.4.17


Treppenaufgang Karlsplatz, München



.... generell liebe ich Schwarz-Weiss-Photos. Sie zeigen eine Essenz. Sie zeigen scheint mir mehr Wirklichkeit als es die farbige Wirklichkeit tut.... auch wenn ich sie (leider) immer noch mit meinem IPhone6s mache ... zack, zur Hand, vom Blick zum Bild, geht rasch, handlich.... 



EINBEINSTAND ....
GÄNSE-YOGA ....
Zu meinem Gänse-Yoga-Bild oben wurde mir dieses mir unbekannte Goethe-Gedicht zugeschickt. Danke an Bernhard M.




Das Leben ist ein Gänsespiel: 
Je mehr man vorwärts gehet, 
Je früher kommt man an das Ziel, 
Wo niemand gerne stehet.

Man sagt, die Gänse wären dumm, 
O, glaubt mir nicht den Leuten: 
Denn eine sieht einmal sich 'rum, 
Mich rückwärts zu bedeuten.

Ganz anders ist's in dieser Welt, 
Wo alles vorwärts drücket: 
Wenn einer stolpert oder fällt, 
Keine Seele rückwärts blicket. 



Schwarz-weiss ist immer auch bunt für mich , und heute nachmittag war es besonders bunt und Enten-und Gänse stritten sich um einen Platz in meiner Nähe, es siegte die Graugans mit dem Einbeinstand, und Ruhe war, die Sonne schien überall in den Auen und am Hinterbrühler-See, und Paddel knackten an den Booten, und Blüten drängten fast hörbar aus den Knospen, und Narzissen benahmen sich unverschämt gelb, und es grünt immer grüner, und der Wind war kühl auf dem Fahrrad, und das Herz kriegte so viel Wärme von all der Pracht rundherum ....


****



Museum Hamburger Bahnhof, Berlin, Februar 2017
Photo (c)krista Posch



****

Auch Bühnenfotos oder Porträts von mir mag ich nach wie vor fast lieber in schwarz-weiss. Wieder die Essenz. Wieder das Echte und zugleich verstärkt das "Künstliche" . Vielleicht ist es Gewöhnung, Prägung, so aufgewachsen. Vielleicht hab ich einfach auch recht.



Ich in Turrinis "Kindsmord", am Max-Reinhardt-Seminar, Wien
Erstes professionelles Theaterstück. Regie: Christian Elbing, Freund und Regiestudent damals, inzwischen verstorben.
(c)posch




Porträt von mir Mitte/Ende 1980er Jahre...  Fotograf ist mir nicht bekannt
(c)posch

****

Manches Motiv IST von Natur aus Schwarz-Weiss und da nützt kein "Farbfilm"   

natürliches schwarz-weiss, Zoo Berlin
Photo (c)krista Posch


Der Baum und ich, natürliches schwarz-weiss 




text&photos (c)KPosch