Zeit haben dürfen hält jung, macht jung.
Zeit auch nutzen können, zulassen, dass man sie hat, nichts müssen, was nicht gerade JETZT ist. Nichts anpeilen. Nichts erfüllen müssen. Fast Glück.
Urlaub ist, mit sich bei sich sein. Wo auch immer.
Den Raum wechseln, das hilft, zu sich zu kommen.
Und man bekommt Durst beim steilen Aufwärtssteigen, dem jungen Inn entlang. Freundlich die Dame mit dem Strohhut, sie müsse auch bald Pause machen, und lächelt und geht weiter. Es dauert Stunden bis zum malerischen Lunghin-See hoch und noch eine gute halbe Stunde bis zum Pass, 2645m, wo einmalig in Europa drei Flüsse ihre Ursprungsquelle haben: der Inn, die Maira, die Julia. Die Babystation der Riesenflüsse, die sich in die Nordsee, die Adria und ins Schwarze Meer ergießen schliesslich. Mich berührt das.
Die Dame mit dem Strohhut sehe ich wieder unten am See, als ich die dampfenden Füße ins eiskalte Wasser tauche. Sie schlägt vor, einen anderen Weg gemeinsam zurückzugehen. Alle Wunder und steilen Wege erwarten uns und schliesslich auch das Dorf, in welchem HEIDI gedreht wurde, aber die Füsse können nicht mehr, nach 7 Stunden unterwegs bergauf bergab. Man lernt sich kennen auf so einem langen Weg und macht auch zusammen Autostop am Ende. Er muss heute noch nach Mailand, die Familie bleibt am Silser-See. Ferragosto, das Super-Weekend der Italiener, ist zu Ende. Mit der Strohhut-Dame tausche ich Mail-adresse und Telefon aus. Wann hab ich denn so etwas zum letzten Mal gemacht. Die Beine schmerzen, die Seele lacht.
In Maloja (Schweiz) die Gletschermühlen. Wahrzeichen der letzten Eiszeit. Künstler habe damit "gespielt", Mensch und Natur. Ohne Wettbewerb.
Auf dem Sentiero Segantini, Richtung Torre Belvedere.
"Ich bin auf der Suche nach der Quelle, die als Spiegel dienen kann", schrieb der Symbolist Segantini an seine Frau Bice. In dieser wassergefüllten Gletschermühle hat er ihn gefunden, um die Eitelkeit als "Quelle des Bösen" darzustellen....
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| Segantinis "Die Eitelkeit" |
| große glänzende Gletschermühle |
Im Hotel Schweizerhaus übernachtete Freud seinerzeit mit seiner jungen Schwägerin. Eintrag im Gästebuch. Er war angeblich absolut monogam. Auch Freud musste sich also seiner Triebe vergewissern.
Ein schönes Bild des Vaters von Alberto Giacometti hängt da, Giovanni Giacometti, er hat, wie in einem Brief steht, nie die 500 Franken dafür erhalten. Er wollte niemals mehr auf Vorschuss arbeiten. Künstler hatten es schon immer schwer mit den Finanzen.
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| herzförmiger See Lac Zoe |
Ein Erlebnis, die vergangenen Tage in den französischen Bergen... in Souliers im Queyras, und in Boscodon danach.
Soirée de Pizza, für alle im Dorf, mehr Touristen als Einheimische gibt es da, die leckerste Pizza ever gab es, frisch zubereitet vor aller Augen im Holzkohlenfeuer. Wein aus Pappbechern, Stimmung freundlichst animiert trotz Kälte.
| Christina beim Teig ausrollen |
Eine Nacht schlafen in der BERGERIE, kochen, Kühe beobachten, Kälbchen, alle wollten nahe an der Hütte sein, sie ist ein Unterschlupf für Wanderer bei Gewitter. Olga, mit der ich mich für ein paar Tage getroffen habe, und ich, wir habe das als Luxus empfunden, diesen Tag dort.
Einfachheit ist Luxus.
Die Erde ist eine Pracht, ein Geschenk ist es darauf zu wandern, zu schauen, zu atmen, zu essen. Der Wiesenkräuterduft betörend.
Murmeltiere allenthalben. Pfiffe hinter mir her, wie in Jugendzeiten.
Ich muss lachen.
text&bilder (c)KPosch
Die Bilder vergrößern sich beim Draufklicken
>>> mehr zu Giovanni Segantini
>>> mehr zur Wasserscheide am Lunghin

Sehr schön geschrieben und tolle Bilder. Bei den Pfiffen, musste ich auch schmunzeln.
AntwortenLöschenDanke ! Und ... 😊
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