Freitag, 16. Juni 2017

Papa .. 🎶





Als er so aussah wie auf dem Foto oben, da war er fünf Jahre später mein Vater ... Merkwürdig ... warum so formuliert ? ...Muss jeder Gedanke der auftaucht erklärt sein ? ...
Am 16.Juni 1991 ist er gegangen, gestorben, davongeflogen, in eine andere Dimension... Ein verspielter, strahlender, charmanter Mensch, der das Leben und alles was er tat vielleicht zu ernst genommen hat... zu ernst nehmen musste...?
Die Politik hat ihn letztlich das Leben gekostet...1961 wurde er als Vertreter der Arbeitnehmerschaft (Bezirksobmann des KVW) in den Bozner Gemeinderat gewählt, von 1964 bis 1973 war er Abgeordneter im Südtiroler Landtag .... Auf der Seite der Arbeiter... linker Flügel der Konservativen... Wie soll ich´s nennen... Bei jeder Wahl waren wir Kinder mit eingespannt, füllten Flyer (die hiessen damals noch nicht so) in Kuverts, klebten, verteilten... 

Zu gutmütig war er ... zu großzügig... hatte zu viel Herz... Das streikte letztlich vor lauter Fremdbestimmtheit ... Die Zeit jenseits der Politik widmete mein Vater seiner Leidenschaft, der Malerei .... Eine Liebhaberei, in der er Entspannung und Freude fand.. Südtirol-Motive, Meerbilder, Landschaften, Blumen ... 


Aquarell von Pepi Posch



Papa war der erste Mann, der für mich Musik machte... auf seiner Gitarre... da hatte er auch eine vierteilige Mundharmonika drauf montiert... und spielte beide Instrumente gleichzeitig... die Mundharmonika schubste er manchmal mit dem Mund vor, um gleich übergangslos in eine andere Tonlage zu gelangen.... dabei schaute er so schelmisch-stolz, als hätte er das Ganze gerade erfunden.... Wir haben viel gesungen zusammen, wenn er Zeit hatte, Gitarrespielen hat er mir auch beigebracht. Glücklich war ich mit Blasen an den Fingerkuppen ...

Mit zarter Tenorstimme konnte er Schuberts "Leise flehen meine Lieder" singen ... hat mich immer berührt ...
Als ich noch klein war bestand ich darauf, dass er sich abends zu mir ans Bett setzte und mir "Nach Frankreich zogen zwei Grenadier´, die waren in Russland gefangen...." vorsang ... also kein Eiapopeia .....  und dann weinte ich, weil mir "Weib und Kind..." so leid taten... und plötzlich in Dur die zitierte Marseillaise am Ende, die gab mir den Rest .... aber ohne diese blutige Heine-Ballade in der Vertonung von Robert Schumann, wie ich später erfahren habe... ohne dieses Drama wollte ich nicht einschlafen ...  
... lehne ich mich weit aus dem Fenster und jeder Küchen -psychologe kann jetzt seine Schlüsse ziehen ? ..... 
Dass mein Vater mir oft und oft auf die Nerven ging, das schreibe ich hier nicht ? Dass er eifersüchtig war auf den ersten Freund ? Auf Männliches und Kopulationstaugliches in meiner Nähe überhaupt ? 


Tochter und Vater bei Papas Geburtstag irgendwann ...


... als erster Mann im Leben einer Frau hatte Papa natürlich auch Platz in meinem Chansonprogramm, das ich zusammen mit Peter Ludwig geschrieben habe :"Heut verschenk ich meinen Mann" ... Mein Vater hätte seinen Spass daran gehabt, und dieses kleine melancholische (nicht autobiografische) Lied wäre dann nicht darin vorgekommen.. (unterm Text auch der Link zum Anhören):


Papa

Papa, Du warst so stark und gross,
der Anzug blau, ein Duft im Haar,
du zeigtest mir die Welt,
Du warst mein Held,
hell wie der Wind

Papa, ich verliess Dich bald. 
Er war stark und gross wie Du!
Weisse Blüten im Kranz,
Das Leben – ein Tanz !
Ich flog davon


Ref: 
Papa, wo bist Du heut?
Weißt Du, was ich tu?
Der Stern  da  links  oben, bist das Du?
Der Stern  da  links  oben …


Papa, Du warst so zart und klein,
Deine Augen wasserblass,
Du küsstest meine Wange, 
Es dauerte nicht lange,
Du flogst davon

Papa, wir sahn uns nur selten.
Zu viel zu tun - 
Die Kinder, der Mann, das Geld ,
die Arbeit, das Haus, die Welt - 
Nun ist´s zu spät


Ref: 
Papa, wo bist Du heut?
Weißt Du, was ich tu?
Der Stern da links oben, bist das Du?

Der Stern da links oben….

(Text:Krista Posch  / Musik: Peter Ludwig)


Live-Mitschnitt des Liedes während einer Voraufführung :



Hier das Lied, ohne das ich während einer Phase meiner Kindheit nicht einschlafen wollte :


Die Grenadiere 
(Heinrich Heine)

Nach Frankreich zogen zwei Grenadier’,
Die waren in Russland gefangen.
Und als sie kamen ins deutsche Quartier,
Sie ließen die Köpfe hangen.
Da hörten sie beide die traurige Mär:
Dass Frankreich verloren gegangen,
Besiegt und zerschlagen das tapfere Heer, –
Und der Kaiser, der Kaiser gefangen.
Da weinten zusammen die Grenadier’
Wohl ob der kläglichen Kunde.
Der eine sprach: Wie weh wird mir,
Wie brennt meine alte Wunde!
Der andre sprach: Das Lied ist aus,
Auch ich möcht´ mit dir sterben,
Doch hab’ ich Weib und Kind zu Haus,
Die ohne mich verderben.
Was schert mich Weib, was schert mich Kind?
Ich trage weit bess’res Verlangen;
Lass sie betteln gehn, wenn sie hungrig sind, –
Mein Kaiser, mein Kaiser gefangen!
Gewähr’ mir, Bruder, eine Bitt’:
Wenn ich jetzt sterben werde,
So nimm meine Leiche nach Frankreich mit,
Begrab’ mich in Frankreichs Erde.
Das Ehrenkreuz am rothen Band
Sollst du aufs Herz mir legen;
Die Flinte gib mir in die Hand,
Und gürt’ mir um den Degen.
So will ich liegen und horchen still
Wie eine Schildwacht, im Grabe,
Bis einst ich höre Kanonengebrüll
Und wiehernder Rosse Getrabe.
Dann reitet mein Kaiser wohl über mein Grab,
Viel Schwerter klirren und blitzen;
Dann steig’ ich gewaffnet hervor aus dem Grab, –
Den Kaiser, den Kaiser zu schützen.



texte/bilder (c)krista posch

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