Samstag, 21. November 2015

... Mütter ... Kitsch ...?




     

An Mütter muss ich immer denken wenn nah im Osten und nah Krieg ist und Terror und von Opfern die Rede ist von Terrorkämpfern 
Kinder fast 
Sprengmaterial aus Bäuchen heraus in keine Zukunft 
Buben meist durch ältere Buben meist verführt mit unserem Geld und unseren dicken Waffen und dem Gerede von Ruhm und Ehre und himmlischen Jungfraun gehirngewaschen 
Buben ohne Väter und ohne Spielzeugpistolen 
immer schon unser Geld und unsere dicken Waffen und der erlernte Hass 
keine Tränen mehr und Kinder haben die Mütter  


(c) krista posch







* * * *
* * * * 

    Von der Freundlichkeit der Welt 


Auf die Erde voller kaltem Wind
Kamt ihr alle als ein nacktes Kind
Frierend lagt ihr ohne alle Hab
Als ein Weib euch eine Windel gab

Keiner schrie euch, ihr wart nicht begehrt
Und man holte euch nicht im Gefährt.
Hier auf Erden wart ihr unbekannt
Als ein Mann euch einst nahm an der Hand.

Von der Erde voller kaltem Wind
Geht ihr all bedeckt mit Schorf und Grind
Fast ein jeder hat die Welt geliebt,
Wenn man ihm zwei Hände Erde gibt.


  (von Bertolt Brecht,  geschrieben 1921)


VIDEO : neulich in Paris  zärtliche Aktion eines Muslims für seine Pariser 




die Fotos aus:  adpic.de, elternwissend.com






*

Montag, 16. November 2015

VERWANDLUNG

Für uns alle , heute , dieser Text von Rilke ,

eine ungeheuere Sanftheit und Kraft liegt darin 
und man kann die Worte singen hören, 
sie auf unser Kämpfen und Streiten übertragen,
und die Lösung und Rettung liegt im Verwandeln, in der Transformation .
Die Gelassenheit , die ruhige Heiterkeit der letzten Zeilen, 
sie sind Ansporn und Trost zugleich. 


Der Schauende.


Ich sehe den Bäumen die Stürme an, 
die aus laugewordenen Tagen 
an meine ängstlichen Fenster schlagen, 
und höre die Fernen Dinge sagen, 
die ich nicht ohne Freund ertragen, 
nicht ohne Schwester lieben kann. 

Da geht der Sturm, ein Umgestalter, 
geht durch den Wald und durch die Zeit, 
und alles ist wie ohne Alter: 
die Landschaft, wie ein Vers im Psalter, 
ist Ernst und Wucht und Ewigkeit. 

Wie ist das klein, womit wir ringen, 
was mit uns ringt, wie ist das groß; 
ließen wir, ähnlicher den Dingen, 
uns so vom großen Sturm bezwingen, - 
wir würden weit und namenlos. 

Was wir besiegen, ist das Kleine, 
und der Erfolg selbst macht uns klein. 
Das Ewige und Ungemeine 
will nicht von uns gebogen sein. 
Das ist der Engel, der den Ringern 
des Alten Testaments erschien: 
wenn seiner Widersacher Sehnen 
im Kampfe sich metallen dehnen, 
fühlt er sie unter seinen Fingern 
wie Saiten tiefer Melodien. 

Wen dieser Engel überwand, 
welcher so oft auf Kampf verzichtet, 
der geht gerecht und aufgerichtet 
und groß aus jener harten Hand, 
die sich, wie formend, an ihn schmiegte. 
Die Siege laden ihn nicht ein. 
Sein Wachstum ist: der Tiefbesiegte 
von immer Größerem zu sein.

Rainer Maria Rilke (1901)




Die Fotos sind im Abstand von 10 Tagen in den Isarauen entstanden .. 

der selbe Baum, ein anderes Gesicht ..

im Frühjahr werde ich Rilke sprechen, eine neue Lesung , 

Musik wird Maria Reiter auf ihrem Akkordeon machen .



(c) kposch





Sonntag, 15. November 2015

Fragen ... Ratlosigkeit





Das Netz ist voll von den Anschlägen in Paris . Die Ratlosigkeit, Wut und Trauer sind groß . Und bei allem Nicht-Verstehen ( wie soll man auch ) und Entsetzen frage ich mich, ob das nicht ein Riesenerfolg für diese Schlächter ist, dass wir Ihre bestialischen Taten weltweit und Klick für Klick in den sozialen Netzwerken zB  verbreiten...

Jeden Link zu einer Zeitungsmeldung, jeden Kommentar..  aus Angst, klar, aber den Schrecken dadurch immer weiter und neu lebendig halten ... Ist dadurch je etwas verändert worden ... ? 

Wird unsere Angst nicht die Regierungen, die jetzt von Krieg sprechen, berechtigen, persönliche Freiheiten immer weiter einzuschränken , mit unserem Einverständnis , um dann doch keinen einzigen dieser Attentäter auf diese Weise aufzuhalten ...? ...

......... 


!!!!!!    Der Komiker JAN BÖHMERMANN schreibt auf seiner Facebook-Seite  :



100 FRAGEN NACH PARIS  Keine Antworten.


1. Warum?
2. Warum hat das niemand verhindert?
3. Wozu die ganze Polizei, Überwachung, all die Geheimdienste und Militäreinsätze?
4. Wozu wird unsere Telekommunikation überwacht, wozu haben wir Geheimdienste, wozu wissen die Behörden, was wir im Internet machen, wenn nicht zur Verhinderung von Taten wie dieser?
5. Bin ich Deutschland, Frankreich oder Europa?
6. Warum bin ich nicht Polen, obwohl ich viel mehr Polen bin als Frankreich?
7. Bin ich Deutscher oder Europäer – und was ist der Unterschied?
8. Stehe ich hinter Thomas de Mazierè?
9. Steht Thomas de Mazierè hinter Angela Merkel?
10. Schreibt man „de Mazierè“ mit accent aigu oder accent grave?
11. Warum verspüre ich seit einigen Wochen das starke Bedürfnis, Angela Merkel Mut zuzusprechen, Trost zu spenden und zu streicheln, als wäre sie ein weinendes Flüchtlingsmädchen?
12. Weiß Angela Merkel, dass das, was sie in den letzten Monaten gesagt hat, von ihrer Kanzlerschaft bleiben wird?
13. Würden Pediga-Demos von alleine aufhören, wenn niemand mehr über sie berichtete?
14. Was bleibt von Pegida, wenn keiner mehr die provozierten Wutbürger, die ihre gefühlten Wahrheiten in Lügenpressekameras krakelen, im Fernsehen zeigt?
15. Hatte Lutz Bachmann schonmal ein erotisches Erlebnis mit einem Mann?
16. Weiß Stanislaw Tillich, wie lächerlich deutschkonservativer Populismus aus dem Mund von jemandem klingt, der Stanislaw mit Vornamen heißt?
17. Ist nach gestern endlich legal, Matthias Matussek ein dummes Arschloch zu nennen?
18. Sind Horst Seehofer und Markus Söder gar keine Staatsmänner von Weltrang, sondern bloß zwei bedauernswerte bayrische Provinztrampel?
19. Was heißt eigentlich „Einigkeit, Recht und Freiheit“?
20. Was sind das eigentlich für Typen, die in Paris all diese Menschen getötet und verletzt haben?
21. Warum wollen diese Typen nicht lieber glücklich mit ihren Kindern und Enkeln in einem kleinen Haus am See, am Ende einer Straße auf der Orangenbaumblätter liegen, wohnen und alt werden?
22. Warum haben die nach dem fünften, sechsten Mord nachgeladen, statt innezuhalten und aufzuhören?
23. Warum habe ich vor diesen Typen keine Angst? 
24. Wer will Krieg – die Typen oder wir?
25. Warum habe ich keine Angst?
26. Wissen die Typen eigentlich, mit wem die sich anlegen?
27. Glauben die Typen wirklich, sie könnten gewinnen?
28. Glauben wir wirklich, wir könnten gewinnen?
29. Wacht da gerade etwas auf, was besser nicht aufwachen sollte?
30. Können Zivildienstleistende nachträglich zur Reserve eingezogen werden?
31. Würden Frauen im Kriegsfall auch eingezogen?
32. Warum beten die Menschen für Paris, statt Paris zu helfen?
33. Was sind US-Amerikaner eigentlich für merkwürdige Leute?
34. Warum bin ich Paris, obwohl ich auch Beirut sein sollte?
35. Warum macht es mich aggressiv, wenn jemand unter diesen Beitrag einen „Denkt an die Kinder in Gaza“-Kommentar schreibt?
36. Soll ich mir eine Deutschlandfahne kaufen?
37. Wann muss ich mir mehr Sorgen machen, wenn AfD-Idioten oder ganz normale Leute die Deutschlandfahnen rausholen?
38. Warum vertraue ich Frank-Walter Steinmeier?
39. Hat sich Campino schon geäußert?
40. Sollte ich mich äußern – wenn ja, wen interessiert das eigentlich?
41. Wieso fühle ich mich in Anwesenheit von Polizisten mit Maschinengewehren nicht sicher, sondern unsicherer?
42. Warum saß heute bei Maybrit Illner ein General a.D. in einer deutschen Zivilistentalkshow?
43. Was sind das eigentlich für Deutsche, die im Jahr 2015 zum Militär gehen?
44. Hat die Bundeswehr schon mal für mich gekämpft?
45. Wer ist stärker, Bundeswehr oder IS?
46. Haben wir überhaupt Gewehre, die treffen?
47. Wer ist eigentlich „wir“?
48. Wäre Atheismus die Lösung?
49. Haben wir genug Polizeibeamte, die arabisch sprechen?
50. Muss ich vollverschleierte Frauen in der Öffentlichkeit tolerieren und wenn nein, wieso nicht?
51. Sind eigentlich immer Männer schuld?
52. Können wir Krieg oder einen Militäreinsatz verantworten, solange noch Menschen in Deutschland leben, die den Zweiten Weltkrieg miterlebt haben?
53. Sind wir die Kinder der Aufklärung oder die Enkel der Nazis oder beides?
54. Haben wir Russland Unrecht getan?
55. Warum haben russische Männer so lustige Frisuren?
56. Passiert gerade Geschichte?
57. Wie erkläre ich das alles meinen Kindern?
58. Sollte ich mir eine Dollarreserve zur Seite legen, damit ich jederzeit aus Europa flüchten kann, wenn es sein muss?
59. Ist das Attentat in Paris für die „Eagles of Death Metal“ kommerziell gesehen eher gut oder schlecht?
60. Für welche Überzeugung würde ich sterben?
61. Was würde John Lennon sagen?
62. Haben Pegida, die Flüchtlinge, Frankreich und Deutschland jetzt nicht den selben Gegner?
63. Was sind das für Typen, die diese ganzen unschuldigen Menschen sehenden Auges erschießen, hinrichten?
64. Aus welchen Elternhäusern kommen die Typen?
65. Wann kommt der erste Idiotenpost von Jan Leyk?
66. Wie fühlen sich Bibi und Sami gerade?
67. Wann fahre ich nach Paris?
68. Wie geht es den Verletzten?
69. Halten wir zusammen? 
70. Wer ist „wir“?
71. Werden uns die Flüchtlinge helfen
72. Geht das vorbei?
73. Würde uns so ein Anschlag in Deutschland schocken?
74. Haben wir einen Vorteil, weil wir mit Erzählungen von und in dem Land in dem so viel Schrecklicheres passiert ist, aufgewachsen sind?
75. Haben wir eine besondere Verantwortung, für den Erhalt der Freiheit und eine offene Gesellschaft zu kämpfen?
76. Ist die Freiheit wirklich bedroht?
77. Und wenn ja, von wem ist sie mehr bedroht – den Typen in Paris oder den Typen, die diese Typen bei uns auf den Plan rufen?
78. Was hätte Helmut Schmidt gesagt und wen hätte das wirklich ehrlich interessiert?
79. Ist es wirklich Glück oder Zufall, dass bei uns noch kein größerer Anschlag stattgefunden hat?
80. Müssen im französischen Geheimdienst oder bei der polizeilichen Terrorabwehr jetzt Leute zurücktreten?
81. Wann kippt die BILD in der Flüchtlingsfrage um?
82. Soll ich die ZDFneo-Sendung am nächsten Donnerstag machen oder lieber eine Woche ausfallen lassen?
83. Sind potentielle Attentäter bei uns besser sozial integriert als in Frankreich?
84. Was ist gefährlicher – Islamismus oder Nationalismus und Rassismus?
85. Was sind das nur für Typen?
86. Was sind das nur für Typen?
87. Was sind das nur für Menschen, die in Polizeiuniformen für wenig Geld ihr Leben riskieren?
88. Gibt es innerhalb der islamistischen Terroristenszene auch Gute und Böse?
89. Kriegen uns die Killer klein?
90. Ist nach gestern alles anders?
91. Wie geht es den Pariser Ärzten, Rettungsdienstmitarbeitern und Krankenpflegern?
92. Sind wir wirklich so solidarisch, wie wir jetzt behaupten?
93. Muss ich die zu erwartenden dusseldeutschen Müllkommentare unter diesem Post ignorieren, löschen oder beantworten?
94. Spürt man kurz vor dem Tod noch was, wenn man seine Sprengstoffweste zündet, oder geht das zu schnell?
95. Was sind das nur für Typen?
96. Kann man sowas nachhaltig mit mehr Sozialarbeit verhindern? 
97. Hassen uns die Islamisten wirklich oder sind sie nur eifersüchtig?
98. Was denken eigentlich die Frauen der IS-Leute über die beruflichen Angelegenheiten ihrer Männer?
99. Sollte Deutschland religiöser werden oder weniger religiös? Welche Religion?
100. Möchte ich lieber in einem Land leben, in dem ich alle Fragen stellen kann, aber nur auf wenige eine Antwort erhalte oder in einem Land, in dem ich nur wenige Fragen stellen darf, die aber beantwortet bekomme?


Johanna Schall schreibt unter anderem in ihrem immer lesenswerten Blog:

"Aber wie kommt ein Mensch an einen Punkt, an dem er meint, dass das was er glaubt, so unbezweifelbar, so absolut sicher, unbestreitbar richtig und dadurch unvereinbar mit jeder anderen möglichen Vorstellung von Welt ist, dass er, um diesem seinem Glauben Herrschaft zu verschaffen, bereit ist zu töten und zu sterben? 

Ist da solch große Angst vor der Welt, die wahrhaftig nicht leicht zu ertragen ist, dass eigenes Denken, Gewissen, Zweifel dankbar gegen ein schützendes Regelwerk von Richtig & Falsch eingetauscht werden?
Ist die Hoffnungslosigkeit so vollständig, dass nur der Glauben dieses schwarze Loch füllen kann?
Fühlt es sich so gut an, sich im Besitz der einzigen Wahrheit zu wissen? 
(Historische, soziale, ökonomische Faktoren seien, nur hier und heute, einmal mitgedacht, aber nicht formuliert.)
Und wie werden wir uns verändern durch Angst?"




.....    Fortsetzung folgt ...







Donnerstag, 12. November 2015

Dunkel Hell




Manuskripte Bahntickets eine Seidenblume grüner Tee Freundschafts-Anfragen was für ein Wort 

Die Blätter spielen Teppichboden die Bläser spielen Wind der Himmel spielt blendendblau die Wolken wollen auch mitspielen Regen wartet in den Startlöchern die Sonne will sommerliches novemberliches die Luft

Mails wenig Planung die Dinge finden mich Theater am Tisch braucht Tisch und Stuhl und Phantasie und Zuhörerschauer 

Rilke scharrt mit den Hufen im Schuber eingeschlossen  helfe ich ihm bald fliegen Beine mach ich ihm und Marias Akkordeon wird zaubern Horváth liegt dann unter einem Ast in Paris was für ein Tod und lebt

....

Herbstabend 


(c) krista posch





Glaube Liebe Hoffnung von Horváth 





Samstag, 3. Oktober 2015

"Mein" erster Tag der Einheit , 3.Oktober 1990



25 Jahre ist es her ... Es war ein besonderer Tag : Zum ersten Mal ein Feiertag zu Ehren der Deutschen Einheit .

Vom Residenztheater München aus waren wir, lange vorher geplant, genau an diesem bei der Planung noch ganz gewöhnlichen Tag zu Gast im Deutschen Theater Berlin mit dem so bayrischen wie wunderbaren Theaterstück von Heinrich Lautensack (1881-1919)   "Die Pfarrhauskomödie " . 


 .... der Titel lässt an schwiemeliges Tümelndes denken .... Weit entfernt davon ... Ein poetisches, krudes Vierpersonenstück über Moral, Doppelmoral, Religiöses, Glaube und Sex und Schuldgefühle und Schwangerschaften und Tod und Teufel  ... Traurig und komisch mit wunderbar gezeichneten Figuren:

Irma Prechtl, die Aushilfspfarrhaushälterin  (Krista Posch)

Achatius Achaz, der Pfarrer   (Fred Stillkraut)

Johann Vincenz Mauerermeier, Kooperator  (Daniel Friedrich)

Ambrosia Lindpaintner, die Pfarrhaushälterin  (Jenny Lattermann)

Irma Prechtl... ich habe diese Figur geliebt . Diese Irma ... Eine Lulu vom Lande. Ein unschuldige Verführerin, für die Lust und Gottesfürchtigkeit kein Widerspruch waren. Eine lebendige lebensgierige Naturgewalt, die für ihr So-sein auch ordentlich bestraft wird...  aus den Fängen und Zwängen der Kirche  befreit man sich nicht einfach ....




So. Und dieses niederbayrische Stück nun zur Deutschen Einheit im DT in Berlin . Draussen Böller und Feuerwerk... man hörte es bis auf die Bühne ... Es waren trotzdem viele Besucher da, und trotz der sperrigen Sprache aus dem alten Süden kam das Stück auch gut an . 
Und nachher raus aus den klobigen Schuhen und dem dünnen Kleidchen und in den Trubel auf der Strasse . Erinnere mich an eine surreale Atmosphäre ... es herrschte nicht nur Freude ... es war eine Stimmung, die bildlich beschrieben einem Polaroidfoto entsprach... nicht ganz ausgereift ... ein Schnellschuss... aber trotzdem ist man froh etwas zu erkennen ... 


            
          
                              

Der Pfarrer, der Kooperator, die Ambrosia, ja selbst auch die Irma Prechtl, diese vier sind durchaus Bauern. Und das hat nichts zu sagen, daß die zwei geistlichen Herren Brillen tragen. Bauern sind sie, alle vier.
Niederbayerische. Aus dem Bayerischen Wald. Und reden stockend und unablässig mit  Pausen. Außer es schimpft und flucht einmal einer.
Aber die Ambrosia, und das ist zu unterscheiden, hat gelblichtes Haar.
Die Irma hingegen ganz zigeunerisches."  
(aus Lautensacks Vorwort)

Jenny Lattermann und K.Posch

K.Posch und Daniel Friedrich


Die Inszenierung hat Volker Hesse gemacht, die Bühne war eine Freude, die Marietta  Eggmann und Ernst Wiener kreiert haben, und gespielt haben wir in München im Prinzregententheater . Photos : Wilfried Hösl 

(c)krista posch



Samstag, 8. August 2015

Mensch und Berg ... Beobachtungen



“Übrigens: Das Bergsteigen wird durch die Existenz von Bergen sehr erschwert.” (Jan Rys, österreichischer Schriftsteller, 1931 – 1986)

.....


Von weitem jodelte es klangvoll und weiblich über die Alm. Dazu ein kleines Akkordeon. Ich kam gerade von Puflatsch herunter und so wurde ich also in Compatsch empfangen. Sie stand an der kleinen Teerstrasse, hatte ein Phantasie-Dirndl an, einen blumengeschmückten Strohhut und SANG . Auf südtirolerisch, auf ladinisch. Nachdem ich ihr etwas in den Korb gelegt hatte, der da mitten auf der Strasse stand :


Woher kommen Sie? - Aus Hessen . 

Und wieso singen Sie diese Südtiroler Lieder und jodeln herzergreifend ? - Ich bin schon seit Jahren den ganzen Sommer hier auf der Alm und singe und freue mich wenn die Menschen lächeln und mich ansprechen.

Und was machen Sie im Winter? - Da singe ich auf Lanzarote . Zur Gitarre . Auf spanisch . Ich lebe davon . 


Sie zückte auch gleich ihre E-Mail-Adesse, fein säuberlich auf einem kleinen Papierstreifen, griffbereit . "Wirtschaft, Horatio!" . ..

Ich durfte sie fotografieren. Hier ist sie . Anni aus Hessen. 



Apropos Hamlets "Wirtschaft, Horatio" .. Der Mensch liebt scheinbar die Disneylandisierung der Naturschutzgebiete ... Es muss wohl so sein, alles total geregelt, abgezirkelte und per Plastikband eingefasste Wege, Stege, auch asphaltierte Straßen, die den Bauern zu Recht zugute kommen, aber von unzähligen E-Bikern ebenfalls genutzt werden, die sich brüllend über Distanzen von hundert Metern über die einzuschlagende Route unterhalten... und man muss weit und hoch gehen, um ihnen zu entkommen ...   An der Vermietung wird halt verdient.. und soll ja so sein ... Hat alles zwei Seiten ..  

Aber die Selbst-Biketreter sind meist stiller und angenehmer... brauchen auch keine Wander-App. Das Beste an so einer Wander-App ist eh, dass man Gruppen von Menschen gemütlich überholen kann, die an gut informierenden und zahlreichen Hinweisschildern stehen, aber lieber ihre Nase in die App stecken ...

Vorhang auf , Bühne frei ...

Mensch und Berg... das wäre doch auch Stille und Mensch ... 

Ich glaube von GOETHE stammt : Berge sind stille Meister und machen schweigsame Schüler.


Soviel Zauber in dieser Gegend ... und Magisches... nicht umsonst sind hier im Seiser-Alm und Rosengartengebiet all die Sagen entstanden von verwunschenen Fräulein, Drachen, Weissen Frauen, Geistern, Rittern ...



        

.. hier die "Hexenbänke" auf dem Puflatsch ...


Zauberhaftes ist Hüttenzauber gewichen..

                                   

....

Während ich hier schreibe geht ab und an das Licht aus... flackert dann wieder ... Gewitternachwirkung ... gefällt mir .. wie in der Sommerfrischhütte , in der Kofler-Schwaige früher  die Petroleumlampe ... ein bisschen Nicht-Perfektion im wunderbaren Hotel .... gerade sitze ich im totalen Dunkel und es leuchtet der Desktop ...


Eine immer gültige ur-menschengemachte Wetterregel ist mir in diesen Tagen wieder eingefallen :

"Hat der Berg an Huat, bleibt´s Wetter guat.
Hat der Berg an Sabl, werd´s Wetter miserabl"


also ´s Wetter soll gut bleiben, weil HUT auf dem Langkofel ...

.....

Geheime Frage, die sich beim Stapfen und Schauen anbietet  : ist es wirklich nötig, sooo viele Papiertaschentücher für zugegebenermaßen nötiges Pinkeln unterwegs zu verschleudern...?? 

Mit Verlaub - so lange abschütteln bis nix mehr tropft und die Umwelt bleibt Tempo-frei . Oder man packt sein Papierchen in eine kleine Tüte und entsorgt es beim nächsten Klo !  Muss mal gesagt sein :-) 


.....


                                               

Der DUFT VON HEU 

...... 

Das ist eine TENNE ... so haben wir das jedenfalls genannt ...


 Die Bauern haben darin das Heu von der Alm zu Tal transportiert ... per Rossgefährt ... und als kleines Kind durfte ich öfters da obenauf weich thronen und mich juchzend kutschieren lassen. Heute steht so etwas als nostalgische Deko im Alpenhotel auf 2000m . Tempora mutantur .

     

"Wirtschaft, Horatio !"

 Wir haben die Schafe noch streicheln dürfen..  heute sitzt man auf ihnen ;-)

......


                          Weltbester Kaiserschmarren auf der Tierser Alpe 

.... 



  

seht Ihr die Gesichter ....? 







“Ich gehe viel spazieren, einmal einfach, weil strahlendes Wetter ist, dann auch, weil ich schon die kommenden Herbststürme vorausahne. So nütze ich wie ein Geizhals aus, was Gott mir schenkt.” (Marie de Sévigné, französische Autorin, 1626 – 1696)





Bilder/Text © Krista Posch
















Freitag, 31. Juli 2015

Freies Projekt : THEATER AM TISCH

7.11.15

Entwurf: P.Ludwig

Ich freue mich auf ein neues freies Projekt - wie einige schon wissen - ein "Theater am Tisch". 

GLAUBE LIEBE HOFFNUNG  geschrieben 1932 von Ödön von Horvàth, nach Informationen des Gerichtsreporters Lukas Kristl . ... 


Eine Lesung der anderen Art ... eine Sprech-Spiel-Sing-Lesung ... 

Es berührt mich sehr, wie Horvàth alles Wirkliche, Hilflose, Sprachlose - trotz vieler Worte - , all das Kalte und die ganz gewöhnliche Bösartigkeit einfängt, die unter den Menschen grassiert , und wie diese dann selbst darunter leiden ohne es zu merken, ohne sich dessen bewusst zu sein... … Damals, 1932, wie heute . Immer noch das gleiche Karussell … 

Ihre Sehnsüchte, Hoffnungen, Ängste, ihr Bedürfnis nach Sicherheit, nach Liebe, ihr Todesmut zum Leben ...hat alles Wiedererkennungswert  ... ist berührend..

Die Zärtlichkeit des Autors seinen « Monstern » gegenüber, die WIR sind  … berührend ....

Man weiss manchmal nicht, ob man lachen oder heulen soll ...

Die Sprache, die zeigt, wie die Figuren... die Menschen... WIR ! ... in ROLLEN, in Funktionen eingesperrt sind … und die KOMIK die daraus entsteht …. auch berührend ..

Es ist ein absurd-realistisches und immer aktuelles Volksstück 

Wie schon in meinem 'Theater am Tisch' mit Felix Mitterers STIGMA 
spreche lese spiele ich das ganze Theaterstück und schlüpfe in viele Rollen :

Elisabeth, die ihren Wandergewerbeschein dringend wieder braucht...
Alfons Klostermeyer, der Schupo, der Liebe und Pflicht nicht auf die Reihe bekommt...
Die Ober-, Vize- und einfachen Präparatoren des Anatomischen Instituts..
Maria, die sich auf ihre Lebenserfahrung beruft und reingelegt wird ...
Der
 Baron mit dem Trauerflor..
Irene Prantl mit ihrer Büstenhalter- und Korsettfirma...
Joachim, der tollkühne Lebensretter...
...nicht zu vergessen die
 Frau Amtsgerichtsrat, die ihren Mann auch mal für sich haben und ins Kino möchte .. 
...und weitere ..
All diese Charaktere in mir selbst suchen, entdecken... eine spannende Reise ...


Eine ZU-SCHAUERIN nach einer privaten Vor-Aufführung :

....das war gestern Abend ganz großartig. Es geht mir immer noch sehr nah. Ich hatte bisher nur "meinen" Woyzzeck, nun habe ich auch "meine " Elisabeth. Diese beiden berühren mich auf ähnliche Weise ganz tief.
....Diese radikale Reduktion eines Stückes auf eine Person könnte sowas von daneben gehen, aber da Du die Personen so genau zeichnet, hat das Stück eine unglaubliche Wucht, da  Elisabeth wirklich "nur" Elisabeth ist bis zum bitteren Ende. Ich finde, ihre Elisabeth ist genau DIE Elisabeth. Peter und Du - Ihr beide macht das wunderbar!


Ich mag, was Ödön v. Horváth in seiner Randbemerkung Auffälliges zum Stück schrieb (1932) :

« Wie in allen meinen Stücken versuchte ich auch diesmal, möglichst rücksichtslos gegen Dummheit und Lüge zu sein, denn diese Rücksichtslosigkeit dürfte wohl die vornehmste Aufgabe eines schöngeistigen Schriftstellers darstellen, der es sich manchmal einbildet, nur deshalb zu schreiben, damit die Leut ́sich selbst erkennen. Erkenne dich bitte selbst! Auf dass du dir jene Heiterkeit erwirbst, die dir deinen Lebens- und Todeskampf erleichtert, indem dich nämlich die liebe Ehrlichkeit gewiss nicht über dich ( denn das wäre Einbildung ) , doch neben und unter dich stellt, sodass du dich immerhin nicht von droben, aber von vorne, hinten, seitwärts und von drunten betrachten kannst! - «

Ödön von Horvàth (Keystone)



Ernst gemeinte Anfragen für die Aufführung : über KONTAKT
oder Mail: info@krista-posch.de 

(>>> erste TERMINE stehen fest ab November.)


.....



Hier noch eine Erinnerung an mein "Theater am Tisch" mit STIGMA . 
Das habe ich ohne Musiker gemacht, selbst Mundharmonika-Musik komponiert und gespielt zwischendurch...
Stigmas Autor Felix Mitterer schrieb damals :

"...Nun tritt Krista Posch wieder mit diesem Stück auf. Aber nun spielt sie nicht nur die Moid, sondern alle Personen des Stückes. Wie sie das macht, verblüfft durch die Brillanz, nimmt einem den Atem, greift einem zutiefst ans Herz. Das ist keine der üblichen Lesungen, es ist wirklich Theater am Tisch, es ist die Sternstunde einer großen Schauspielerin."