In den letzten Wochen war ich häufig im Kino, sehe meist zu, dass ich nicht vorher schon eine Besprechung lese, die mir die Handlung erzählt und das Urteil des Kritikers. Schaue mir alles unvoreingenommen an, genau so wie ich in ein Konzert gehe, meist ohne mehr Vorwissen, als ich durch Erziehung, Beobachtung, und "kollektives Gedächtnis" in mir habe.
Meine Highlights im Kino in der letzten Zeit waren "The Salesman" des iranischen Regisseurs Asghar Farhadi, unbedingt anschauen ! Weiters "Manchester by the sea" von Kenneth Lonergan, unbedingt anschauen ! Weiters "Kundschafter des Friedens" von Robert Thalheim , schon lange nicht mehr so viel gelacht im Kino ! Und neulich nun ELLE von Paul Verhoeven mit Isabelle Huppert. IsabELLE Huppert.
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| Isabelle Huppert "Elle" (c)SBS Productions |
Sie hat alle Preise abgeräumt, die ihr zustehen, und auch der Film selbst wurde hochgelobt und hoch nominiert, ich konnte nichts damit anfangen, sorry. Für mich ist dieser Film die spekulative Alt-Männer-Phantasie eines Regisseurs, der seine sexuellen Obsessionen auf die Hauptfigur überträgt, ( ...ich weiss, der Film ist nach dem Roman von Philippe Dijan "Oh..." entstanden...) und Hupperts Fähigkeit, sich als großartiges Einfühlungschamäleon in alle Situationen begeben zu können, "schamlos" ausbeutet. Mit der französischen Bourgeoisie hat er gar nichts am Hut, alles ist vorhersehbar, also für mich war das so, kein Geheimnis weit und breit, das "verhüllt", alles fett oder platt symbolisch vorhanden.
Hupperts Darstellung in Hanekes "Klavierspielerin" und in Hanekes "Liebe" , oder in "8 Frauen" von Ozon , um nur ein paar zu nennen - - chapeau !
WILDE MAUS wurde zur Berlinale eingeladen und brach in Österreich Zuschauer-Rekorde. Josef Hader, mein geliebter BRENNER aus den gleichnamigen Krimis, der großartige Kabarettist Hader, der Schauspieler, der schauen kann wie wenige andere, er führt Regie, spielt die Hauptrolle, hat das Buch zum Film geschrieben. Er hat etwas ausprobiert, das er sich erträumt hat, und die Mittel dazu bekommen. Wunderbare Kollegen auch, Georg Friedrich zum Beispiel als Praterfuzzi, oder seine Film-Ehefrau und -Psychotherapeutin Pia Hierzegger , Jörg Hartmann als schwuler Chef... alle eigentlich.
Es gab Woody Allan in dem Film, die Coen-Brüder, Kaurismäki ... nicht die schlechtesten Vorbilder 😊 . Ich habe immer mal wieder gelacht, es stellte sich aber keine "emotionale" Verbindung zur Hader-Rolle her, ich suchte in mir immer das Gefühl von wirklichem Interesse an diesem Georg, und es stellte sich zu wenig ein.
Vielleicht musste ich ja ein bisschen enttäuscht werden, da meine Erwartungen so natürlich hoch waren. Vielleicht hätte doch jemand "von aussen" auf die Regie schauen sollen, am Rhythmus was machen, Längen kürzen sollen, die eben nur Länge erzählten. Vielleicht ist Hader ein großartiger Schauspieler, wenn er Stefan Zweig bei Maria Schrader spielt, oder eben Kommissar Brenner bei Wolfgang Murnberger . Ein großartiger Kabarettist ist er sowieso !
Erinnere mich an eines seiner Programme in der alten Lach und Schiess in München, viele Jahre her. Ich sass in einem Sessel in der ersten Reihe, hautnah also, und irgendwann ergab es sich, dass Hader mich in seinen Tiraden als "Sparringpartner" benutzte, je mehr ich lächelnd standhielt, umso mehr war ich Vertreterin des Publikums für ihn. Am Ende der Vorstellung, bevor er nach nicht enden wollendem Applaus die Bühne verliess, wollte er noch wissen, wer ich sei, und bedankte sich für die "Mitarbeit" .
Aber gerne, Herr Hader !
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| Josef Hader (c)Kurier.at |
Text (c)Krista Posch
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