Freitag, 23. Februar 2018

TAGEBUCH 23.2.2018 KRRRRR......


Heute mit Joan Baez von der Magnetfeld-Therapie nach Hause gefahren
Sie sprach superbayrisch, war elegant gekleidet, grauer Schopf, 
und ihr aus dem Gesicht geschnitten. 

Ich bin nicht mit Skiern die Streif hinunter gejagt 
Ich bin nicht beim Schlittschuhlaufen hingefallen
Ich habe bei keinem Sport wettbewerbt
Ich habe einfach eine mir vertraute, geliebte Stretch-Übung gemacht 
Zu sehr geliebt
Zu sehr gedehnt
Es machte für mich hörbar leise krrrrr....

Manchmal sorgt das Universum für eine Entschleunigung 
und das Leben nagelt einem einen kleinen Gelenkkapsel-Riss ans Knie
im wahrsten Sinn des Wortes. 
Dazu eine futuristisch anmutende Beinschiene
für 2-3 Wochen 
und zwei leuchtend kobaltblaue Unterarm-Stützen, 
(ist vornehm für : Krücken) 
Mit Katzenaugen.
Für 2-3 Wochen.


Der Schmerz schlich sich erst ein paar Tage nach dem krrrr ein
Gut Ding braucht Weile


Klaklirr ... die Stöcke fallen zu Boden


Der Münchner Arzt im Helios (!) durchleuchtet mit allen vorhandenen Mitteln dieses Wunder-Gelenk Knie :
Nix gebrochen
Nix kaputtgeschabt
keine Arthrose
Nur dieser kleine Riss
und eine geplatzte Baker-Zyste
Harmlos
Bis sie platzt
und ihre Flüssigkeit verteilt
Wer will schon immer eingesperrt in meinem Knie leben


Klaklirr ... die Stöcke fallen zu Boden


Mein Alltag ändert sich für 2-3 Wochen total
Die Aufmerksamkeit bei jeder Geste jedem Schritt ist enorm

Wie trage ich mit Krücken eine Tasse Tee zum Tisch? Gar nicht.
Wo kann ich mich festhalten um auch ohne Stützen weiterzukommen? Im Bad klappt das.
Wohin kann ich mit meinem Schreibtischstuhl rollen?
Klasse! Wie als Kind in Papas Büro.
Ein Stoffbeutel um den Hals hilft für viele kleine Transporte innerhalb der vier Wände.
Sieht höchst albern aus, ist aber effektiv.
Geniale Idee !

"Ich sehe oft alte Männer (!) mit  Stoffbeuteln um den Hals unterwegs"
O-Ton der Mann. 


Klaklirr ... die Stöcke fallen zu Boden


Fällt mir nicht leicht, immer wieder um Hilfe zu bitten im Alltag
aber das muss ich kurzzeitig
Fällt mir nicht leicht, mich abhängig zu sehen
aber das muss ich kurzzeitig
Fällt mir nicht leicht, Schmerzen zu akzeptieren
aber das muss ich kurzfristig
Fällt mir nicht leicht, geduldig zu sein
aber das muss ich kurzfristig

Fällt mir leicht, mich so wie in einer "Rolle" zu entdecken
Fällt mir leicht, im eingeübten Alltag ein Abenteuer zu sehen
Fällt mir leicht, ein belastbares Knie nicht als selbstverständlich zu betrachten 
Fällt mir leicht, meinem Knie gut zuzureden
Fällt mir leicht, dankbar dafür zu sein, dass die Situation vorüber gehend(!) ist

Fällt mir leicht, Hilfe anzunehmen.
Fällt mir leicht.

Danke, Mann.
Danke, Nachbarin.




Klaklirr ... die Stöcke fallen zu Boden 
usw.








(c)krista posch












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