Mittwoch, 20. Dezember 2017

TAGEBUCH 21.12.2017 ...LEBEN.... BOZEN ... drei Tage



Durchs bezaubernd verschneite Österreich bin ich gefahren ... Drunter matscht es braun, so braun.



Bozen. 
Warum trug der angeleinte Mops heute einen Pelzkragen?
Was hat der Tannenbaum verbrochen, dass er mit einem O versehen uns wochenlang die Ohren verschmutzt?
Was macht für Menschen aus dem In- und Ausland den Bozner Weihnachtsmarkt dermaßen attraktiv?
Was passiert mit all dem Tand, wenn Weihnachten vorbei ist?
Was passiert mit den täglich nicht verkauften Brezeln und Broten?


Warum ist die stille Nacht so laut?

Vor den verschiedenen Weihnachtsmärkten stehen wie überall Poller. Und viel Polizei. Mit kugelsicherer Weste und gezücktem Maschinengewehr. Sie sprechen laut miteinander. Das Italienisch entschärft ihre Gefährlichkeit. 

Der Glühwein den ich an einem Stand probieren darf, bevor ich eventuell einen Becher voll bestelle, ist lecker. Die Tasse, die der junge Mann bereit hält, nicht sauber. Mir vergeht die Lust auf heissen Alkohol. Bin auch so guter Dinge .





Bozen... Meine Heimatstadt... hier bin ich geboren... aufgewachsen... Zum ersten Mal geheiratet habe ich hier , meinen wunderbaren Sohn bekommen , geschieden wurde ich hier.
Die Stimme der RAI Sender Bozen war ich jahrelang... Theater gespielt habe ich hier, nebenbei, von 5 bis 30 ... meine Mutter gepflegt und beim schmerzhaften Aufhören begleitet habe ich hier ... Also, sehr viel Leben hier in diesem Bozner Talkessel verbracht habe ich .... in immer größeren Abständen... und wenn ich nun, wo viele Menschen von damals weggezogen oder gestorben sind, oder der Kontakt sich aufgelöst hat... wenn ich nun nach Bozen komme - - - es wird mir immer ein bisschen fremder, be-fremdlicher... Das ist nicht traurig, der Heimat-Geruch ist noch da, meldet sich aus den Zellen, schwappt ins Fleisch.... die Fremdheit überwiegt, tut auch gut, Distanz lässt Klarheit zu... 


Die Talferwiesen ... 

Weihnachtliche Talferbrücke von unten...




Zwei mal Fünf Euro für die zahllosen dunkelhäutigen Bettler, die einem etwas aufdringlich den Weg versperren halte ich bereit für die nächste Gelegenheit. Plötzlich taucht keiner mehr auf.



Eine Freundin hier in Bozen macht Musik, im Haydn-Orchester von Bozen und Trient spielt sie Cello, und sie strickt in ihrer Freizeit. Mützen. Sie strickt jeden Abend, jeden Tag. Sie sieht manchmal ihre Mützen auf Flüchtlingsköpfen durch die Stadt wandern und hüpfen, sagt sie. Das gefällt mir.



Sunset vom Hotelzimmer aus. Die Tage werden wieder länger hell nun. 



Das Museion, das großartige Glas-Bauwerk, das moderne Bozner Museum, hat ein sympathisches Café, in welches ich gerne gehe. Wenn es warm ist, sitzt man direkt an der Talfer, der Cappuccino schmeckt besonders gut. Ist noch Platz hier an Ihrem Tischchen? Etwas widerwillig räumt die Dame mir Platz ein. Schweigen. Hoi, griaßDi! Eine andere begrüßt sie. Dann zu mir Hallo, wir kennen uns, vom Theater Bozen...  Kann sein. Ja. Ich bin Krista, hallo. Und die erste mischt sich ein. Krista POSCH? Ja. Und das Klima ändert sich schlagartig. Welche Ehre, lächelt sie. Ich lächle zurück. 
Sie macht soziale Bildungsarbeit. Erzählt interessant. Muss aber bald los. Ich bleibe noch sitzen. 


höchstens am Vormittag so leer, die Museion Bar 


Vor dem Museion der NachdenkBaum von Gianni Pettena
ENERGY FREE TREE


innen

lichtvoll innen 


Ein Besuch im FilmclubBozen, im Capitol-Kino ( so hieß das früher ) erweist sich als heilend von all dem verrückten Klingeling-Rummel draußen, der ja schließlich auch nicht für mich konzipiert ist, ich will den Weihnachtsrummel ja niemandem madig machen,  jeder bekommt was er braucht, was er sich wünscht! Have um Himmels Willen fun *




WALK WITH ME. Eine Doku über Stille, Achtsamkeit, Sehnsucht nach Ganzheit.  Hat meiner Meinung nach mit Weihnacht "in echt" zu tun. 
Der Film wirkt wie eine innere Massage. Mir ging es jedenfalls so.



Überall glitzert es. Weiss jemand in all dem Lärm warum das so ist? Glitzern ist gerade international. 
Wenn wir genau und tief schauen glitzern wir das ganze Jahr. Wenn wir es wollen, leuchten wir. Hach...💎 



winziger Weihnachtsmarkt im Bahnhofspark, mit Eislaufplatz ,
vom 4. Stock des LAURIN aus gesehen

Am Waltherplatz 

Alljährliches Spitzen Treffen vor dem Bozner Dom


Schulfreundinnentreffen.
Wärme. Offenheit. Lachen. Erinnerungen. Ihre Geschichten lassen mich - unter anderem - auch mein Weggehen, mein aus Bozen Weg-Gegangen-sein immer neu verstehen... und ich freue mich, bei jeder Begegnung mit ihnen eben spiegelnd auch MIR zu begegnen. Dankbar.


In der schönsten Bar Oberitaliens, der Laurin-Bar. Ich warte darauf bedient zu werden. Eine junge Frau kommt auf mich zu. Reinstes Südtiroler Idiom. Sein Sie die Herlinde? Nein. Entschuldings. 
Herlinde saß weiter drüben. 

Die Buchhandlung unter den Lauben ist rappelvoll. Ein bestimmtes Weihnachtsgeschenk möchte ich hier kaufen, keine Ahnung, wo die richtige Abteilung ist, Hauptsache ich komme durch den Menschenpulk durch. Ganz vorne steht eine junge Frau ruhig und unterbeschäftigt am Info-Stand. Ich äussere meinen Wunsch. Ich kenne Sie, sagt sie. Kann sein, ich bin Krista Posch. So kürze ich Ratespiele ab. Sie ist glücklich, macht ein Selfie für Facebook. Ich stimme zu. Sie war so unaufdringlich und klar. 

Viele Begegnungen diesmal, beabsichtigt und unbeabsichtigt. Lebendig. Lustig. Am Abend zwei Glas Franciacorta Spumante getrunken und dann bin ich meist etwas übersinnlich, wie Jan zu sagen pflegt.
Noch ist Bozen wohl nicht aus meinen Zellen raus.
Freue mich aufs nächste Mal.


Nun wieder München. Hier bin ich schon so daheim.


NachtBild


Links : 
>>  MUSEION   http://www.museion.it/?lang=de
>>   BOZEN bei Wiki
>>   Filmclub Bozen


Mein Weltnaturerbe von der Wassermauer aus gesehen ....




worte&bilder (c) krista posch













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