Dienstag, 26. April 2016

MAMI ... Todesfest







Um diese Uhrzeit war alles vorbei 
vor drei Jahren
heute
wurde sie beerdigt
in ein Grab nicht hineinversenkt
da es durchs Ausheben 
eingebrochen war
ausgewaschener Boden am Bozner Friedhof
der Trauerzug endete weit vor dem Loch
um welches die Kränze und Buketts lagen
mit vorwurfsvoll duldendem Blick
ich nahm das Mikrophon aus der irritierten Hand des Priesters
"Ende der Vorstellung"
heiter näherten sich alle der ungeordneten Grube

E adesso dove mi metto 
auf italienisch wird sie gesagt haben
zur ukrainischen Badante 
die sie nur so verstehen konnte

Lily
musste noch eine Nacht in der Kühlkammer ruhen
sie fror doch immer so
Der Leichenschmaus bei Hanni in Bozen-Dorf vereinigte
Freunde und Verwandte aus überall her 
bei frischem Spargel die Erdbeeren wurden bereits in fortgeschrittener guter Laune 
verzehrt 
durch  Südtiroler Weissweine beflügelt 
auch der Geburtstag meiner Schwester
an diesem Todesfest 




Leichtfüßig Mami
keine wunden Diabetiker-Stumpen mehr
bist du jetzt sonstwo Mami
aufgelöst frei Mami
ein Wind Mami
ohne deine ewigen uralt eingebrannten Ängste
schön jung rassig
so erinnere ich dich aus Kindertagen
lachend 





Worte, Photos (c)Krista Posch


Freitag, 8. April 2016

Berlin - mal wieder , LONDON SPY , Charlotte Rampling, Synchron

8.4.16

Die weißblonde Stewardess sah so luftig  aus, wie es  ihr Name auf dem Schildchen verhieß : K. LUFT . Auf meine Frage ob das ihr Künstlername sei lief sie rosig an, wurde etwas undurchsichtiger und schwor, es sei ihr irdischer Achtname 😊

Der Herr neben mir buchte vor dem Flug noch mobil schnell sein Hotel und gab lauthals seine Daten und CC Nummer durch . Ich weiß jetzt alles von Dir, Herr Dragomir ...

Vor mir auf 21D ein sehr fröhlicher Junge, für den Fliegen noch NATÜRLICHERWEISE ein ABENTEUER war ... Er pfiff und trällerte zwischendurch und seine Mutter konnte ihn nur mit Mühe davon abhalten, die Schwimmweste zu inspizieren ..

Der tiefgekühlte Rührkuchen - Snack beruhigte nicht bei den Turbulenzen, lenkte aber etwas ab , bevor der Vogel honigsanft in Tegel aufsetzte ... Ja, Tegel ist noch immer da ! Möchte mich auch nicht mehr umgewöhnen ... Ok ?

Heller Frühlingshimmel über Berlin .. 15grad

   
....

Der von kindlicher Vitalität vibrierende polnische Fahrer den man mir bis Sonntag an die Seite stellt, damit ich auch pünktlich im dunklen Studio lande, begrüßt mich mit einem Schwall Italienisch . Er habe im Internet gelesen, ich spräche auch italienisch . Seine Lieblingssprache ! Im Wagen dreht er die Klaviermusik im Radio lauter, dann sagt er auf deutsch  : "Chopin ... Schön... Aber traurig ... Er war in Paris und hatte soviel Heimland-weh ... So gelitten ... Aber sonst hätte er vielleicht gar nicht so schöne Musik schreiben können ... Aber trotzdem, die Menschheit soll nicht leiden..."
HEIMLANDWEH ! Welch berührendes Wort von Bogdan über Frederic ...

....


Das Café EINSTEIN , Kurfürstenstraße .

                                        

Mein liebstes Resto in Berlin . Österreichisches Flair , der Akzent des Obers genau wie der der Crew-Chefin beim heutigen Flug . Ich hätte mich nicht gewundert, wenn wir eigentlich in Wien Schwechat gelandet wären... ( das Schreibprogramm mag das Wort Schwechat erst nach viel Übung ... ) Dann hätte Charlotte Rampling   in "London Spy" morgen vergeblich auf mich gewartet ... 


In den Synchronstudios von Wenzel Lüdecke leihe ich dieser wunderbaren Schauspielerin wieder meine Stimme..

Am NebenTisch im Einstein besprechen junge Männer heftig einen Film, ein Drehbuch ... Verlassener Lover im Bild 18 , ja oder nein ? Es steht 2:3 ! Wo ist die entscheidende Meinung der FRAU ! Elke soll im Auto hinten sitzen , John ist dagegen !!
Hui, gleich mische ich mich ein ! Na, vielleicht sitzen sie ja morgen Abend auch noch da...


Heimspurt durch die frische Frühlingsnacht . Das Jugendstil Hotel in der Nürnbergerstrasse wartet auf mich, die Kacheln haben die gleichen Farbtöne wie mein Pulli, zu freundlich.. Die Nacht auch ..


 
     




 Text und Photos : (c)Krista Posch











Mittwoch, 3. Februar 2016

Tätigkeiten . #Rilke . #Horváth .


Ich liebe an diesen Arbeiten die Intimität . Das VORLESEN, GESCHICHTEN ERZÄHLEN... wir haben das so tief in uns, dass etwas geweckt wird, das wir kennen und in das wir uns hineinbegeben und das uns auf einer bestimmten Ebene vertraut ist, schon bevor wir es hören .... 




In letzter Zeit sind zwei "Lesungen" entstanden. Sie waren eigentlich schon da, ich hab sie nur "ergriffen".. Meist ist das so, wenn ich selbst ein Programm zusammenstelle. Danach greifen einfach. Es ist alles da. Und dann geht die Entdeckungsreise los, das Schürfen, Erkennen, Verlieben, Wiedererkennen, Verwerfen, Verzweifeln, Verlieben, Assoziieren, Kümmern, Singen... Reihenfolge variabel.. 


Der HORVÁTH ist mit meinem >>"THEATER AM TISCH" und zusammen mit dem Komponisten und Pianisten Peter Ludwig und mir schon ab und zu auf Reisen durch kleine Theater, wo er letztlich hingehört, und durch schöne alte Räume .

Man kann den Abend buchen über eine Nachricht an ole.schultheis at t-online.de oder  info at krista-posch.de    >>Termine  






und nun 

R I L K E

 mystisch . intim . spannend .



Ich habe lange in vielen seiner Werke gewühlt und intuitiv ist eine Auswahl entstanden zwischen Bekanntem und kaum Bekannten, zwischen Hellem und Dunkeln, Leichtem und Mysteriösen ... Der Panther wird auf die Venus treffen, Eurydike auf den Schauenden, Orpheus auf Gottes Hand, Nachtmenschen auf Engel, Rilke auf eine junge Frau, und wenn der Sommer sehr groß war, wird auch Alkestis sich ausruhen dürfen..



Rainer Maria Rilke , geboren 1875, gestorben 1926. Er hat so viel geschrieben und wird immer wieder gelesen gesprochen versprochen benutzt verkitscht vertont . Jeder "kennt" Rilke ... und kennt ihn nicht. Er ist Poet, Lyriker, Erzähler, Dichter, Liebender, Seher und vieles mehr... für jeden wohl etwas anderes...


Jetzt also wird es ein RILKE-Programm auch von mir geben. 

Die Entdeckungsreise ist nicht abgeschlossen noch.


R I L K E . 

mystisch . intim . spannend . 

KRISTA POSCH, Stimme
MARIA REITER, Akkordeon


Probe bei Maria


Mit Maria Reiter habe ich schon zwei Mal sehr gerne, intensiv und erfolgreich zusammengearbeitet : Einmal in unserem literarisch-musikalischen Duo-Programm (HIMMELS)MACHT LIEBE ! ( >Presse ) und dann in meinem Chansonprogramm EROGENE ZONE, mit vierköpfiger Band (>Presse ) 
www.mariareiter.de 

Man kann uns auch mit Rilke buchen über eine Nachricht an    
ole.schultheis at t-online.de oder an    info at krista-posch.de .




Zwei bemerkenswerte  Bücher für Rilke-Interessierte : 

Fritz J. Raddatz  RAINER MARIA RILKE  Überzähliges Dasein . Eine Biographie . rororo

Gunna Wendt Lou Andreas Salomé und Rilke - Eine Amor fou   Insel-Taschenbuch



Rilke um 1900 ... was für ein verletzliches Gesicht ... und er hatte viel Witz auch !



Samstag, 26. Dezember 2015

als ich eigentlich tot sein sollte

Das war vor vielen vielen Jahren am 26.Dezember ich war 8 meine Schwester 7 und die neuen Skier waren samt Eltern mit uns am Karerpass . 


Der Skilehrer erfüllte seine Aufgabe und war unser Objekt der Begierde und riet uns über Vigo di Fassa nach Hause zu fahren da sei die Strasse nicht so winterglatt . 


Die Stille im vollgepackten Fiat600 war ohrenbetäubend und die Zeit dehnte sich unendlich als das Auto nach links an die Strassenmauer schlitterte dann nach rechts und da zwischen zwei Wehrsteinen präzise eingeparkt einen Tag und eine Nacht schwankend stand um sich dann für die Nacht zu entscheiden und den Abgrund 90 steile Meter hinunterzurollen . 


Der Bach lag zugefroren . Die Fahrertüre oben . Mama und ich konnten herausklettern . Hoch oben auf einem kleinen Hügel sass meine Schwester weiter droben lag reglos mein Papa und noch weiter oben ging ein junges Paar seines Weges und sah uns . Ein Wagen hielt und der zerquetschte Papa wurde unsachgemäß aber in bester Absicht ins Auto gepackt samt uns Geschockten und wir landeten in Vigo di Fassa in einem Hotel . 


Das Personal hatte die Aufgabe uns 8 und 7 jährige zu verwöhnen mit Keksen in der Hand suchten wir nach Papa und fanden ihn im Licht einer geöffneten Türe  im Bett liegend uns freundlich zuwinkend wir waren beruhigt . Ein fremdes Auto brachte uns heil zu den Großeltern in Bozen und Mama den Papa mit der Rettung ins Bozner Krankenhaus wo er drei Monate seine Rippenbrüche den Lungenriss die angebrochene Hüfte verletzte Wirbel und was noch kurieren musste . Das Loch in Mamas Hals von einer der Skistockspitzen im Fiat heilte knapp vor der Halsschlagader dann auch . Die dunkelblauen Flecken auf unseren Körpern wurden gelb und verblassten wie die Erinnerung an die kichernde Nacht bei den Großeltern im Ehebett . 


Die Stille im Geräusch des rollenden Metallhaufens die Augen meiner Mutter vor meinem Gesicht sind lange geblieben . Die neuen Skier viele Jahre später waren eine Freude und wiedergeboren worden sein an jedem Stefanstag auch .


Amaryllis hinterm Sonnenschutz 




(c) krista posch











Samstag, 19. Dezember 2015

Die Tochter von Gott und einer freundlichen Göttin ist die kleine Schwester von Jesus .



War heute im "Brandneuen Testament", einem Film von freundlichster Philosophie , Poesie , und er macht ein Fass auf für ungedachte Gedanken, utopische Realitäten, Phantasien, Träume . 


Dass wir wieder werden wie Kinder, 

ist eine unerfüllbare Forderung. 

Aber wir können zu verhüten suchen,  

dass die Kinder werden wie wir. 

( Erich Kästner )

Ea, die kleine Tochter von Gott, hackt Papas Computer, lässt jeden auf der Welt per SMS seine Todesminute wissen, und will durch Bewusst-machen der DINGE DES LEBENS den gottverursachten Katastrophen ein Ende bereiten. Sie beamt sich durch eine Waschmaschine in die Welt, ins Brüssel von heute, sucht auf Rat ihres Bruders sechs neue Apostel, und die sollen schaffen, was die zwölf von Jesus nicht geschafft haben : sich ändern, leben. 


Ein Kind schafft durch einfache Fragen, Klarheit ins selbstgemachte gottgemachte Durcheinander eines Jeden zu bringen . Das Gesicht dieses Mädchens bleibt lange hängen, ihr Ernst, diese Augen. Pili Groyne spielt Ea.



Der Film muss gesehen werden, die Besprechungen, die ich gelesen habe nachträglich, geben das nur schwach wieder, was man da entdecken kann, was kaum zu beschreiben ist, denn jeder erlebt seinen eigenen Film . 


Der Film ist mehr als ein Märchen, 

die verdrängten Sehnsüchte der "Apostel" sind auch eigene, 

zusammengestutzt auf sechs Exemplare Mensch. 

Auch der "Kitsch" da drin muss sein. 

Die Blümchen-Tapeten über der Welt, 

die von einer freundlichen Hausfrau-Göttin gerettet wird ... 


Gerettet? Die Menschen sind ja alle noch da...  Vielleicht wäre ihr Tod Erlösung für sie selbst und viele gewesen... Sie haben sich ja schon vorbereitet .. sind endlich zentriert gewesen auf das, was sie sich immer gewünscht haben, nämlich SICH SELBST zu erleben .. und nun ..?  Na, ja ... ist eben KINO     :-) 


Ja, und dass wir alle eine kleine Musik in uns haben, jeder seine persönliche, das wird womöglich dazu bringen, Vögeln bis zum Polarkreis zu folgen  anstatt in der Mittagspause apathisch die Spatzen zu füttern,  einen freundlichen Menschenaffen zu lieben anstatt einen Affen auf zwei Beinen, der jeden Tag seine Erdnüsse auf unserem Teppich verbröselt, auf magische Weise seine Kinderliebe wieder zu treffen,  anstatt in der Peepshow kühle Popos wackeln zu sehen , mal ein Mädchen zu sein, ganz einfach, mit einem roten Kleid, das alles verändert  anstatt der Junge, der krank-geredet wurde von seiner Mutter , zu lieben , anstatt zu töten.... 


Wie wohl meine Krista-Musik klingt ? ... Vielleicht kenne ich sie ja auch schon . 

Mit der kleinen Ea in mir . Jeder hat so seine Melodie ...



Hier der Link zur Webseite des Films und zum Trailer :







Samstag, 21. November 2015

... Mütter ... Kitsch ...?




     

An Mütter muss ich immer denken wenn nah im Osten und nah Krieg ist und Terror und von Opfern die Rede ist von Terrorkämpfern 
Kinder fast 
Sprengmaterial aus Bäuchen heraus in keine Zukunft 
Buben meist durch ältere Buben meist verführt mit unserem Geld und unseren dicken Waffen und dem Gerede von Ruhm und Ehre und himmlischen Jungfraun gehirngewaschen 
Buben ohne Väter und ohne Spielzeugpistolen 
immer schon unser Geld und unsere dicken Waffen und der erlernte Hass 
keine Tränen mehr und Kinder haben die Mütter  


(c) krista posch







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    Von der Freundlichkeit der Welt 


Auf die Erde voller kaltem Wind
Kamt ihr alle als ein nacktes Kind
Frierend lagt ihr ohne alle Hab
Als ein Weib euch eine Windel gab

Keiner schrie euch, ihr wart nicht begehrt
Und man holte euch nicht im Gefährt.
Hier auf Erden wart ihr unbekannt
Als ein Mann euch einst nahm an der Hand.

Von der Erde voller kaltem Wind
Geht ihr all bedeckt mit Schorf und Grind
Fast ein jeder hat die Welt geliebt,
Wenn man ihm zwei Hände Erde gibt.


  (von Bertolt Brecht,  geschrieben 1921)


VIDEO : neulich in Paris  zärtliche Aktion eines Muslims für seine Pariser 




die Fotos aus:  adpic.de, elternwissend.com






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Montag, 16. November 2015

VERWANDLUNG

Für uns alle , heute , dieser Text von Rilke ,

eine ungeheuere Sanftheit und Kraft liegt darin 
und man kann die Worte singen hören, 
sie auf unser Kämpfen und Streiten übertragen,
und die Lösung und Rettung liegt im Verwandeln, in der Transformation .
Die Gelassenheit , die ruhige Heiterkeit der letzten Zeilen, 
sie sind Ansporn und Trost zugleich. 


Der Schauende.


Ich sehe den Bäumen die Stürme an, 
die aus laugewordenen Tagen 
an meine ängstlichen Fenster schlagen, 
und höre die Fernen Dinge sagen, 
die ich nicht ohne Freund ertragen, 
nicht ohne Schwester lieben kann. 

Da geht der Sturm, ein Umgestalter, 
geht durch den Wald und durch die Zeit, 
und alles ist wie ohne Alter: 
die Landschaft, wie ein Vers im Psalter, 
ist Ernst und Wucht und Ewigkeit. 

Wie ist das klein, womit wir ringen, 
was mit uns ringt, wie ist das groß; 
ließen wir, ähnlicher den Dingen, 
uns so vom großen Sturm bezwingen, - 
wir würden weit und namenlos. 

Was wir besiegen, ist das Kleine, 
und der Erfolg selbst macht uns klein. 
Das Ewige und Ungemeine 
will nicht von uns gebogen sein. 
Das ist der Engel, der den Ringern 
des Alten Testaments erschien: 
wenn seiner Widersacher Sehnen 
im Kampfe sich metallen dehnen, 
fühlt er sie unter seinen Fingern 
wie Saiten tiefer Melodien. 

Wen dieser Engel überwand, 
welcher so oft auf Kampf verzichtet, 
der geht gerecht und aufgerichtet 
und groß aus jener harten Hand, 
die sich, wie formend, an ihn schmiegte. 
Die Siege laden ihn nicht ein. 
Sein Wachstum ist: der Tiefbesiegte 
von immer Größerem zu sein.

Rainer Maria Rilke (1901)




Die Fotos sind im Abstand von 10 Tagen in den Isarauen entstanden .. 

der selbe Baum, ein anderes Gesicht ..

im Frühjahr werde ich Rilke sprechen, eine neue Lesung , 

Musik wird Maria Reiter auf ihrem Akkordeon machen .



(c) kposch