Sonntag, 17. Dezember 2017

TAGEBUCH 17.12. 2017 ENGEL




Wir spüren sie manches Mal, die schützende Hand...
 im Moment von Gefahr, von Ratlosigkeit, von Sorge... 
Wir können sie staunend erst benennen, wenn die Gefahr, 
die Ratlosigkeit, die Sorge vorbei sind, gelöst, aufgehoben...

Wir sind aufgeklärt und glauben nicht an gefiederte Wesen, die uns umschwirren ...
Wir haben alles im Griff...
Wir sind unabhängig von Geistern...
Wir sind die Vernunft...
Was wir nicht sehen können, gibt es nicht...

Aber wir spüren es manches Mal, 
das, was wir nicht sehen können,
im Moment einer Gefahr, einer Ratlosigkeit, einer Sorge... 
Wir können es staunend erst benennen,
das, was wir nicht sehen können, 
wenn die Gefahr, die Ratlosigkeit, die Sorge vorbei sind, 
gelöst, aufgehoben...





Fliegende Nike, myrinäisch, 2. - 1. Jht. v. Chr., Antikensammlung Berlin




ICH LIEß MEINEN ENGEL LANGE NICHT LOS,
UND ER VERARMTE IN MEINEN ARMEN
UND WURDE KLEIN, UND ICH WURDE GROß:
UND AUF EINMAL WAR ICH DAS ERBARMEN,
UND ER EINE ZITTERNDE BITTE BLOß.

DA HAB ICH IHM SEINEN HIMMEL GEGEBEN, -
UND ER LIEß MIR DAS NAHE, DARAUS ER ENTSCHWAND;
ER LERNTE DAS SCHWEBEN, ICH LERNTE DAS LEBEN,
UND WIR HABEN LANGSAM EINANDER ERKANNT...

Rainer Maria Rilke 
4.12.1875 - 29.12. 1926


.. dieses Gedicht kann man oft und oft lesen und verstehen lernen ... 




 Jakob mit dem Engel 
von Rembrandt



In meinem Leben hatte ich so viele "Schutzengel"... Ich kann die Situationen gar nicht alle aufzählen, die allein 2017 tödlich enden hätten können, und lebendig bin ich dann doch am Strassenrand gestanden... vom Fahrrad gestiegen... den Berg weiter hinauf und hinunter gestapft ... Mit Schutz in mir und um mich herum...




Troiza – Abrahams Gastmahl mit den drei Engeln in Mamre (um 1425)




Darstellung der neun Chöre der Engel auf einer griechischen Ikone

In unserer Imagination, unseren "Himmeln" weltweit gibt es keine Grenzen...  in jeder Kultur, in jeder Religion, freundliche, schützende, strenge, helfende, kontrollierende, beistehende, geflügelte Wesen über uns, abgebildet mit Trompeten, Harfen, Saitenspiel. Sie klingen, schwingen uns ein, treten in Resonanz mit menschlichen Körpern, denen vielleicht plötzlich mal Unerklärliches geschieht, ein Vibrieren, ein Schauder, ein kurzes oder langes Glücksgefühl, eine plötzliche Einsicht...
Gottes HelfershelferInnen... Des Etwas, das wir Gott nennen...



Der Engel Isrāfīl in einer Qazwīnī-Handschrift aus dem 14. Jahrhundert


Aus Wikipedia:
Die Vorstellung eines geistigen Wesens neben dem Hauptgott oder den Hauptgottheiten ist im vorderasiatischen Kulturraum altüberliefertes Kulturgut. In den Mythographien Babyloniens und aus den heiligen Schriften des Zoroastrismus sind ähnliche Mittler zwischen Gottheit und Welt zu finden. Bildliche Darstellungen zeigen Engel meist als geflügelte Wesen. Mythische geflügelte Mischwesen im persischen Reich und die Darstellung altägyptischer Gottheiten zeigen Wesen, die zur sakralen göttlichen Sphäre gehören. Engelgestalten sind in solchen Religionen daher keine Vollgötter, sondern der Kategorie der Halbgottheiten zuzuordnen.
Manchmal werden auch in polytheistischen Religionen gottgleiche, aber nicht göttliche Wesen, die das Überirdische vermitteln können, mit Engel übersetzt oder verglichen, so z. B. Deva, die indischen Halbgötter und Gottheiten. Im allgemeinen Sprachgebrauch versteht man unter Engel jedoch Boten eines einzigen Gottes einer der monotheistischen Anschauungen.


Euch und Ihnen allen wünsche ich eine entspannte Zeit und gesunde frohe Weihnachtstage ! 2018 möge ein friedliches und segensreiches Jahr sein und ich glaube, alle Schutzengel der Welt brauchen zur Zeit tätige Hilfe von jedem Einzelnen von uns !




Deckenmalerei um 1420, Stiftskirche in Neustadt an der Weinstrasse




der Erzengel Michael von Pietro Perugino





worte (c)krista posch

Foto: Danielle Marie Armstrong, eine Freundin.


Sonntag, 12. November 2017

TAGEBUCH 11.11. ...Goethe und Brecht, die weisen alten Machos ...



Goethe, der alte Macho, der große Dichter, hat es gewusst, als er sein "Heideröslein" schrieb... aus dem ein Volkslied wurde und ein Schubert-Kunstlied... und man kennt es so und hat es so im Ohr, aber der tiefere Sinn in dem kurzen Gedicht wird meinen Zuhörern oft erst bewusst, wenn ich es spreche, spiele, wie eine kleine Szene... Konnte es gestern im Pelkoven-Schlössl bei dem Benefiz-Abend  für Springers "Orienthelfer e.V." und eine Moosacher Bürgerinitiative wieder merken, als den Menschen im Saal bewusst wurde, dass es in diesem Goethe-Text um eine Vergewaltigung geht... "musst es eben leiden..." Das Röslein wehrte sich und stach, half ihm doch kein Weh und Ach ...... #esauch..... 
Ich war fünfundzwanzig und mit meinem Sohn schwanger,  das weiss ich auch noch sehr gut, als ich bei einem Konzert im Bozner Waltherhaus das "Heideröslein" auf meine Weise spielte und sagte, und ich erinnere mich genau an die Reaktion der Bozner... ein lautes erstauntes Gemurmel ...

Sah ein Knab ein Röslein stehn,
Röslein auf der Heiden,
war so jung und morgenschön,
lief er schnell, es nah zu sehn,
sah’s mit vielen Freuden.
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.

Knabe sprach: "Ich breche dich,
Röslein auf der Heiden."
Röslein sprach: "Ich steche dich,
dass du ewig denkst an mich,
und ich will’s nicht leiden."
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.


Und der wilde Knabe brach
’s Röslein auf der Heiden.
Röslein wehrte sich und stach,
half ihm doch kein Weh und Ach,
musst es eben leiden.
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.

J.W.Goethe

EMA - Akt auf einer Treppe 
Gerhard Richter
Museum Ludwig, Köln
Foto: KP

Der alte Goethe ahnte es also : Frauen sollen immer noch und wieder RÖSLEIN sein. Es stehen bei uns und nicht nur hier diejenigen in den Startlöchern, die das fördern werden. Sind in den Bundestag eingezogen. Sind gewählt worden. Von hauptsächlich männlichen Nicht-Nachdenkern...
Frauen aller Farben und Länder und aller Schichten ahnen, fühlen wissen und kennen die zutiefst maskuline und hunderte von Jahren alte tiefste tiefste Botschaft hinter den Griffen… den Angriffen, die sie erleben . 
Doppelpunkt:  Deine Bestimmung sind Heim und Herd und uns zur Verfügung stehen. Ausrufungs-zeichen. „Musst es eben leiden“ . 
Es hat sich wie ja allgemein auch öffentlich festgestellt wird letztlich noch nicht wirklich was geändert....
Wo ein Mensch einem Menschen überheblich, gewalttätig begegnet, in Worten oder Taten, da beginnt bereits Macht-ergreifung. Das Wort ist nicht zu hoch gegriffen, alles fängt irgendwo an, nichts kommt von nichts. 
Es verschieben sich gerade vor unseren Augen die Verhältnisse, es öffnet sich wieder Mal eine Lücke im Menschen-Geflecht auf diesem Planeten … und es schwappt eine scheinbar weiträumig unterstützte und selbstangemaßte Überlegenheit (auf der Basis wovon???) von unsicheren, komplexbeladenen, angstbesetzten,  meist männlichen, aber erschreckenderweise auch ein paar weiblichen Menschen an die Oberfläche und man will uns ALLE zurück in finstere Zeiten manövrieren. Es hängt von der Intelligenz, Klarheit, Menschlichkeit, und Wachheit von jedem von uns ab, dass das bitte nicht gelingt. 

So ähnlich habe ich das gestern gesagt, nachdem ich auch die wunderbare "Seeräuberjenny" vom alten Macho Brecht, dem großen Dichter, gespielt, gesagt habe ....Was alles in diesem TEXT steckt, das durch die so eingängige Weill´sche Melodie getragen wird....ich habe das Lied oft schon vorgetragen... Brecht ahnte mit dieser Ballade jedenfalls, dass Frauen - vielleicht - wieder anfangen werden, Racheträume zu träumen. Es stehen ja diejenigen in den Startlöchern, die das fördern werden. Sind in den Bundestag eingezogen. Sind gewählt worden. Von überwiegend männlichen Nicht-Nachdenkern...  


Meine Herrn, heut sehn sie mich Gläser abwaschen
Und ich mache das Bett für jeden
Und sie geben mir einen Penny
Und ich bedanke mich schnell
Und sie sehen meine Lumpen und dies lumpige Hotel
Und sie wissen nicht, mit wem sie reden
Und sie wissen nicht, mit wem sie reden
Aber eines Abends wird ein geschrei sein am Hafen
Und man fragt, was ist das für ein geschrei?
Und man wird mich lächeln sehn bei meinen Gläsern
Und man sagt: was lächelt die dabei?
Und ein Schiff mit 8 Segeln und mit 50 Kanonen
Wird liegen am Kai
Man sagt: geh wisch Deine Gläser, mein Kind
Und man reicht mir den Penny hin
Und der Penny wird genommen
Und das Bett wird gemacht
Es wird keiner mehr drin wohnen in dieser nacht
Und sie wissen immer noch nicht, wer ich bin
Und sie wissen immer noch nicht, wer ich bin
Aber eines Abends wird ein Getös sein am hafen
Und man fragt, was ist das für ein Getös?
Und man wird mich stehen sehn an meinem Fenster
Und man fragt: was lächelt die so bös
Und das Schiff mit 8 Segeln und mit 50 Kanonen
Wird beschiessen die Stadt
Und es werden kommen 100 gen Mittag an Land
Und werden in den Schatten treten
Und fangen einen jeglichen vor jeglicher Tür
Und legen in Ketten und bringen vor mir
Und fragen: welchen sollen wir töten
Und fragen: welchen sollen wir töten
Und an diesem Mittag wird es still sein am Hafen
Wenn man fragt: wer jetzt sterben muss?
Und dann werden sie mich sagen hören : ALLE
Und wenn dann der Kopf fällt, sag ich : HOPPLA!
Und das Schiff mit 8 Segeln und mit 50 Kanonen
Wird entschwinden mit mir….

B.Brecht


ein Teil der Münchner Künstler, die gestern beim Benefiz-Abend dabei waren, vor dem Auftritt, in der Massengarderobe 😉  vom Pelkoven-Schlössl
(c)privat  

Text(c) Krista Posch


Mittwoch, 1. November 2017

FERNSEHEN .... STARK *






Welches Geheimnis, welche Traurigkeit in diesen Jugendlichen steckt.... wie sie in einem Geflecht von Erwachsenen-Lügen, Versteckspielen, Einsamkeit, Scheinheiligkeit aufwachsen und verloren gehen... in UNSEREM Geflecht... das passiert nicht nur in der Oberpfalz in einem kleinen Kaff. Das passiert im Kleinen wie im Großen...

Bin berührt, verblüfft, begeistert von dem, was ich jetzt vier Mal hintereinander gesehen habe ... Kann es fast nicht glauben... So kann ein TV-Vierteiler also auch sein : Vier mal 9o Minuten Spannung, ausnahmslos gute Schauspieler, eine Regie von Hans-Christian Schmid, die ohne Schnörkel und Umwege eine Geschichte erzählt, der man 360 Minuten lang ohne einen Moment von Ermüdung folgt, Drehbuch, Filmmusik, Szenenbild, Kostümbild ... die Genauigkeit, die dokumentarische Wucht ... ich komme aus dem Schwärmen gar nicht heraus. Die Art und Weise, wie sich das Drama dieser "Kinder" zuspitzt, ist von der Stringenz einer griechischen Tragödie. Kein einziges Mal dachte ich wie sonst häufig : Das könnte man aber auch in 60 Minuten erzählen. Oder auch gar nicht .
TV-Spielfilme, oder andere Formate wie "Tatort" zum Beispiel, erfüllen oft eine 90-Minuten-Pflicht, anstatt einen Inhalt. Einem Inhalt dienen, ihn erzählen, ihn uns nahebringen, den Zuschauer mitnehmen, ohne in Schulfunk-Erklärungen zu verfallen, den Zuschauer fordern, ihn für intelligent halten.... Alle vier Folgen sind bis Ende NOVEMBER in der Mediathek zu sehen. Schaut sie Euch an.

http://www.daserste.de/unterhaltung/serie/das-verschwinden/index.html


ELISA SCHLOTT als Janine



MARTIN FEIFEL und die herausragende JULIA JENTSCH





  • BESETZUNG:

  • Julia Jentsch Michelle Grabowski
  • Johanna Ingelfinger Manu Essmann
  • Saskia Rosendahl Laura Wagner
  • Elisa Schlott Janine Grabowski
  • Mehmet Atesci Tarik Karaman
  • Nina Kunzendorf Steffi Essmann
  • Sebastian Blomberg Leo Essmann
  • Caroline Ebner Annegret Wagner
  • Michael A. Grimm Helmut Wagner
  • Teresa Harder Kerstin Karaman
  • Vedat Erincin Ayhan Karaman
  • Godehard Giese Martin Göhl
  • Stephan Zinner Gerd Markwart
  • Martin Feifel Jens Köhler




Wikipedia: 
David Denk von der Süddeutsche Zeitung bezeichnet die Krimiserie von Hans-Christian Schmid als einen „großen Wurf.“ 
Auch Alexandra Seitz von der Berliner Zeitung ist voll Lob für den Regisseur und konstatiert „langen Atem, eine ruhige Hand und ein gutes Auge“ bei der gelungenen Umsetzung des Stoffes. Er ziehe „nicht nur simpel den verklärenden Schleier der Biederkeit und des Wohlanständigen beiseite, um einen dahinter liegenden Sumpf des Verbrechens zu beleuchten“, sondern es werden die, „die eigentlich nichts Böses im Schilde führen, die aber in unterschiedlichen Zwängen gefangen sind, die von Ängsten beherrscht und von unerfüllten Hoffnungen geplagt werden“, wunderbar ins Licht der Geschichte gebracht. 
Elmar Krekeler von Die Welt stellt fest, dass es Schmid gelingt über sechs Stunden die Handlung „offen, ambivalent und nicht erklärend […] auszubreiten, ohne an Tiefe zu verlieren und an Dichte und existenzieller Wucht.“





Montag, 9. Oktober 2017

MEIN UND KÖNIG LAURINS ROSENGARTEN ... UNESCO Weltnaturerbe





Meine Kindheit und Jugend fanden im Angesicht dieses Panoramas statt, in Grau, in Rosa, in Violett : 



Und immer der allzeit weisse Fleck, das "Gartl", in der Mitte vom Rosengarten. Schlern, Rosengarten, Vajolet-Türme, Latemar... Die Reihenfolge ist meist nicht korrekt bei mir, ich war nie gut in Geografie oder in Heimatkunde, jeder deutsche Tourist unterwegs bei einem der vielen Ausflüge, die man so machte, wusste und weiss besser Bescheid als ich. 
Die Schönheit wirkt auch namenlos. 
Je länger ich aus Bozen weg bin, um so stärker die Wirkung der Südtiroler Landschaft auf mich. Ich BIN auf irgendeine Weise diese Berge, diese Landschaft, ich habe sie in den Zellen, ich bin von ihr imprägniert und reagiere immer wieder auf sie, als ob ich Seelenverwandte treffen würde.  



Sunset über Oberbozen 


Das Land, aus dem ich komme, sieht auf allen Fotos ein bisschen kitschig aus. Es sieht einfach klasse aus. 

"Fräulein" Schlern... 
von Maria Saal aus gesehen


Die Dolomiten entstanden vor ca 200 Millionen Jahren und waren einst ein riesiges Korallenriff im Urmeer Tethys. Vielleicht versinken wir ja bald wieder darin, wenn das mit der Klimaerwärmung so weitergeht. 

Vor Kurzem war ich am Ritten und besoff mich ein paar Tage lang an meinen Dolomiten ... Der Fotospeicher quillt über von Bildern mit immer den gleichen Steinen in allen Varianten.... Die Bilder vergrößern sich übrigens alle beim Draufklicken....



Blick von Oberbozen aus

Schlern von Kematen aus gesehen

Langkofl, Plattkofl, Seiseralm, Rosszähne, Schlern vom Rittner Horn aus....

Schlern am Nachmittag




Eine der Dolomiten-Sagen, mit denen ich aufgewachsen bin :  KÖNIG LAURIN UND SEIN ROSENGARTEN

Hoch oben in den grauen Felsen des Rosengartens, dort, wo sich heute nur mehr eine öde Geröllhalde, das "Gartl", ausbreitet, lag einst König Laurins Rosengarten.
König Laurin war der Herrscher über ein zahlreiches Zwergenvolk, das dort in den Bergen nach edlem Gestein und wertvollen Erzen suchte, und besaß einen unterirdischen Palast aus funkelndem Bergkristall. Seine besondere Freude und sein Stolz aber war der große Garten vor dem Eingang zu seiner unterirdischen Kristallburg, in dem unzählige edle Rosen blühten und dufteten. Wehe aber dem, der es gewagt hätte, auch nur eine dieser Rosen zu pflücken: ihm hätte Laurin die linke Hand und den rechten Fuß genommen! Dieselbe Strafe wäre auch dem widerfahren, der den Seidenfaden zerrissen hätte, der den ganzen Rosengarten anstatt eines Zaunes umspannte.
Im Kampfe vermochte es der Zwergenkönig mit jedermann, auch dem stärksten Recken, aufzunehmen. Denn er besaß nicht nur einen Zaubergürtel, der ihm die Kraft und Stärke von zwölf Männern verlieh, sondern auch eine geheimnisvolle Tarnkappe, die ihn unsichtbar machte, wenn er sie aufsetzte.
So herrlich nun Garten und Palast des Zwergenkönigs auch gewesen sind, so fehlte ihm doch eines: eine Braut. Und als er darum hörte, daß der König an der Etsch gedenke, seine schöne Tochter Similde zu verheiraten, und eine Maifahrt ausrufen ließ, zu der sich alle Freier einfinden sollten, da freute sich Laurin und beschloß, die Einladung des Königs an der Etsch anzunehmen und auch um Similde zu werben.
Doch Tag um Tag verstrich, ohne daß ein Bote des Königs an der Etsch zu Laurin kam, um auch ihm die Einladung zu der großen Maifahrt zu überbringen. Das verdroß den Zwergenkönig, und so beschloß er denn, an dieser Maifahrt nur im geheimen teilzunehmen - indem er sich nämlich durch seine Tarnkappe unsichtbar machte.
Auf einem großen Rasenplatz vor dem Schloß des Königs an der Etsch fanden die Kampfspiele statt, an denen sich die Freier um Similde zu beteiligen hatten. Wer sich in diesen Wettspielen am meisten im Fechten und Reiten bewährt haben würde und also zuletzt als Sieger hervorging, dem wollte der König an der Etsch Similde als Maibraut anvermählen.
Sieben Tage lang dauerten die Kampfspiele, dann waren endlich die beiden Recken ermittelt, die in einem abschließenden und alles entscheidenden Wettspiel um die Hand der schönen Similde kämpfen sollten. Es waren dies Hartwig, der in seinem Schilde eine Lilie führte, und Wittich, der eine Schlange als Erkennungszeichen hatte.
Lange wogte der Kampf zwischen den beiden tapferen Recken hin und her, und es nahte schon der Sonnenuntergang, wo der Wettkampf beendet werden sollte. Doch ehe der König das Zeichen zum Aufhören geben und einen der beiden Recken zum Sieger erklären konnte, entstand auf einmal Lärm, und Stimmen schrien durcheinander: Similde ist verschwunden! Similde ist geraubt worden!
Aber als das Verschwinden der Königstochter bemerkt wurde, ritt Laurin mit Similde schon davon und konnte nicht mehr aufgehalten werden, zumal er seine Tarnkappe aufhatte und darum nicht nur er selbst, sondern auch sein Pferd und die geraubte Königstochter unsichtbar waren!
Laurin hatte im geheimen den Kampfspielen beigewohnt, und das holde Wesen der schönen Königstochter und ihr liebliches Antlitz hatten ihn je länger, desto mehr so gefangen, daß er endlich beschloß, den Ausgang des Kampfes nicht abzuwarten, wo Similde dem einen von beiden anvermählt würde, sondern die schöne Braut zu rauben und sie in sein Felsenreich zu entführen.
Hartwig und Wittich aber beschlossen, diese Schmach nicht hinzunehmen und dem Zwergenkönig Laurin - denn nur dieser konnte Similde geraubt haben, das wußte man sogleich - die entführte Königstochter wieder abzunehmen.
Doch sie wußten wohl, daß dies ein schweres Unterfangen sein werde, besaß ja Laurin einen Zwölfmännergürtel und eine Tarn- oder Nebelkappe und überdies viele tausend Zwerge, die gewiß für ihren König zu kämpfen bereit waren.
Und so wandten sie sich an den großen und berühmten Fürsten Dietrich von Bern und baten ihn um seine Hilfe. Dieser sagte zu, wie wohl sein alter Waffenmeister Hildebrand ihn warnte und auf die geheimnisvollen Kräfte des Zwergenkönigs hinwies.
So machten sie sich denn auf die Reise nach der Felsenburg des Zwergenfürsten: Dietrich von Bern, Hildebrand, Hartwig und Wittich, Wolfhart und noch andere tapfere Recken.
Als sie endlich vor dem herrlichen Rosengarten des Königs Laurin ankamen und die Fülle dieser Blütenpracht gewahrten, da staunten Dietrich und seine Gefährten - und sie beschlossen, den zarten Seidenfaden nicht zu zerreißen und den König herbeizurufen, um mit ihm gütlich zu unterhandeln, daß er ihnen Similde herausgeben solle, die er geraubt hatte.
Doch Wittich, der Ritter mit der Schlange im Schilde, sprang, von Ungeduld gepackt, vorwärts, zerriß den Seidenfaden und zertrat die nächsten Rosen.
Da ritt schon König Laurin auf seinem Schimmelpferdchen daher, eine kleine goldene Krone auf dem Haupte und ein glänzendes Schwert in der Rechten, kam auf Wittich zu und forderte seine Hand und seinen Fuß. Doch Wittich höhnte nur, als er den kleinen Reiter sah, und sagte: "Komm nur her, Zwerglein, ich nehme dich gleich bei den Füßen und werfe dich an die Felsenwand!"
Aber ehe er sich's versah, hatte ihn Laurin, der den Zwölfmännergürtel trug, überwältigt und wollte ihm also gleich Hand und Fuß abhacken! Dies aber konnte Dietrich von Bern nicht zulassen und eilte darum auf Laurin zu, um ihn an der Ausführung dieser furchtbaren Strafe zu hindern.
Laurin aber stieß Dietrich weg. So nahmen die beiden Könige den Zweikampf auf - der kleine Fürst des Zwergenreiches und der hünenhafte Recke aus Bern!
Mit der ganzen Zwölfmännerkraft, die ihm sein Zaubergürtel verlieh, hieb der Zwergenkönig auf den Berner ein und verwundete ihn mehrmals. Dies reizte den starken Berner, und er begann auch Laurin mit seinen Schwertstreichen nicht mehr zu schonen.
So kämpften die beiden Könige eine Weile wacker miteinander, und die Begleiter Dietrichs staunten über die Kraft und Behendigkeit des kleinen Fürsten, der sich von Dietrich nicht überwinden lassen wollte.
Da aber setzte sich Laurin auf einmal die Tarnkappe auf und war nun unsichtbar geworden! Damit war er im Vorteil: Er traf seinen Gegner mit jedem Hiebe, Dietrich von Bern aber konnte nur mehr blindlings um sich schlagen.
Da rief Hildebrand, der alte Waffenmeister: "Zerreiß ihm den Gürtel!" Dies aber war leichter gesagt als getan, denn Dietrich konnte ja den Zwergenkönig nicht sehen und also ergreifen. Da kam Hildebrand der rettende Gedanke: "Achte auf die Bewegungen des Grases, dann wirst du sehen, wo der Zwerg steht!"
Als Dietrich von Bern dies tat, konnte er sehen, wo Laurin gerade stand, er eilte auf ihn zu, packte ihn um die Mitte und zerbrach ihm den Gürtel. Dieser fiel zu Boden und Hildebrand nahm ihn an sich.
Nun war der Kampf rasch entschieden, und die Zwerge begannen zu heulen, als sie ihren König besiegt und in der Gewalt des Berners sahen, der ihm auch die Tarnkappe und alle Waffen abnahm.
Ehe aber Dietrich und seine Begleiter beschließen konnten, was mit dem besiegten Zwergenkönig zu geschehen habe, da öffnete sich im Felsen ein Tor, das vorher niemand bemerkt hatte, und Similde trat heraus mit einer Schar von Dienerinnen. Sie dankte Dietrich und den anderen Herren für ihre Befreiung, bemerkte aber auch zugleich, daß Laurin sie immer gut behandelt und wie eine Königin geehrt habe. Die Herren sollten ihm darum nicht gram sein und ihn nicht weiter befehden, sondern mit ihm Frieden und Freundschaft schließen.
Diese Rede gefiel dem starken Dietrich, und er reichte Laurin die Hand zum Frieden. Laurin nahm die Hand an und lud Dietrich und alle seine Begleiter in sein unterirdisches Felsenschloß: "Ich will euch meine Schätze zeigen und euch wohl bewirten."
Die Recken nahmen die Einladung an und betraten den hohlen Berg. Wie staunten sie, als sie die reichen Schätze des Zwergenfürsten sahen! Endlich gelangten sie in einen großen Saal, wo sich Laurin mit seinen Gästen an einer reich geschmückten Tafel zum Mahle niederließ.
Da wurden sie nun von den Zwergen aufs beste bewirtet und mit Gesang und Spiel erfreut. Doch zu vorgerückter Stunde, als sie sich etwas Derartiges nicht mehr erwarteten, wurden die Recken plötzlich von den Zwergen überfallen, in Ketten gelegt und in ein festes Gewölbe geschleppt und dort eingeschlossen.
Dieser Verrat ergrimmte Dietrich und seine Begleiter, und sie schworen dem hinterlistigen Zwergenkönig Rache. Der Zorn gab dem Berner doppelte Kräfte, und so gelang es ihm endlich, die Ketten zu zerreißen und sich und seine Gefährten zu befreien. Sie zerbrachen die Türen ihres Gefängnisses, überwanden die anstürmenden Zwerge und nahmen endlich auch den König Laurin gefangen.
Hartwig, der Ritter mit der Lilie, brachte Similde aus dem Berg, holte sein Roß herbei, setzte die Königstochter zu sich in den Sattel und ritt mit ihr heimzu, zur Burg ihres Vaters, des Königs an der Etsch. Dieser freute sich über die Rückkehr seiner entführten Tochter und ging den beiden, die da Hand in Hand auf ihn zukamen, entgegen und vermählte sie.
Dietrich und die anderen Recken aber ritten wieder nach Bern zurück. Doch den heimtückischen Zwergenkönig, der sein Friedenswort gebrochen hatte, nahmen sie mit, um ihn am Hof zu Bern gefangenzuhalten.
Er sollte nie wieder seine Felsenburg sehen können. Als er, gekettet und als Gefangener, sein Felsenreich verlassen mußte, da sprach er: "Diese Rosen haben mich verraten; hätten die Recken nicht die Rosen gesehen, so wären sie nie auf meinen Berg gekommen!" Und er verfluchte den ganzen Rosengarten und die Rosen und sprach einen Zauberbann über sie, daß sie fortan keiner mehr sehen solle, weder bei Tag noch bei Nacht. Dann verließ Laurin bitteren Herzens sein Felsenreich und zog mit den Recken nach Bern, um dort sein Leben als Gefangener zu beschließen.
Doch er hatte bei seinem Fluche die Dämmerung vergessen! Und so kommt es, daß der verzauberte Rosengarten noch oft in der Dämmerung seine Rosenpracht zeigt und daß der ganze Berg über und über im Rosenschimmer erstrahlt und so die Erinnerung wachhält, an den unglücklichen König Laurin und seinen Rosengarten.

Quelle: Bruno Mahlknecht, Südtiroler Sagen, Bozen 1981. S. 121. Frei nach K. F. Wolff, König Laurin und sein Rosengarten, Bozen 1945 und Dolomiten-Sagen, Innsbruck 1977.


Dietrich von Bern kämpft mit dem Zwergenkönig Laurin.
Brunnen in Bozen, Figur von Andreas Kompatscher, 1907
(c)Hubert Ortner




Der Rosengarten von Sirmian aus gesehen
(c)Richard Huber





Duo-Selfie am luftigen Rittnerhorn




Fotos&Text (c) krista posch


Samstag, 9. September 2017

9.9.17 TAGEBUCH






Der Tag war lang. Die Schlange vor dem Glaskasten bei der Volkshochschule auch. Ich muss den Einbürgerungstest machen, wenn ich die deutsche Staatsbürgerschaft haben möchte, zusätzlich zu meiner italienischen. Ja, möchte ich. Wählen werde ich hier dann irgendwann auch dürfen. Angekommen sein in Deutschland nach 35 Jahren eh schon hier leben und sein?
a, b, c, oder d ist viele Male bei dem Test anzukreuzen, wenn es soweit sein wird. a, b, c, oder d bei Fragen über deutsche Demokratie und so. Im Internet kann man einen Übungs-Test machen. 

Eine Dame in gestreiften Beige hüpft von einem zum Anderen und ist munter und hilfsbereit. Sie hat Lauf-Dienst. Die Kollegen sitzen an Schreibtischen und beraten. Vor und hinter mir wird mit verschiedenen Akzenten gesprochen. Alle haben Formulare in den Händen. 
Wieso brauchen Sie einen Einbürgerungstest? Die beige Dame ist sehr erstaunt. Südtirol, sage ich fast entschuldigend. Sie verdreht die Augen und lächelt. Sie schwänzelt weiter. Es dauert, aber geht vorbei. 




Vor dem Gasteig Stimmungswechsel. Klassische Musik. Ein Klavier unter einem Zeltdach lädt zum Spielen ein. Ein Steinway. Der Junge spielte schon als ich ins Haus hinein ging. So etwas hat er nicht jeden Tag unter den Fingern. Ich freue mich für ihn, ich freue mich für mich. Play me, I´m Yours.


Die Stadt München ist im Vor-Wiesn-Rausch. Sie verschandelt sich jetzt durch unzählige Treppengerüste, die alle Sehenswürdigkeiten nur mehr zur Hälfte zeigen. Immer mehr Gamsbärte tauchen auf, Lederhosen führen Männerbeine spazieren, die nicht so aussehen, als ob ihnen das recht sei, halbe Dirndln, oben Tracht, unten Stöckelschuhe, ein gigantisches Mode- und Rauschspektakel steht bevor, und die Äusserlichkeiten wollen rechtzeitig bereitet sein. 
Der Klimawandel macht vor der Wiesn halt. Der betrifft ja nur weit entfernte Länder und peitscht mit freundlichen Namen wie Hardy und Irma Millionen Menschen aus ihren Wohnungen. Der Klimawandel ist eine Erfindung der Demokraten, it´s great, it´s fantastic !





Es ist zu früh Herbst geworden. 



Was macht der Hund hinter der Glasscheibe? Er sieht aus wie aus Porzellan. Reglos. Hat er schon bestellt? 





Text&Fotos: (c)krista posch
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