Montag, 19. Dezember 2016

GUTE WÜNSCHE *







Diese (hellgrauen) Woll-Faltenröcke waren so gemacht, dass sie mit uns mit wuchsen.... Die Träger wurden je nach Wachstumsschub versetzt und der Bund wanderte auf diese Weise allmählich in die nichtvorhandene Taille .... Das Bild hat insofern Seltenheitswert, da im Allgemeinen ein meist von Mama gestrickter Pullover drüber war, der den Wachstums- und Spar-Trick nicht ahnen liess und gnädig verdeckte ... 




Das Foto hat mit Weihnachten nur insofern etwas zu tun, als dass wir in diesem Alter noch fest ans Christkind glaubten und in der Vorweihnachtszeit uns auf Knopfdruck in kleine Engel verwandelten... ( auch sonst manchmal, je nach Bedarf...man ist ja kreativ .. ) 





Ich wünsche allen, die hier regelmäßig oder ab und zu in meinem Notiz-Blog blättern, ein paar heitere, gesunde, fröhliche, freundliche Festtage ! (wie Ihr seht, "freundlich" ist immer wieder eines meiner Lieblingswörter...) ...und auch ein aktives Mitgestalten am eigenen guten Neuen Jahr !




Das Jahr 2016 war für mich persönlich sehr voll , und künstlerisch und lebensmäßig erfreulich und interessant... auf den verschiedensten Ebenen, und dafür bin ich dankbar !


Ein Schmerz , ein Staunen ist da über den Tod meiner Schwester vor einem halben Jahr ... der wegen ihrer Krankheit vorauszusehen und dennoch unerwartet plötzlich kam... Sie liebte die Weihnachtszeit, sie war eine Kitschjule und auch gläubig, das passte alles zusammen. 


Über diese Skulptur der Südtiroler Künstlerin Maria Delago (1902-1979) hier in meinem Notiz - Blog  hätte sie sich gefreut ...




Zu dem getöpferten Krippenbild - im Original in der uralten Bauernstube auf dem Zirmerhof, in Oberradein, zu bewundern -  ist mir ein Gedicht von Rainer Maria Rilke eingefallen, das schon etwas von der Zeit nach dem Ereignis in Betlehem erzählt …




RAST AUF DER FLUCHT NACH ÄGYPTEN 

Diese, die noch eben atemlos 
flohen mitten aus dem Kindermorden: 
o wie waren sie unmerklich groß 
über ihrer Wanderschaft geworden. 

Kaum noch daß im scheuen Rückwärtsschauen 
ihres Schreckens Not zergangen war, 
und schon brachten sie auf ihrem grauen 
Maultier ganze Städte in Gefahr; 

denn so wie sie, klein im großen Land, 
- fast ein Nichts - den starken Tempeln nahten, 
platzten alle Götzen wie verraten 
und verloren völlig den Verstand. 

Ist es denkbar, daß von ihrem Gange 
alles so verzweifelt sich erbost? 
und sie wurden vor sich selber bange, 
nur das Kind war namenlos getrost. 

Immerhin, sie mußten sich darüber 
eine Weile setzen. Doch da ging 
sieh: der Baum, der still sie überhing, 
wie ein Dienender zu ihnen über: 

er verneigte sich. Derselbe Baum, 
dessen Kränze toten Pharaonen 
für das Ewige die Stirnen schonen, 
neigte sich. Er fühlte neue Kronen 
blühen. Und sie saßen wie im Traum. 

R.M.Rilke (1912) 


* * * 








Montag, 12. Dezember 2016



12.12.16



In den Wäldern leben… mit einem Papa Fantastic …. und vielen Geschwistern… meine Schwester und ich hatten solche Träume als Kinder… und irgendwann selbst mit einem Bus voller Schrazen durch die Gegend fahren …. CAPTAIN FANTASTIC im kleinen Metropol-Kino in Nord-Schwabing… auf der Rückstrampelei auf dem Fahrrad wurden die nahende Au und der volle Mond über mir auch so was „Wildes“, die Stadt war fast schon leer, das gelbe Licht der Strassenlampen tauchte die Ludwigstrasse in unwirkliches Licht… der Viktualienmarkt schlafend… und ich mit übertriebenem Tempo (und Helm!) unterwegs… 



Captain Fantastic … hallo, da draussen! habt ihr ihn gesehen, den Film? Läuft schon seit August . In München noch diesen Mittwoch, 19.45Uhr im Metropol, nachher vielleicht nicht mehr … Wie es Matt Ross gelingt, immer neue Haken in der Handlung zu schlagen, nicht in einer Hippie-Idylle hängen zu bleiben, dem Kitsch keinen Raum zu geben und sehr zu berühren (mich…) … 
Meine Kindheit kam hoch, die Sommerfrischen, die „wilde“ Zeit in den Wäldern, auf der Alm, in Pufels oberhalb St.Ulrich… Die Katze war der Tiger… die gepflanzten Bohnen hinter dem Bildstock wurden zum Urwald… im Schmetterlingsnetz wurde ein Frosch geraubt… irgendwann, als Wetterfrosch untauglich, im Netz wieder zurück zum Bach gebracht… sein heller Bauch war rot verfärbt … Beim Melken zuschauen, beim Buttern, beim Holzhacken … Pfeil und Bogen hatten wir .. Federn im Haar .

Auch ohne Wald und Naturseligkeit kann man sich von dem Film etwas abschauen ... die Ehrlichkeit , Offenheit , Zärtlichkeit untereinander , das Lösen von Problemen und Aggressionen durch Gespräche ( ist eine Binsenweisheit, ja ... aber wer macht es? ) , das Miteinander Musik machen... 


Heute ein Lied entdeckt, das ich schon fast vergessen hatte …von Mauro di Girolamo NON INSEGNATE AI BAMBINI , gesungen vom wunderbaren Giorgio Gaber . „Lehrt die Kinder nicht Eure Moral . Sie ist so krank und müde, sie könnte schaden“ …. 





Hier übersetze ich den Text des Liedes ins Deutsche : 

Lehrt die Kinder nicht . Lehrt sie nicht Eure Moral . Sie ist so krank und  müde, sie könnte schädlich sein . Vielleicht ist es ein schwerwiegende Unvorsichtigkeit, sie mit einem falschen Bewusstsein zu lassen . Lobt nicht den Gedanken, der immer rarer wird . Zeigt ihnen nicht einen bereits bekannten Weg . Aber wenn Ihr unbedingt wollt, lehrt sie nur die Magie des Lebens. Ringel Ringel Reihen .. das verändert die Welt ... Lehrt die Kinder nicht. Verbreitet nicht gesellschaftliche Illusionen. Füllt ihre Zukunft nicht mit alten Idealen. Die einzige Sicherheit ist, sie von unserer Kultur fern zu halten.Lobt nicht das Talent, das immer mehr erlischt. Gewöhnt sie nicht an Schöngetan, Theater und Tanz, aber wenn Ihr unbedingt mögt, erzählt ihnen den Traum von einer alten Hoffnung. Lehrt nicht die Kinder, sondern pflegt selbst Euer Herz und Eueren Geist. Seid ihnen immer nahe, habt Vertrauen in die Liebe, alles andere zählt nicht. Ringel Ringel Reihen .. das verändert die Welt ...Ringel Ringel Reihen .. das verändert die Welt ...




text&photos (c)krista posch









Donnerstag, 1. Dezember 2016

Drei Mal Kino

1.12.2016


.... der Trailer war so reisserisch und krachend geschnitten ... und überhaupt SciFi ... und dann doch : ARRIVAL . Ein wunderbarer Film, der einen staunen lässt über das, wovor der Mensch sich fürchtet... was er gar nicht kennt.... was er nur mit seinen alten üblichen Mitteln, nämlich mit Waffen und Gewalt bekämpfen möchte ... Ein unbekanntes Objekt hängt buchstäblich im Raum oder am Himmel oder zwischen Himmel und Erde , und eine SPRACHWISSENSCHAFTLERIN entdeckt als Einzige, wie der Zugang zum Fremden möglich ist, wie Angst durch Verstehen und Kommunikation und Sprache mit oder ohne so wunderschöne "Zen-Zeichen" , wie sie die Aliens ihr entgegen zeichnen, gebannt werden kann.... 



Arrival (englisch Ankunft) ist ein US-amerikanischer Science-Fiction-Film des kanadischenRegisseurs Denis Villeneuve  aus dem Jahr 2016. In den Hauptrollen sind Amy Adams, Forest Whitaker und Jeremy Renner zu sehen. Das von Eric Heisserer verfasste Drehbuch basiert auf der Kurzgeschichte Story of Your Life (1998) von Ted Chiang. Der Film handelt von der Landung mehrerer ausserirdischer Raumschiffe auf der Erde und einem Team aus Spezialisten, das mit den Außerirdischen kommunizieren und die Gründe für die Landung auf der Erde aufdecken soll. (aus Wikipedia)


.... Das System sind wir... es ist uns nicht von oben aufgepfropft worden... WIR haben es gemacht oder zugelassen, dass es so wird wie es geworden ist ... Zornig wird man, traurig, hilflos, wenn man Ken Loach´s Figuren zusieht, wie sie sich in kafkaesker Manier in der Mausefalle des (un)sozialen Netzes verfangen, strampeln, daran zerbrechen ... Ken Loach hat einen berührenden, unaufgeregten, auch komisch-lakonischen Film gemacht ... Nicht die Menschen in den unsympathischen Aufgaben, die sie zu erfüllen haben, sind "schlecht" oder "böse" -  es ist diese Krake aus Bürokratie und angestrengter Herzlosigkeit, die zwei Menschen , Daniel Blake und Kathie , in Not und Einsamkeit treibt ... Durch fast  chirurgische Genauigkeit bewirkt der Film I DANIEL BLAKE Empathie und Mitleid und Ratlosigkeit und man erkundigt sich nach der nächsten "Tafel", oder einer der vielen anderen Möglichkeiten , wo man helfen kann .....



I, DANIEL BLAKE : Daniel Blake ist ein 59-jähriger Tischler aus dem Nordosten Englands, der einen Herzinfarkt erleidet. Der Film setzt damit ein, dass ihn ein Arzt darüber aufklärt und ihm rät nicht mehr zu arbeiten. Bedingt durch seine Krankheit ist es Daniel nicht mehr möglich, einen Job zu finden. Er lernt die alleinerziehende Mutter Katie kennen, die vom Arbeitsamt sanktioniert worden ist und nun ihre Kinder nicht mehr ernähren kann. Zusammen versuchen sie, sich aus ihrer Situation herauszukämpfen. Katie arbeitet schwarz und Daniel hofft auf eine Invalidenrente. (aus Wikipedia)



Und der dritte Film in den vergangenen Tagen war "Florence Foster Jenkins"... Hab gelacht und geheult.. zwischen fast Hysterie und zutiefst Berührtsein über Leidenschaft und Liebe zu einer Fähigkeit, die man gern hätte und gar nicht hat .. es aber nicht erkennt..! .. Was Meryl Streep da spielt .. die Scheue, die Glückliche, das junge Mädchen, die Geschmeichelte, die Sterbende, wie sie über ihre eigenen unfassbar schrägen Krächztöne selbst staunt, und irgendwie vermute ich, dass sie - sowohl MS in der Rolle als auch womöglich die echte FFJ - tief drinnen von ihrer Unfähigkeit weiss... und auch weiss, dass sie sich ihren Traum einfach mit all ihrem ererbten Geld nur erkaufen kann .... 
Was MS rein handwerklich schafft, ohne sich die eigene Stimme zu ruinieren... wie Hugh Grant ihren Lebensmenschen spielt, zwischen echter Liebe zu ihr und seiner Abhängigkeit von ihr, und Simon Helberg den Pianisten, der das Casting gewonnen hat, um FFJ begleiten zu dürfen und sie auch bis ans bitter-peinlich-grandiose Ende begleitet ... 
Wer von Euch Musik liebt, Gesang liebt : auf in den Film . Im Original bitte ...







Text &Photo (c)krista posch








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