Montag, 24. Juli 2017

Tagebuch : Namenstag ....Sankt Christina *


Wer von Euch kennt noch NAMENSTAG ?

Der Tag, der dem eigenen Namenspatron oder der Namenspatronin geweiht ist ?


In meiner Kindheit war das für mich neben der Aufmerksamkeit und kleinen Geschenken vor allem ein "heiliger" Tag. (Das Bild hier stammt jedoch von meiner Erstkommunion.)



Sommerfrische. 
Pufels oberhalb von St.Ulrich im Grödner-Tal.
An jedem 24. Juli um fünf Uhr morgens gewaschen und gekämmt mit der Bäuerin, zu derem Hof unsere Ferienwohnung gehörte, in die Kirche gestapft. Ich wollte das so.... Frühmesse. Die Wenigen, die da waren, sangen in meinen Augen nur für mich, beteten nur für mich. Und über allem schwebte meine Heilige Christine.
Auch wenn mir wie so oft in der Kirche, übel wurde, und ich anschliessend der Bäuerin über den langen Rock kotzte - das Ritual am 24.Juli musste sein .

Es gibt mehrere Christinen . Meine Namenspatronin steht für CHRISTINA von Bolsena aus dem 3.Jh. , eine Mystikerein und Märtyrerin.
Sie war hartnäckig in ihrer Leidenschaft und immun gegen allerlei Foltermethoden, so leicht war sie nicht umzubringen....


rechts oben sitz ich auf den Schultern von Gottfried, dem Holzschnitzer
auf der Wiese vor dem Bauernhaus der Familie Delago .

Die Überlieferung, die ich in Heiligen-Bilderbüchern gefunden habe damals, erzählt etwa folgendes:
Christina wuchs in einem sehr wohlhabenden Elternhaus auf. Obwohl sie sehr schön war und viele sie zur Gattin nehmen wollten, weigerten sich ihre Eltern, sie jemandem zur Ehe zu geben, denn sie wollten die Jungfrau dem Dienste der römischen Götter weihen. Ihr Vater schloss sie deshalb vorsichtshalber mit zwölf Dienerinnen in einen Turm ein und gab ihr silberne und goldene Götterbildnisse mit.
Eine ihrer Dienerinnen, die Christin war, unterrichtete sie im christlichen Glauben. Die anderen Dienerinnen berichteten Christinas Vater, dass diese den Göttern nicht die üblichen Weihrauchopfer darbringen wolle. Ihr Vater redete auf sie ein, sie solle nicht nur einem Gott opfern, denn dies würde die anderen Götter erzürnen. Christina erwiderte, sie bringe ihr Opfer nur dem dreifaltigen Gott dar. Dann zerbrach sie die Götterbildnisse ihres Vaters und verteilte das Gold und Silber an die Armen. Als ihr Vater dies hörte, wurde er so zornig, dass er Christina mit Ruten auspeitschen und ins Gefängnis bringen ließ. Christinas Leib wies wundersamerweise keine Spuren der Schläge auf. Ihr Vater konnte sich dies nur mit Zauberei erklären und ließ Christina auf ein Schiff bringen, wo man sie mit einem Mühlstein um den Hals im Meer versenken wollte. Doch eilten Engel zur Hilfe, die sie über Wasser hielten und sie wieder aufs Land führten. Dort warf man sie in einen glühenden Ofen, in dem sie fünf Tage und Nächte überlebte. Später ließ man Schlangen auf sie los. Die giftigen leckten ihr die Füße, die anderen schlangen sich um ihren Hals, ohne ihr irgendein Leid zuzufügen. Zuletzt riss man ihr die Zunge heraus, doch Christina verlor die Sprache nicht. Im Tempel des Apollo stürzten auf ihr Gebet die Götzenbilder in den Staub.
Daraufhin durchbohrte man Christina mit zwei Pfeilen. Der eine traf sie ins Herz, der zweite in die Seite, worauf die Märtyrin starb. Sie gilt als Patronin der Müller, Seeleute und Bogenschützen.  (aus Wikipedia)

Erinnere mich, dass ich stolz war auf meine standhafte Heilige .....
St.Christina, von Moriz Schlachter , Ravensburg.

Werden diese Geschichten heute noch erzählt ? ...
Fühlt sich heute noch jemand "besonders" und identifiziert sich mit der Geschichte seines Namens-Patrons ....? ?
Was hat die Katholische Kirche uns schon in Kinderbüchern Beängstigendes beigebracht ... Wieviel Angst und Schrecken wurde (wird?) auf Schulkinder losgelassen.... Wieviel Angst müssen all diese rotbekäppiten Männer haben, die versuchen, ihre "Schäflein" unwissend und unterdrückt zu halten... Wieviel Angst haben ALLE, die mit RELIGION Furcht verbreiten... die mit RELIGION unterdrücken... sich jahrelang an den Schwächsten vergriffen haben, im Wissen, dass die aus Scham schweigen werden...  
Sind all die Ninjas, Lichtritter, scheußlichen kosmischen Kämpfer in den Kinderzimmern weniger gefährlich ? Hat heute statt der Kirche einfach die Werbung die Unterdrückungs- und Zwangs-Anpassungs-Mittel in der Hand.... Schlechtes Gewissen für "sexuelle Handlungen an sich selbst" ist einstweilen wohl eher der Furcht gewichen, nicht schön genug, nicht schlank genug, nicht pickelfrei, nicht Mode-Marken-hörig, nicht genug "mainstreamig"  zu sein.


WENN ES KEINE ANGST MEHR GIBT IN UNS,
SIND WIR FREI.
....

ZU GEFÄHRLICH WOHL

...
Schädelreliquie von Christina von Stommeln ,
eine andere, SELIGE Christina.



Allen Christinen, Christeln, Christianen, Kristas, Chrissies und so weiter  jedenfalls einen wunderbaren Namenstag 







(c)krista posch

Beim Klicken auf die Fotos vergrößern diese sich 








Montag, 17. Juli 2017

Tagebuch. ...sie ist ein Krug voll Honig...










Großmutter.
Das klingt alt,
macht alt.
Ein wunderbares Wort dennoch.
Große Mutter.
Archetypisch klingt es,
Märchen leuchten im Wort,
Böses auch.

Sie ist alt,
faltig, und sitzt in einem Lehnstuhl.
Alt ist relativ heute.
Farbe in den Haaren tüncht die Oma ins Jüngere.
Seelen- und herzensjung sein hilft,
ein junger Körper auch.

Ich bin jedenfalls Großmutter.
Mein Sohn hat zwei kleine Jungs
sie sind meine Enkel
ich bin also Großmutter.
Seit 7 Jahren.

Sie nennen mich Krista-Omi.
Es gibt weitere Omas rundherum,
heute so üblich,
nahe und ferne.
Ich bin eine ferne 
und doch nahe Omi.


Lorenz, 6

Zum ersten Mal sind die beiden Buben hier in unserer Münchner Wohnung, die kein Kinderzimmer hat, und nun für einige Tage ein einziges großes Kinderzimmer ist. 
Wir stolpern über Farbstifte, Lego-Männchen, Comics, mp3-player, Zeichnungen kleben an den Türen, Zahnbürsten mit Froschaugen stehen im Bad, ich lese vor, ich tröste, streichle, schlichte, und soll plötzlich ein Familienticket fürs Lego-Land buchen, das anscheinend ein Kinder-Nirvana ist. Werbung funktioniert. Freude seit Tagen.



Die Welt dreht sich mit und für Enkel weiter, 
sichtbar, nahbar, 
sie sind an der Reihe, 
sie sind noch zu vielem imstande und herausgefordert, 
und kreativ sind sie auf alle Fälle und behütet und kraftvoll,
 und dankbar bin ich, dass es meine gibt. 

Die Enkel in all den Kriegsgebieten dieses Planeten sind im Kindesalter schon alte Männer und Frauen und die Kraft und Zuversicht haben WIR ihnen genommen, und kein Ort nirgends gibt ihnen Kraft und Zuversicht wieder und wenn sich die verschiedenen Enkel dieser Welt mal im Mannes-und Frauenalter begegnen, wünsche ich tonnenweise Glück und Kraft für NEUES.




Ferienfoto

Die Arme - zwei Henkel
Großmutter ist ein Krug.
Sie ist ein Krug voll Honig.
An jedem Henkel
klebt ein Enkel,
die haben nie genug.
(Reiner Kunze)




Bilder/Texte ©️krista posch










Dienstag, 27. Juni 2017

#FFMUC Ein paar Momente beim Filmfest München 2017









23.6. 
Castingnight des BVC... 
Voller als voll im Palaissaal im Bayrischen Hof ... Gespräche ... ciao.... hallo.... Und mitten drin ein Peugeot ... Der Sponsor... Wiedersehen mit Rufus Beck nach vielen Jahren ... 





Ganz München feiert Film und Sommer ... Der Gärtnerplatz eine Stehparty, die Reichenbachbrücke ein Corso ... die Isarauen ein Nachtstrand ... und immer die Linden ..







 24.6.
…Bin sehr berührt und begeistert von dem Film „Die Freibadclique“ … gerade im RIO1 gesehen… 2018 sendet ihn ARD . Was Friedemann Fromm da vor allem mit den Jungs macht … wie er sie führt.. wie sie ihm vertrauen… was sie sich „trauen“… herzlichen Glückwunsch zu dieser Geschichte, Friedemann Fromm … und zu diesem Cast, bei dem ihm wieder Mal die wunderbare Heta Mantscheff beigestanden ist …. Toll !  


…. Der Tag war ewig lang heute… vormittag Podiumsdiskussion des Bundesverbandes Casting. „Besetzung - Spiegel der Gesellschaft ?“ Übervoll der Carl-Orff-Saal im Gasteig. Spannendes Thema. Fast zu groß und "brisant" für zwei knappe Stunden, viele Seitenstränge taten sich auf… Migrationshintergrund… Migrationsvordergrund…. Bio-Deutsch (!) ….. Sollen Filme die Gesellschaft nur spiegeln oder im Idealfall Impulse geben und „Vorbild“ sein können, um Zuschauer mit unserer „neuen“ , bunten, diversen Gesellschaft vertraut zu machen ? …. Mir war nicht klar, wie viele Scheren im Kopf von den Machern, die sich ehrlich äusserten, noch zu kappen sind, und als das Ganze sich von rassistisch zu sexistisch ausweitete ( mit Recht ) war klar, wie viel es da noch zu tun gibt ….  Alles geht weiter, verändert sich, schlägt sich in Geschichten nieder, die bunter, weiblicher, unkonventioneller, schubladen-frei sein könnten, als sie zur Zeit (noch)oft sind …  Zu viel „Angst“ regiert wohl (noch) die Redaktions- und Produzentenstuben … 



Der sogenannte Südtirol-Empfang vom Bolzano Filmfestival Bozen nachher auf der kleinen Lounge-Terrasse wie immer gut besucht, alle tauchen hier auf und ein, Speck, Schüttelbrot, Südtiroler Weine sind heiss begehrt unter Filmfestbesuchern und plötzlich treffe ich auch eine Bozner Kollegin, die ich nur vom Namen her kannte, Barbara Romaner, einige Jahre Ensemblemitglied des Münchner Volkstheaters, und bei gepflegtem gemeinsam hochdeutschen Ton  fallen wir nach dem gegenseitigen Erkennen plötzlich in den heimatlichen Dialekt und freuen uns beide .




Vorhin, beim Heimradeln: Abendrot, Wolkenschwarz, Himmelblau …. und wieder die Linden. 




25.6 
Manch Filmfest-Tag ist nur ein Schnipsel, aber ein stark angefülltes ...Noch dazu in einem meiner Münchner Lieblingskinos : Sendlinger Tor Kino , klasse Vintage Raum... Über dem Eingang gibt es da noch die handgemalten Filmplakate ... Zumindest EIN solcher Künstler hat dort also noch zu tun... wie im City-Kino auch... Aussterbendes Metier ....Filmplakatmaler ...






Von Mulhalland Drive, Blue Velvet, Twin Peaks ist nie die Rede in der Dokumentation über David Lynch . Die Filmemacher Jon Nguyen, Rick Barnes, Olivia Neergaard-Holm haben ihn drei Jahre lang begleitet und NUR David Lynch erzählt über sein Werden zu dem was er ist und man schaut ihm beim Arbeiten, Malen, damals und heute zu. THE ART LIFE wird noch Mal gezeigt, am Donnerstag, 29.6. um 20.00 im Carl-Orff-saal, Gasteig. Hingehen, wer in der Nähe ist und gute Dokus liebt ! 





26.6. 
So ein strahlender Sommertag heute, da überlegt man sich, ob man die Kinokarte für den 11 Uhr Film nicht verfallen lassen soll ... Wie gut, dass ich es nicht getan habe und ZUCKERSAND von Dirk Kummer angeschaut habe... ja, ja, kommt alles auch im Fernsehen, ist ein TV-Film... War aber heute großes Kino, eine klare, berührende, auch komische, lakonisch und gerade erzählte Geschichte aus den Siebzigern in der DDR.... in den Hauptrollen zwei 10jährige Buben... kein Kinderfilm ... Den kleinen Tilman Döbler und seine Augen, sein Spiel... werde ich nicht so rasch vergessen.... wunderbar als so unterschiedliche Mütter Deborah Kaufmann und Katharina Marie Schubert...




In der Goldenen Bar im Haus der Kunst feierte die die Südtiroler Filmförderung, die IDM, ihren Filmfestnachmittag. 
ZUCKERSAND klang noch nach, ein Glas gekühlter Rosé mit Tonicwater , bekannte Gesichter, deutsch-italienische Klänge .... das Filmfest geht heute schon für mich zu Ende. 





Der Englische Garten weht herüber auf die Terrasse und lockt und ich radle durch den lindendurchwirkten Park zur Verleihung des Schwabinger Kunstpreises in die gänzlich atmosphärefreie aber den Preis sponsernde Sparkassen-Verwaltung .... 



Gratulation an die Autorin Gunna Wendt, an den Schauspieler Thorsten Krohn, und an das Kollektiv "Express Brass Band" ! Das Sparkassen-Foyer verwandelte sich drinnen und draussen in New Orleans, die Hitze tat das ihre dazu, und man sah Stadträte, Kultur-Referenten, Freunde und Fremde vor dem Eingang der Sparkasse tanzen .... 



Nach fast zwanzig Jahren wieder getroffen : Die Regisseurin, Schauspielerin und Filmemacherin Margit Saad-Ponnelle ...










Dienstag, 20. Juni 2017

St. Moritz, Augsburg ... Pure Schönheit



Der Mann, der da vorne in der lichtdurchfluteten Apsis steht und dem Betrachter "zuwinkt" , 
ihn einlädt, näher zu kommen, 
heisst Jesus,  
und ist von hinreissender Ausstrahlung und kraftvoller, charmanter (!) Unaufdringlichkeit ..

Der berührendste sakrale Bau, den ich seit langem gesehen habe : 
St.Moritz in Augsburg, 
innen vor ein paar Jahren umgestaltet vom Architekten und Designer John Pawson, 
der es dem japanischen Architekten Shiro Kuramata verdankt, dass er das wurde, was er sein sollte ... 
ein Magier des Lichts, des Minimalismus....



Der Raum strahlt die Klarheit, Demut, Konzentration dessen aus, der sich seiner annahm. 




Die sparsam mit einbezogenen Skulpturen aus dem 17. Jahrhundert, wie der rettende Christus, St.Sebastian, St. Christophorus, und verschiedene Apostelfiguren, stammen von Georg Petel und von Ehrgott Bernhard Bendel.




Alles Blutige, Schwere, Belastende, Dunkel-Katholische, das den Kirchgänger in einen "Wurm" verwandelt, ihn sich als solchen fühlen lässt, muss hier wohl wegfallen...



Fahrt nach Augsburg und lasst Euch von dieser Licht gewordenen Stille einfangen und anrühren ...




Zum Vergrößern der Fotos draufklicken ...
Fotos&Worte (c)krista posch



Homepage von John Pawson :


in Wikipedia steht über JP : 






Freitag, 16. Juni 2017

Papa .. 🎶





Als er so aussah wie auf dem Foto oben, da war er fünf Jahre später mein Vater ... Merkwürdig ... warum so formuliert ? ...Muss jeder Gedanke der auftaucht erklärt sein ? ...
Am 16.Juni 1991 ist er gegangen, gestorben, davongeflogen, in eine andere Dimension... Ein verspielter, strahlender, charmanter Mensch, der das Leben und alles was er tat vielleicht zu ernst genommen hat... zu ernst nehmen musste...?
Die Politik hat ihn letztlich das Leben gekostet...1961 wurde er als Vertreter der Arbeitnehmerschaft (Bezirksobmann des KVW) in den Bozner Gemeinderat gewählt, von 1964 bis 1973 war er Abgeordneter im Südtiroler Landtag .... Auf der Seite der Arbeiter... linker Flügel der Konservativen... Wie soll ich´s nennen... Bei jeder Wahl waren wir Kinder mit eingespannt, füllten Flyer (die hiessen damals noch nicht so) in Kuverts, klebten, verteilten... 

Zu gutmütig war er ... zu großzügig... hatte zu viel Herz... Das streikte letztlich vor lauter Fremdbestimmtheit ... Die Zeit jenseits der Politik widmete mein Vater seiner Leidenschaft, der Malerei .... Eine Liebhaberei, in der er Entspannung und Freude fand.. Südtirol-Motive, Meerbilder, Landschaften, Blumen ... 


Aquarell von Pepi Posch



Papa war der erste Mann, der für mich Musik machte... auf seiner Gitarre... da hatte er auch eine vierteilige Mundharmonika drauf montiert... und spielte beide Instrumente gleichzeitig... die Mundharmonika schubste er manchmal mit dem Mund vor, um gleich übergangslos in eine andere Tonlage zu gelangen.... dabei schaute er so schelmisch-stolz, als hätte er das Ganze gerade erfunden.... Wir haben viel gesungen zusammen, wenn er Zeit hatte, Gitarrespielen hat er mir auch beigebracht. Glücklich war ich mit Blasen an den Fingerkuppen ...

Mit zarter Tenorstimme konnte er Schuberts "Leise flehen meine Lieder" singen ... hat mich immer berührt ...
Als ich noch klein war bestand ich darauf, dass er sich abends zu mir ans Bett setzte und mir "Nach Frankreich zogen zwei Grenadier´, die waren in Russland gefangen...." vorsang ... also kein Eiapopeia .....  und dann weinte ich, weil mir "Weib und Kind..." so leid taten... und plötzlich in Dur die zitierte Marseillaise am Ende, die gab mir den Rest .... aber ohne diese blutige Heine-Ballade in der Vertonung von Robert Schumann, wie ich später erfahren habe... ohne dieses Drama wollte ich nicht einschlafen ...  
... lehne ich mich weit aus dem Fenster und jeder Küchen -psychologe kann jetzt seine Schlüsse ziehen ? ..... 
Dass mein Vater mir oft und oft auf die Nerven ging, das schreibe ich hier nicht ? Dass er eifersüchtig war auf den ersten Freund ? Auf Männliches und Kopulationstaugliches in meiner Nähe überhaupt ? 


Tochter und Vater bei Papas Geburtstag irgendwann ...


... als erster Mann im Leben einer Frau hatte Papa natürlich auch Platz in meinem Chansonprogramm, das ich zusammen mit Peter Ludwig geschrieben habe :"Heut verschenk ich meinen Mann" ... Mein Vater hätte seinen Spass daran gehabt, und dieses kleine melancholische (nicht autobiografische) Lied wäre dann nicht darin vorgekommen.. (unterm Text auch der Link zum Anhören):


Papa

Papa, Du warst so stark und gross,
der Anzug blau, ein Duft im Haar,
du zeigtest mir die Welt,
Du warst mein Held,
hell wie der Wind

Papa, ich verliess Dich bald. 
Er war stark und gross wie Du!
Weisse Blüten im Kranz,
Das Leben – ein Tanz !
Ich flog davon


Ref: 
Papa, wo bist Du heut?
Weißt Du, was ich tu?
Der Stern  da  links  oben, bist das Du?
Der Stern  da  links  oben …


Papa, Du warst so zart und klein,
Deine Augen wasserblass,
Du küsstest meine Wange, 
Es dauerte nicht lange,
Du flogst davon

Papa, wir sahn uns nur selten.
Zu viel zu tun - 
Die Kinder, der Mann, das Geld ,
die Arbeit, das Haus, die Welt - 
Nun ist´s zu spät


Ref: 
Papa, wo bist Du heut?
Weißt Du, was ich tu?
Der Stern da links oben, bist das Du?

Der Stern da links oben….

(Text:Krista Posch  / Musik: Peter Ludwig)


Live-Mitschnitt des Liedes während einer Voraufführung :



Hier das Lied, ohne das ich während einer Phase meiner Kindheit nicht einschlafen wollte :


Die Grenadiere 
(Heinrich Heine)

Nach Frankreich zogen zwei Grenadier’,
Die waren in Russland gefangen.
Und als sie kamen ins deutsche Quartier,
Sie ließen die Köpfe hangen.
Da hörten sie beide die traurige Mär:
Dass Frankreich verloren gegangen,
Besiegt und zerschlagen das tapfere Heer, –
Und der Kaiser, der Kaiser gefangen.
Da weinten zusammen die Grenadier’
Wohl ob der kläglichen Kunde.
Der eine sprach: Wie weh wird mir,
Wie brennt meine alte Wunde!
Der andre sprach: Das Lied ist aus,
Auch ich möcht´ mit dir sterben,
Doch hab’ ich Weib und Kind zu Haus,
Die ohne mich verderben.
Was schert mich Weib, was schert mich Kind?
Ich trage weit bess’res Verlangen;
Lass sie betteln gehn, wenn sie hungrig sind, –
Mein Kaiser, mein Kaiser gefangen!
Gewähr’ mir, Bruder, eine Bitt’:
Wenn ich jetzt sterben werde,
So nimm meine Leiche nach Frankreich mit,
Begrab’ mich in Frankreichs Erde.
Das Ehrenkreuz am rothen Band
Sollst du aufs Herz mir legen;
Die Flinte gib mir in die Hand,
Und gürt’ mir um den Degen.
So will ich liegen und horchen still
Wie eine Schildwacht, im Grabe,
Bis einst ich höre Kanonengebrüll
Und wiehernder Rosse Getrabe.
Dann reitet mein Kaiser wohl über mein Grab,
Viel Schwerter klirren und blitzen;
Dann steig’ ich gewaffnet hervor aus dem Grab, –
Den Kaiser, den Kaiser zu schützen.



texte/bilder (c)krista posch