Freitag, 16. Juni 2017

Papa .. 🎶





Als er so aussah wie auf dem Foto oben, da war er fünf Jahre später mein Vater ... Merkwürdig ... warum so formuliert ? ...Muss jeder Gedanke der auftaucht erklärt sein ? ...
Am 16.Juni 1991 ist er gegangen, gestorben, davongeflogen, in eine andere Dimension... Ein verspielter, strahlender, charmanter Mensch, der das Leben und alles was er tat vielleicht zu ernst genommen hat... zu ernst nehmen musste...?
Die Politik hat ihn letztlich das Leben gekostet...1961 wurde er als Vertreter der Arbeitnehmerschaft (Bezirksobmann des KVW) in den Bozner Gemeinderat gewählt, von 1964 bis 1973 war er Abgeordneter im Südtiroler Landtag .... Auf der Seite der Arbeiter... linker Flügel der Konservativen... Wie soll ich´s nennen... Bei jeder Wahl waren wir Kinder mit eingespannt, füllten Flyer (die hiessen damals noch nicht so) in Kuverts, klebten, verteilten... 

Zu gutmütig war er ... zu großzügig... hatte zu viel Herz... Das streikte letztlich vor lauter Fremdbestimmtheit ... Die Zeit jenseits der Politik widmete mein Vater seiner Leidenschaft, der Malerei .... Eine Liebhaberei, in der er Entspannung und Freude fand.. Südtirol-Motive, Meerbilder, Landschaften, Blumen ... 


Aquarell von Pepi Posch



Papa war der erste Mann, der für mich Musik machte... auf seiner Gitarre... da hatte er auch eine vierteilige Mundharmonika drauf montiert... und spielte beide Instrumente gleichzeitig... die Mundharmonika schubste er manchmal mit dem Mund vor, um gleich übergangslos in eine andere Tonlage zu gelangen.... dabei schaute er so schelmisch-stolz, als hätte er das Ganze gerade erfunden.... Wir haben viel gesungen zusammen, wenn er Zeit hatte, Gitarrespielen hat er mir auch beigebracht. Glücklich war ich mit Blasen an den Fingerkuppen ...

Mit zarter Tenorstimme konnte er Schuberts "Leise flehen meine Lieder" singen ... hat mich immer berührt ...
Als ich noch klein war bestand ich darauf, dass er sich abends zu mir ans Bett setzte und mir "Nach Frankreich zogen zwei Grenadier´, die waren in Russland gefangen...." vorsang ... also kein Eiapopeia .....  und dann weinte ich, weil mir "Weib und Kind..." so leid taten... und plötzlich in Dur die zitierte Marseillaise am Ende, die gab mir den Rest .... aber ohne diese blutige Heine-Ballade in der Vertonung von Robert Schumann, wie ich später erfahren habe... ohne dieses Drama wollte ich nicht einschlafen ...  
... lehne ich mich weit aus dem Fenster und jeder Küchen -psychologe kann jetzt seine Schlüsse ziehen ? ..... 
Dass mein Vater mir oft und oft auf die Nerven ging, das schreibe ich hier nicht ? Dass er eifersüchtig war auf den ersten Freund ? Auf Männliches und Kopulationstaugliches in meiner Nähe überhaupt ? 


Tochter und Vater bei Papas Geburtstag irgendwann ...


... als erster Mann im Leben einer Frau hatte Papa natürlich auch Platz in meinem Chansonprogramm, das ich zusammen mit Peter Ludwig geschrieben habe :"Heut verschenk ich meinen Mann" ... Mein Vater hätte seinen Spass daran gehabt, und dieses kleine melancholische (nicht autobiografische) Lied wäre dann nicht darin vorgekommen.. (unterm Text auch der Link zum Anhören):


Papa

Papa, Du warst so stark und gross,
der Anzug blau, ein Duft im Haar,
du zeigtest mir die Welt,
Du warst mein Held,
hell wie der Wind

Papa, ich verliess Dich bald. 
Er war stark und gross wie Du!
Weisse Blüten im Kranz,
Das Leben – ein Tanz !
Ich flog davon


Ref: 
Papa, wo bist Du heut?
Weißt Du, was ich tu?
Der Stern  da  links  oben, bist das Du?
Der Stern  da  links  oben …


Papa, Du warst so zart und klein,
Deine Augen wasserblass,
Du küsstest meine Wange, 
Es dauerte nicht lange,
Du flogst davon

Papa, wir sahn uns nur selten.
Zu viel zu tun - 
Die Kinder, der Mann, das Geld ,
die Arbeit, das Haus, die Welt - 
Nun ist´s zu spät


Ref: 
Papa, wo bist Du heut?
Weißt Du, was ich tu?
Der Stern da links oben, bist das Du?

Der Stern da links oben….

(Text:Krista Posch  / Musik: Peter Ludwig)


Live-Mitschnitt des Liedes während einer Voraufführung :



Hier das Lied, ohne das ich während einer Phase meiner Kindheit nicht einschlafen wollte :


Die Grenadiere 
(Heinrich Heine)

Nach Frankreich zogen zwei Grenadier’,
Die waren in Russland gefangen.
Und als sie kamen ins deutsche Quartier,
Sie ließen die Köpfe hangen.
Da hörten sie beide die traurige Mär:
Dass Frankreich verloren gegangen,
Besiegt und zerschlagen das tapfere Heer, –
Und der Kaiser, der Kaiser gefangen.
Da weinten zusammen die Grenadier’
Wohl ob der kläglichen Kunde.
Der eine sprach: Wie weh wird mir,
Wie brennt meine alte Wunde!
Der andre sprach: Das Lied ist aus,
Auch ich möcht´ mit dir sterben,
Doch hab’ ich Weib und Kind zu Haus,
Die ohne mich verderben.
Was schert mich Weib, was schert mich Kind?
Ich trage weit bess’res Verlangen;
Lass sie betteln gehn, wenn sie hungrig sind, –
Mein Kaiser, mein Kaiser gefangen!
Gewähr’ mir, Bruder, eine Bitt’:
Wenn ich jetzt sterben werde,
So nimm meine Leiche nach Frankreich mit,
Begrab’ mich in Frankreichs Erde.
Das Ehrenkreuz am rothen Band
Sollst du aufs Herz mir legen;
Die Flinte gib mir in die Hand,
Und gürt’ mir um den Degen.
So will ich liegen und horchen still
Wie eine Schildwacht, im Grabe,
Bis einst ich höre Kanonengebrüll
Und wiehernder Rosse Getrabe.
Dann reitet mein Kaiser wohl über mein Grab,
Viel Schwerter klirren und blitzen;
Dann steig’ ich gewaffnet hervor aus dem Grab, –
Den Kaiser, den Kaiser zu schützen.



texte/bilder (c)krista posch

Samstag, 10. Juni 2017

#BLUMEN und #RILKE Bilderbuch


Unspektakulär spektakulär war der Tag heute .... Geschaut, gewesen, gedacht, gearbeitet, geruht, gelacht ..... Überlasse alle Worte Fragen Antworten nun dem Dichter Rainer Maria Rilke (1875 - 1926 ) Die Sätze sind sicher aus Zusammenhängen herausgerissen, berühren aber jeder einzelne Bedenkenswertes und Tiefes. Man kann vieles als "Kalendersprüche" abtun, wenn man selbst in Kalendersprüchen lebt. Wenn man genau in diese Zeilen hinein liest, ist diese Klarheit fast schmerzend .





WER IN SEINEM EIGENEN DASEIN SICH GRÖßER, FREIER UND MENSCHLICHER MACHT, DER TUT DAS SEINIGE ZUM FRIEDEN 

....





Und ob dir auch dein schönster Traum gefalle, und alle Träume, die vorübergehn, das Leben, wenn wir es nur recht verstehn, das Leben übertrifft sie  alle


















Das Hiesige recht in die Hand nehmen, herzlich liebevoll, erstaunend als unser vorläufig einziges: das ist zugleich, es gewöhnlich zu sagen, die große Gebrauchsanweisung Gottes 




Mitten im Schweren sollen wir unsere Freuden haben, unser Glück, unsere Träume: Da, vor der Tiefe dieses Hintergrunds, heben sie sich ab, da sehen wir erst, wie schön sie sind.








Texte von RILKE
Photos (c)krista posch







Mittwoch, 7. Juni 2017

Abendlicht, Konzert-Fest, Kyrill Petrenko, Igor Levit




Blick auf den Josephsplatz, München 


Und jetzt scheint der Mond die Abendstimmung vor und aus der Oper heraus ist nur Erinnerung und dem Engel als Hüter der Scheinwerfer ist das alles egal .

rechts oben über den Seitenlogen 


Mahlers Fünfte weinte jodelte schmelzte (ja!) zerriss einen in Stücke trumpfte auf die Posaunen von Jericho erklangen und auch die Schrammeln beim Heurigen .
Kyrill Petrenko ein tanzendes Kraftpaket mit magischen Händen wird bejubelt betrampelt das Orchester eine Wucht der Saal bebt hingerissen . 



Spiegelung im Pausenfoyer


Igor Levit mit Rachmaninow / Paganini bezaubert freut sich selbst über den Tasten steckt alle an die Musiker um ihn herum freuen sich sichtbar mit ihm .
Ich auch . Wir auch . Was für ein Geschenk dieses Konzert gestern  ...









text&fotos (c)kristaposch





Über Mahlers Fünfte, über die einzelnen Sätze, habe ich heute auf Wikipedia nachlesen können, was ich gestern gehört habe ....
hier ein Auszug : 

I. Abteilung

Ein ausführlicher Trauermarsch. In gemessenem Schritt. Streng. Wie ein Kondukt in cis-Moll ist dem eigentlichen Hauptsatz vorangestellt. Er beginnt mit einer verhaltenen Trompetenfanfare, welche zum maßgeblichen Motiv des Marsches wird. Das Motiv erinnert an den Beginn des Generalmarsches der österreichisch-ungarischen Armee. Die Fanfare wird im Orchestertutti abgeschlossen und anschließend resignierend in die Tiefe geführt. Es schließt sich ein klagendes, gesangliches Thema der Streicher an und sorgt im Folgenden für eine dunkle und bedrohliche Stimmung. Das Fanfarenmotiv kehrt nun im Orchester wieder und sorgt für eine musikalische Verdichtung. Der gemessen schreitende Zug wird durch ein erstes Trio unterbrochen. Ein plötzlich hervorbrechender Ausbruch in b-Moll, der sich zum Tutti steigert und die Grenzen des tonalen Raumes antastet, leitet es ein. Eine sprunghaft aufsteigende Melodie wird von synkopierenden Gegenrhythmen kontrastiert. "Die Geigen stets so vehement als möglich" notierte Mahler für diese Stelle in der Partitur. Der Abschnitt verläuft in zwei Steigerungswellen und nimmt ebenfalls das Fanfarenmotiv auf. Es kehrt anschließend von der Trommel unterstützt zurück und leitet eine inhaltliche Wiederholung des Marschteils ein. Das zweite, sehr kurze Trio wendet sich nach a-Moll, der Tonart des folgenden Hauptsatzes. Es wird durch die Intonation des Marschmotives durch die Pauke eingeleitet und zunächst nur von den Streichern vorgetragen. Es ist von kontrapunktischer Struktur. Ein Höhepunkt des kompletten Orchesters führt anschließend zum musikalischen Zusammenbruch des Geschehens, welcher sich in Tuttiakkorden und zerrissenen Motiven äußert, bevor das Marschthema in der Trompete erklingt. Hiermit endet der bewegende Trauermarsch in immer leiser werdender Wiederholung der Fanfare im dreifachen piano.
Es folgt der eigentliche Hauptsatz der Sinfonie in a-Moll: Stürmisch bewegt. Mit größter Vehemenz. Der Satz lehnt sich formal lose an den klassischen Sonatensatz an[2]. Er beginnt mit einem forsch auffahrenden Thema, welches zunächst nicht als ausformulierter Gedanke zu erkennen ist, sondern eine ungeordnete Motivanhäufung von Streichern und Trompeten darstellt. Hieraus entwickelt sich im stampfenden Rhythmus ein unklarer und chaotisch wirkender Gedanke, bevor sich das Geschehen beruhigt. Die Celli intonieren das getragene Marschthema des Trauermarsches, unterstützt von Akkorden der Holzbläser. Hieraus entwickelt sich ein verhaltener Gesang mit sich steigernden vorwärtsdrängenden Impuls. Immer neue Motive treten begleitend hinzu und vermitteln einen Eindruck von teilweise größter Unruhe. Ein dissonanter Höhepunkt, welcher maßgeblich von einem Streichermotiv, begleitet von den Pauken, gestaltet wird zieht einen weiteren völligen Ruhepunkt nach sich. Das Cello sucht eine Melodie auf leisem Paukenwirbel und intoniert schließlich einen ergreifenden Gedanken in f-Moll. Erneut bewegt sich die Musik im Duktus des Trauermarsches, den sie nicht zu überwinden vermag, jedoch wärmer instrumentiert ist und weniger bedrohlich wirkt. Erneut entwickelt sich große Unruhe im Orchester und leitet einen durchführungsähnlichen Teil ein, welcher mit der Dialektik des gemessenen Trauermarschthemas und des unruhigen Hauptgedankens des Satzes spielt. Die Reprise bringt einen neuen Gedanken, welcher an ein instrumentales Rezitativ erinnert. Völlig unvermittelt setzt kurz vor dem Ende ein feierlich überhöhter Choral ein, welcher nach einem musikalischen Durchbruch strebt, ohne diesen zu erreichen. Mahler lässt den Hauptsatz noch nicht mit einer solchen Apotheose enden, sondern behält sich dies für das Finale vor. Die Coda rückt dementsprechend den Satzbeginn in den Vordergrund.

II. Abteilung

Die zweite Abteilung besteht nur aus dem dritten Satz: Scherzo. Kräftig, nicht zu schnell in D-Dur. Es stellt somit in gewisser Weise einen Mittelpunkt der Sinfonie dar. Mit 819 Takten und etwa 20 Minuten Aufführungsdauer handelt es sich auch um den längsten Satz der Sinfonie. Ein weitestgehend unbeschwerter Ton steht im Kontrast zur düstereren ersten Abteilung und scheint diese Anspannung auflösen zu können. Ein unbeschwertes Fanfarenmotiv, welches keinerlei Ähnlichkeit zum Trauermarschmotiv mehr aufweist, eröffnet den Satz. Hieraus entwickelt sich ein einfaches und optimistisches Thema im Ländlerrhythmus. Eine Antwort der ersten Violine erscheint hingegen harmonisch seltsam verschoben und führt das groteske Element des Scherzos ein. Eine ganze Reihe einfach gebauter Themen im gleichen Duktus wird in der Folge vorgestellt. Eine Walzermelodie bestimmt das erste Trio und lässt das Bild einer traumhaft-heilen Welt entstehen. Die inhaltliche Wiederholung des Scherzos führt zu einem Tuttihöhepunkt, welcher das zweite Trio einleitet. Im Gegensatz zum ersten handelt es sich um einen langen und thematisch schwergewichtigen Einschub. Eine durchgehende Bewegung fehlt hier, zahlreiche Haltepunkte führen maßgeblich zur großen Ausdehnung des Satzes. Eine wehmütige Melodie entfaltet sich in den Holzbläsern und Streichern zu minimalistischer Pizzicatobegleitung der Streicher. Ein elegischer Hornruf wirkt wie ein entrückendes Element und verleiht dem musikalischen Geschehen einen mystischen und tiefgehenden Klang, welcher einen böhmischen Klagegesang aufgreift[3]. Nach einiger Zeit verdichtet sich das Geschehen und steigert sich zu furiosen Läufen und einem großen Fortissimo am Rande der Tonalität. Auf diese Weise leitet Mahler zur Wiederkehr des Scherzothemas über. Scherzo und beide Trios werden in variierter Form wiederholt, was ebenfalls zur großen Ausdehnung des Satzes beiträgt. Teilweise sind die Veränderungen so groß, dass der Wiederholungsteil eher wie eine Durchführung wirkt. Ein sich immer weiter steigernder Impuls wird mit dem entrückten Hornmotiv des zweiten Trios aufgehalten. In der Coda vollbringt Mahler das Kunststück, die fünf prägenden Motive des Satzes in kontrapunktischer Art und Weise zu kombinieren, was den Satz zu einem fulminanten Ende führt. Teilweise wird hier bereits die Schlussapotheose vorweggenommen.

III. Abteilung

Das Adagietto. Sehr langsam stellt den Ruhepunkt der Sinfonie dar. Im Gegensatz zu anderen Adagio-Sätzen in Mahlers Sinfonien ist er mit elf Minuten Aufführungsdauer eher kurz gehalten. Im Vergleich zum vorherigen Scherzo herrscht eine völlig veränderte Stimmung vor. Die Instrumentierung besteht nur aus Streichern und Harfe. Eine schwebende Metrik und Melodik lässt den Eindruck zerbrechlicher Intimität entstehen. Gerade deshalb wurde der Satz immer wieder als Liebeserklärung Mahlers an seine Frau Alma interpretiert[4]. Markant ist das Einschwingen der Harfen, bevor sich das Thema in den Streichern entfaltet. Langsam entwickelt sich im Anschluss eine dynamische Steigerung. Dieser dramatische Höhepunkt ist in höchst freier Chromatik gestaltet und geht, wie es für Mahler typisch ist, in mehreren Wellen vor sich. Er beruhigt sich durch die Wiederkehr des Hauptthemas. Der Mittelteil des dreiteiligen Satzes bringt einen neuen Gedanken, ohne jedoch eine Stimmungsänderung zu bewirken. Der Satz verklingt nach der Rückkehr des Hauptthemas friedlich und nahezu entrückt in pianissimo.
Die Sinfonie endet mit einem sich langsam steigernden Rondo-Finale. Allegro - Allegro giocoso. Der Satz findet nur mühsam seinen Bewegungsrhythmus. Die Einleitung besteht aus einigen rudimentären Motiven verschiedener Instrumente, welche wie ein Einschwingen wirken. Nach 23 Takten erklingt der Refraingedanke des Rondos. Die Thematik besteht bemerkenswerterweise aus dem kaum mehr erkennbaren thematischen Material des Chorals, aus dem zweiten Satz. Es entwickelt sich ein turbulentes und ausgelassenes Geschehen, welches wie eine sich stets steigernde Vorbereitung der Schlussapotheose wirkt. Ein Couplet führt ein liedhaftes, etwas schwerfällig-tänzerisches Motiv ein. Es löst sich in einem kurzen Fugatoteil auf. Die Wiederkehr des Refrains führt in pausenloser Folge zu einem weiteren, hektisch wirkenden Couplet. Der ungebrochene Bewegungsimpuls lässt eine große Hektik und Unruhe entstehen. Einzig in den Grazioso-Nebensätzen der Streicher kehrt etwas Ruhe ein, da diese die Motivik des Adagiettos aufnehmen. Der Taumel des Finalsatzes steuert schließlich auf eine furiose Schlussstretta hin. Die übersteigerte Apotheose ergeht sich in nahezu lärmender Polyphonie und grenzenlosem Jubel und wird durch die Wiederkehr des Chorals aus dem zweiten Satz eingeleitet. Mahlers letzte Tempoangabe gibt vor: "Allegro molto und bis zum Schluss beschleunigend". Der alles mitsichreißende Taumel beendet die Sinfonie mit einem mächtigen Tuttiakkord.


Donnerstag, 18. Mai 2017

Reflexe, Reflexionen



18.5.17
Reflexe an einem Früh-Sommer-Abend…

Im Freien sitzen bei einem „Rosabella“ und Spargeln und kleinem Wienerschnitzel. Zuhause riecht es stark nach frisch verfugter Badewanne und Duschwanne, ein wunderbarer Handwerker hat pünktlich und perfekt alles hingekriegt, der neue kleine Arbeitstisch in der Küche leuchtet vor sich hin. Der alte war 34 Jahre in meinem Besitz und von Holzwürmern und Jahren zu sehr zerfressen, und er stand nur kurz auf dem Gehsteig vor dem Haus, als es schon an der Haustüre klingelte . Ist das Ihr Tisch hier auf der Strasse, ich möchte den unbedingt haben! Also pfeilgerade an der richtigen Türe geklingelt hat er, freue mich, dass der wackelige Tisch noch irgendwo anders ein Zuhause gefunden hat, anstatt auf dem Wertstoffhof . 

So ein in der Abendsonne glitzernder„Rosabella“ besteht aus Prosecco, irgendwas Holunderigem, Minze und Limette….


Chris Dercon, der bald in die Berliner Volksbühne einzieht, meint, dass ein Theater keine Sprache braucht, wehrt sich mit Händen und Füssen gegen alle kritischen Bemerkungen von Theater-Afficionados, alle Feuilletonisten und Volksbühnen-Liebhaber sind seiner Meinung nach im Irrtum, es gibt noch DREI unkündbare Schauspieler am Haus, keiner will ins Engagement nach Berlin, Projekte aus alten Zeiten müssen herhalten. Alles wird übertitelt wie bei einer Opernaufführung. Ich bin hoffnungslos altmodisch, Theater ohne Schauspieler und ohne Sprache geht nicht . Auch nicht ohne Herzblut .

Die Minz-Blätter habe ich auch aufgeknabbert, die Limetten-Scheibe ausgelutscht. 

Wenn der orangene gefährlich-naive Kindskopf da drüben sich bald selbst abschafft - folgt ihm dann ein falscher Fuffziger, der keinen Pence wert ist? Gar nicht beruhigend. Wer keine Ahnung davon hat, wieviele Politiker mit Gefängnis oder Mord "schlecht behandelt" worden sind, sollte nicht Sätze eines verwöhnten Kindes sagen. 

Die Sonne ist weg.
Die Sonne scheint.
Irgendwo immer.

....

Ein kurzer Lessing-Text fällt mir ein, ein Lied aus dem Spanischen : 


GESTERN LIEBT ICH,
HEUTE LEID´ICH,
MORGEN STERB´ICH:
DENNOCH DENK´ICH
HEUT´UND MORGEN
GERN AN GESTERN 









text und fotos (c)krista posch






Donnerstag, 4. Mai 2017

4.5.2017 Ein Schiff wird kommen... die Elbphilharmonie... und so..





Der Kamelie ist hinter Kassel-Wilhelmshöhe der Kopf zu schwer geworden und abgefallen . Sie wollte nicht im Hotel zurückbleiben, also durfte sie mit und hielt noch eine Weile durch.
Auf Facebook erhält man Blumen nur auf virtuellem Weg, die mir leibhaftig verehrte Kamelie hat ein Foto in ein lebendiges Wesen verwandelt. Macht Sinn manchmal... Echtheit contra Internet.



Im ICE.
Die Rapsfelder rauschen vor dem Fenster vorbei und hinterlassen ihr Gelb.  


VaterMutterKind betreten den Grossraumwagen.
Beladen mit riesigen Tüten Burgern und Pommes. Sie ordnen sich am Nebentisch an ihren Plätzen, packen aus, nehmen sich an den Händen, beten leise aber gut hörbar : Komm Herr Jesus sei unser Gast und segne was du uns bescheret hast . Es klingt so einfach und selbstverständlich, ich glaube den Dreien. Sie lassen es sich schmecken. 
Ich bekomme eine Speck-Flammkuchen-Zunge aus dem Bistro.


Eineinhalb Tage Hamburg.
Das vertraute Dorf München war weit weg. 
Außenalster, Binnenalster.


Das neue Wahrzeichen von Hamburg sieht man schon von Weitem.

Vom Baumwall kommend ...

Es knistert in meiner Herzgegend als ich vor dem Schiff aus Glas und Licht stehe...  kein Bild kann es mit der Wirklichkeit aufnehmen.  
Zehn Jahre gebaut, zehn mal teurer als geplant, ein begehbares Kunstwerk, zehn mal so hell und so großzügig empfängt mich. 









Was für Einblicke !
Was für Ausblicke ! 
Der Hafen spielt die Hauptrolle. Die Spiegelungen. 

Bullauge 


Das Musik-Kreuzschiff schaukelt leise.
Meinetwegen darf es abheben. 

Es hebt nicht ab. 

In jedem sakralen Raum aus frühen Zeiten entführt einen der Klang und hüllt Geist und Körper ein. Hat sich damals jemand explizit mit der "Akustik" befasst ? 
Was sind Hörgewohnheiten ?
Die Baumeister der Vergangenheit haben die Resonanzräume wohl intuitiv in die Bögen und Gewölbe mit eingebaut ... oder sich gar nicht darum gekümmert ?....  

Detail in der Elphilharmonie



Was ist "ideale Akustik" ? 
Ich mache diese in meinem Kopf, mit meinen Stereo-Ohren... vielleicht..
und Du in Deinem mit Deinen Stereo-Ohren... vielleicht..
Und im Weinberg von Herzog-DeMeuron muss ich vielleicht öfters noch Musik hören, bis ich mich an die Vorstellungen von "Star-Akustiker" Yasuhisa Toyota anpasse... ?



Ein Schiff wird kommen ...


Ein Ereignis ist ein Besuch dort auf alle Fälle und gestern wurden das Dresdner Festtspielorchester und Ivor Bolton, die strahlende Barockputte unter den Dirigenten,  von den kühlen Hanseaten mit Gejohle und Getrampel gefeiert. 

Sunset in der Konzert-Pause



 ...jede Stadt klingt anders.... 
Hamburg jetzt erst mal furztrocken.

Schön war´s 



text&fotos: (c)krista posch


Kamelientransport ...