Montag, 19. Februar 2018

TAGEBUCH.. 4 Tage BERLIN(ale) 16.2. - 19.2.




BERLIN wieder mal... und alle Jahre wieder dann, wenn es am Kältesten ist, am Vollsten, am Verrücktesten, Berlinale eben. Très vivant *
Ich kriege nicht all zu viel davon mit, bin immer nur kurz da, die Agentur lädt ein zum Treff im schönsten Ballhaus Berlins, nämlich in dem von Clärchen, also in Clärchens Ballhaus. Dekadenter Tarkowskji-Raum ... Heruntergedimmtes Licht, alle sehen schön aus so, ein aberwitziger Lärmpegel, hallo nach links und rechts und manch auch interessantes Gespräch, das man sich von Ohr zu Ohr und Mund zu Mund zu ruft.  

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Der geplante internationale Kinofilm "Al Dio ignoto" geht was die Finanzierung betrifft langsam in die Zielgerade. Innerhalb Sommer ( oder sagt man „Sommers“ ... ) dieses Jahres soll abgedreht sein. Wird mein allererster Dreh in italienischer Sprache sein. Regie: Rodolfo Bisatti. Eine poetische, heitere Geschichte über Leben und Tod und das Leben bis zum Sterben...


Eine private Party, die sich plötzlich ergibt, bewirkt, dass ich mit einer sympathischen griechischen Journalistin aus Paris, die gerade noch Isabelle Huppert interviewt hat, stundenlang übers Leben spreche, wusste gar nicht, dass ich das auf französisch besser als auf englisch kann.. Heute jedenfalls... Und die Synapsen im Hirn freuen sich in diesen Tagen eh übers ItalienischDeutschEnglischFranzösischGemisch von Mund zu Mund und Ohr zu Ohr ...

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Der Hashtag #freedeniz oder was auch immer es war, hat glücklicherweise seine Wirkung getan und es ist das Einzige, was ich von aussen so mitbekomme. Aussen ist die Welt ausserhalb dieses geschlossenen brodelnden Berlinale-Raums, der zu spüren ist in der ganzen Stadt.

Im Hotel Savoy sind zwar die Zimmer allmählich renovierungsbedürftig, aber es ist nach wie vor ein Nest für die Berlinale-Besucher und man sitzt beim Frühstück wie mitten in einer deutschen Serie oder mitten in den herumlaufenden Credits eines Polizeirufs....  Im Aufzug vom ersten bis zum sechsten Stockwerk kann man sich kurz ´was erzählen und schon sprinten alle weiter ... Hier ist Zeit wirklich Geld ... und Stress.... wenn man sich ihn macht ...

KINO jenseits der Berlinale: Gestern "Der seidene Faden", im neuen Delphi Lux Kino. Hätte nie gedacht, dass Vermeers Mädchen mit dem Perlenohrring plötzlich als Vicky Krieps auf der Leinwand ihren Zauber verbreitet... seinen Zauber.... wie dem auch sei : ästhetisch und SCHAUSPIELERISCH und drehbuchmäßig und bild-haft, in seiner Genauigkeit, seinen Wendungen, seiner Ironie ... dieser Film ist ein Fest . Vom ersten Moment bis zum Letzten . Die Bestellung eines üppigen Frühstücks als Liebesszene ... die Bestellung von Daniel Day-Lewis wird immer länger und ausufernder, damit das Liebes-Objekt der Begierde und Verehrung ( darf das gesagt sein? ich sage nur Eugen Gomringer... das Wort Bewunderer ist ja ein No-Go inzwischen.... ) damit also die junge Kellnerin sich nicht so schnell entfernt....Was für eine Liebesszene....  Die Zärtlichkeit und Kraft der jungen Alma, wie sie "hinterhältig" ihren Maniac Reynolds zähmt... Die vorsichtige und sehr sichtbare Eifersucht der (grandiosen) Schwester, Cyril Woodcock, gespielt von Lesley Manville ....  Ach und noch und noch... Seht (und HÖRT... im ORIGINAL ! OmU) mit eigenen Augen und Ohren  :-)


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Die alte kranke Mutter einer Freundin greift in unsere Pläne ein, sie fährt zu ihrer Hilfe, und ich gehe allein ins Deutsche Theater zu "Ulysses". Lohnt sich ... Alle kennen James Joyce, alle kennen seinen Ulysses, niemand hat den Roman gelesen...fast niemand. Auf der Bühne des DT : Es geht auch anders.... oder es geht auch überhaupt nicht.... aber es geht definitiv auch SO . Berliner und -Innen : geht gucken ! Wunderbar lakonischer humorvoller Uli Matthes und köstlich auch Bernd Moss mit dem Versuch, das Quantenfeld zu erklären 
( jenseits von James Joyce ) .... 


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#metoo ist allüberlagerndes Thema hier, der Verband der Film und TV-Schauspieler BFFS und "pro quote film" und die Antidiskriminierungsstelle des Bundes luden ein zu einer Gesprächsrunde über die unguten Gebräuche Einiger in der TV-Landschaft, die ihre Macht auf zerstörerische Weise ausüben... Kollegentreffen, Zuhören, über das nachdenken, was man selbst erlebt hat diesbezüglich ... es fängt ja im Kleinen an, aber meist erkennbar, und schon als junges Mädchen konnte ich mich wehren, was vielleicht..(sicher..) auch „schädlich“ war, je nachdem von welcher Seite man es betrachtet ....
Leider zerfledderte die an sich wichtige Debatte, zu viele Themen gleichzeitig, kein Fokus, keine Klarheit. .... Viele Männer, viele Frauen, viele Gespräche nachher... wichtig, miteinander zu reden und zuzuhören....

Die kleine rechtsextreme Mädchen-Stör-Gruppe, die ein Transparent entrollte und die Themen von sexuellem Missbrauch mit der Einwanderungswelle in Verbindung brachte, zog sich dann auch wieder zurück ... 



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Neue Bilder hab ich gemacht bei einer für mich neuen Fotografin , Steffi Henn , und der Stylistin, Anne Pleli .
Spannend, wenn ein "neuer Blick" auf einen fällt, eine andere Perspektive, eine andere Sicht. Hier zwei Beispiele von noch ganz ganz "rohen", unbearbeiteten Bildern :


(c)steffi henn


(c)Steffi Henn 


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Ein paar IPhone-klicks aus und in dem Hotel Savoy :









und tschüs ...


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Das ehemalige FLORIAN heisst wohl schon längst MÄDCHENITALIENER LeBar ..

Das SAVIGNY ist immer noch mein Lieblingscafé



text&bilder: (c)krista posch
auf die Bilder klicken zum Vergrößern 





Weiterführende LINKS:

http://aldioignoto.com/

https://www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/der-seidene-faden

https://www.deutschestheater.de/programm/spielplan/ulysses/2576/


PS :
..während des shootings mit Steffi Henn ...

3 Kommentare:

  1. Liebe Frau Posch,

    danke danke für die entzückenden Momentaufnahmen aus Berlin, sehr vieles bekannt und ein wenig vertraut, ich habe dort vor langer Zeit zwei Jahre gelebt.
    „Der seidene Faden“ ist wirklich ein bezaubernder Film, hab ihn mit meiner Familie letztens gesehen, wir waren alle irgendwie überrascht, jeder anders und für sich, dafür gab es danach genügend Gesprächsstoff und seitdem immer belustigte Blicke, wenn ich Pilze serviere…..

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  2. Liebe Kri -
    wenn eine eine Reise tut, dann kann sie was erzählen und sogar Fotos zeigen!
    Atmosphärisch schön, aber verständlich auch, wenn man sich z.T. entzieht.
    Sich von Ort zu Ort treiben lassen, hat seinen Reiz.
    Du in italienisch, das kann nur gut werden!
    Und der "seidene Faden" - auch für mich ein total eindrucksvoller Film:
    wie die Egozentrizität des Künstlers "sanft niedergemacht wird" - das ist ungewöhnlich in der Thematik und der Darstellung! Es wirkt nach!

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