Samstag, 9. September 2017

9.9.17 TAGEBUCH






Der Tag war lang. Die Schlange vor dem Glaskasten bei der Volkshochschule auch. Ich muss den Einbürgerungstest machen, wenn ich die deutsche Staatsbürgerschaft haben möchte, zusätzlich zu meiner italienischen. Ja, möchte ich. Wählen werde ich hier dann irgendwann auch dürfen. Angekommen sein in Deutschland nach 35 Jahren eh schon hier leben und sein?
a, b, c, oder d ist viele Male bei dem Test anzukreuzen, wenn es soweit sein wird. a, b, c, oder d bei Fragen über deutsche Demokratie und so. Im Internet kann man einen Übungs-Test machen. 

Eine Dame in gestreiften Beige hüpft von einem zum Anderen und ist munter und hilfsbereit. Sie hat Lauf-Dienst. Die Kollegen sitzen an Schreibtischen und beraten. Vor und hinter mir wird mit verschiedenen Akzenten gesprochen. Alle haben Formulare in den Händen. 
Wieso brauchen Sie einen Einbürgerungstest? Die beige Dame ist sehr erstaunt. Südtirol, sage ich fast entschuldigend. Sie verdreht die Augen und lächelt. Sie schwänzelt weiter. Es dauert, aber geht vorbei. 




Vor dem Gasteig Stimmungswechsel. Klassische Musik. Ein Klavier unter einem Zeltdach lädt zum Spielen ein. Ein Steinway. Der Junge spielte schon als ich ins Haus hinein ging. So etwas hat er nicht jeden Tag unter den Fingern. Ich freue mich für ihn, ich freue mich für mich. Play me, I´m Yours.


Die Stadt München ist im Vor-Wiesn-Rausch. Sie verschandelt sich jetzt durch unzählige Treppengerüste, die alle Sehenswürdigkeiten nur mehr zur Hälfte zeigen. Immer mehr Gamsbärte tauchen auf, Lederhosen führen Männerbeine spazieren, die nicht so aussehen, als ob ihnen das recht sei, halbe Dirndln, oben Tracht, unten Stöckelschuhe, ein gigantisches Mode- und Rauschspektakel steht bevor, und die Äusserlichkeiten wollen rechtzeitig bereitet sein. 
Der Klimawandel macht vor der Wiesn halt. Der betrifft ja nur weit entfernte Länder und peitscht mit freundlichen Namen wie Hardy und Irma Millionen Menschen aus ihren Wohnungen. Der Klimawandel ist eine Erfindung der Demokraten, it´s great, it´s fantastic !





Es ist zu früh Herbst geworden. 



Was macht der Hund hinter der Glasscheibe? Er sieht aus wie aus Porzellan. Reglos. Hat er schon bestellt? 





Text&Fotos: (c)krista posch
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Mittwoch, 16. August 2017

Tagebuch, August, unterwegs (2)



Zeit haben dürfen hält jung, macht jung. 

Zeit auch nutzen können, zulassen, dass man sie hat, nichts müssen, was nicht gerade JETZT ist. Nichts anpeilen. Nichts erfüllen müssen. Fast Glück.


Urlaub ist, mit sich bei sich sein. Wo auch immer. 

Den Raum wechseln, das hilft, zu sich zu kommen. 




Und man bekommt Durst beim steilen Aufwärtssteigen, dem jungen Inn entlang. Freundlich die Dame mit dem Strohhut, sie müsse auch bald Pause machen, und lächelt und geht weiter. Es dauert Stunden bis zum malerischen Lunghin-See hoch und noch eine gute halbe Stunde bis zum Pass, 2645m, wo einmalig in Europa drei Flüsse ihre Ursprungsquelle haben: der Inn, die Maira, die Julia. Die Babystation der Riesenflüsse, die sich in die Nordsee, die Adria und ins Schwarze Meer ergießen schliesslich. Mich berührt das. 





Die Dame mit dem Strohhut sehe ich wieder unten am See, als ich die dampfenden Füße ins eiskalte Wasser tauche. Sie schlägt vor, einen anderen Weg gemeinsam zurückzugehen. Alle Wunder und steilen Wege erwarten uns und schliesslich auch das Dorf, in welchem HEIDI gedreht wurde, aber die Füsse können nicht mehr, nach 7 Stunden unterwegs bergauf bergab. Man lernt sich kennen auf so einem langen Weg und macht auch zusammen Autostop am Ende. Er muss heute noch nach Mailand, die Familie bleibt am Silser-See. Ferragosto, das Super-Weekend der Italiener, ist zu Ende. Mit der Strohhut-Dame tausche ich Mail-adresse und Telefon aus. Wann hab ich denn so etwas zum letzten Mal gemacht. Die Beine schmerzen, die Seele lacht.







In Maloja (Schweiz) die Gletschermühlen. Wahrzeichen der letzten Eiszeit. Künstler habe damit "gespielt", Mensch und Natur. Ohne Wettbewerb.





Auf dem Sentiero Segantini, Richtung Torre Belvedere.
"Ich bin auf der Suche nach der Quelle, die als Spiegel dienen kann", schrieb der Symbolist Segantini an seine Frau Bice. In dieser wassergefüllten Gletschermühle hat er ihn gefunden, um die Eitelkeit als "Quelle des Bösen" darzustellen....


Segantinis "Die Eitelkeit"


große glänzende Gletschermühle


Im Hotel Schweizerhaus übernachtete Freud seinerzeit mit seiner jungen Schwägerin. Eintrag im Gästebuch. Er war angeblich absolut monogam. Auch Freud musste sich also seiner Triebe vergewissern.  

Ein schönes Bild des Vaters von Alberto Giacometti hängt da, Giovanni Giacometti, er hat, wie in einem Brief steht, nie die 500 Franken dafür erhalten. Er wollte niemals mehr auf Vorschuss arbeiten. Künstler hatten es schon immer schwer mit den Finanzen. 

...



herzförmiger See Lac Zoe 

Ein Erlebnis, die vergangenen Tage in den französischen Bergen... in Souliers im Queyras, und in Boscodon danach. 



Soirée de Pizza, für alle im Dorf, mehr Touristen als Einheimische gibt es da, die leckerste Pizza ever gab es, frisch zubereitet vor aller Augen im Holzkohlenfeuer. Wein aus Pappbechern, Stimmung freundlichst animiert trotz Kälte.


Christina beim Teig ausrollen




Eine Nacht schlafen in der BERGERIE, kochen, Kühe beobachten, Kälbchen, alle wollten nahe an der Hütte sein, sie ist ein Unterschlupf für Wanderer bei Gewitter. Olga, mit der ich mich für ein paar Tage getroffen habe, und ich, wir habe das als Luxus empfunden, diesen Tag dort.
Einfachheit ist Luxus. 




Die Erde ist eine Pracht, ein Geschenk ist es darauf zu wandern, zu schauen, zu atmen, zu essen. Der Wiesenkräuterduft betörend.


Murmeltiere allenthalben. Pfiffe hinter mir her, wie in Jugendzeiten. 

Ich muss lachen.









text&bilder  (c)KPosch

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>>> mehr zu Giovanni Segantini

>>> mehr zur Wasserscheide am Lunghin






Sonntag, 6. August 2017

Tagebuch, August, unterwegs...



Ein Bild soll ich machen von ihm mit seinen zwei kleinen Kindern
Sie reisen gleich ab. Ich mache die Bilder. Wohl Scheidungskinder. Sie werden abgeholt, er bringt sie nicht zum Auto. 
Traurige Stille nachher über dem wilden Garten. Nur kurz. Er geht in die Küche. Table d´hote. Die Gäste - ich auch für eine Nacht - haben Hunger. 


Meine "Ferien", was immer das heisst, denn eigentlich hat man "Ferien" ja nur mit schulpflichtigen Kindern, oder, meine Ferien also verbringe ich am Liebsten unterwegs, jeden Abend eine andere Unterkunft, alle möglichen Varianten, von Schutzhütte über Hotel zu Pension oder eben Chambre d´hote (mein MacBook Air kennt keinen Zirkumflex). Zur Zeit Frankreich, Parc naturel de Queras, wandern, schauen, stillsein, mit fremden Menschen sprechen, wenn es sich ergibt, alles NEU erfahren, auch das Alte, auch mich.


vor der Pizza in Sauze d´Oulx ...


Jan kennt und respektiert meine "Wandergelüste", die nichts mit dem zu tun haben, was man darunter ja auch verstehen könnte; mit Ungebunden sein : ja. .. frei sein, sich treiben lassen. Verantwortungs-frei. Heute über den beeindruckenden Col d´Izoard in den Hautes Alpes gefahren, oben ausgehend von 2360m herum gestiegen, weg von all den Motorradfahrern, die sich die kurvige schmale Strecke rauf und runter werfen und schwarzes Dieselgeknatter verbreiten. 
Ferien-HOCH-zeit allüberall. Macht nix. Muss nichts, darf alles, und in zwei Wochen geht das Leben etwas geordneter wieder in München weiter, mit Alltag, mit anderem Sein, immer mit Sein.

Am Col D'Izoard 

La Casse deserte 

Dass ich den zerfetzten Vorder-Reifen bei 120kmh auf der A9, gleich in der ersten Stunde nach meinem Start aus München, so einfach und heil überstanden habe, das erfüllt mich immer noch und wieder mit Staunen und großer Dankbarkeit allen guten Geistern gegenüber, der ADAC und die Mindelheimer Werkstatt gehören auch dazu, - alle Hilfe ging so schnell und freundlich -  und noch erhöhtere Aufmerksamkeit auf allen meinen Wegen ist angesagt ... Die Runde hier auf dem Planeten sollte jedenfalls noch nicht zu Ende sein. 

jardin sauvage


Verkehrsfunk ist die einzige Stimme ( ausser meiner ) unterwegs. Ziemlich amüsant : "Die Unfallwagen werden gerade abgeschleckt" , noch in Österreich.... In der Schweiz werden manchmal die Staus und empfohlenen Umleitungen in Geheimsprache durchgesagt, was nicht so hilfreich ist, wenn man des Schwyzerischen nicht mächtig ist, aber dafür landet man amüsiert hinterm nächsten Auffahrunfall. 



Lac Zoe ... HERZFÖRMIGER SEE... oberhalb Chalp

Gleich werden wir gegessen haben, und ich werde Massimo aus Turin kennen gelernt haben, seit vier Tagen mit dem Rad unterwegs, Chantal aus Nantes, die auch deutsch spricht und eine Gewerkschaft hat, ganz klein, nur 8 Leute, sie erzeugen Energie für Luft, und ich werde rausgefunden haben, dass es sich um ihre Unternehmen für Luftpumpen handelt, ich werde Hubert ... Hübääär... kennen gelernt haben, der auch italienisch versteht und seine Frau Jacqueline, die nur gekochte Nudeln mit etwas Käse isst und Salat ohne Dressing, wir werden nicht wissen, wie der IS auf französisch heisst und warum Europa Italien allein lässt mit den Flüchtlingen und über Macron wird auch geredet worden sein, die beiden Belgier und Schweden werden über ihrem beouf bourguignon nicht bis zu mir durchgedrungen sein, mein Kopf wird von all dem Sprachenwirrwarr schwirren, Jean, le Chef, wird sein Wohnzimmer gezeigt haben, in welchem seine süssen Kinder heute toben durften, und das sich hinter der Tür mit der Aufschrift "La Bergerie" verbirgt, und ich werde nach dem Genepi-Eis mit gleichnamigem Likör wissen, dass Génépi auf deutsch Beifuss heisst, und somit das erste Mal Beifuss-Eis gegessen haben, und der Kräutertee zum Schluss gehört auch noch dazu.


... après le repas 

Die Zimmernummern der vergangenen Tage wollen mir auch etwas erzählen : 284 , 414 , 4 und 4 ....  
          
Morgen geht´s nach SOULIERS, was mein GPS nicht kennt, dafür aber GoogleMaps. Irgendwer hilft immer. Danke.




text&bilder,die beim Draufklicken grösser werden: (c)krista posch








Dienstag, 1. August 2017

1.8.Tagebuch ..DIE STIMME.. CHRISTIAN GERHAHER


Am farbigen Abglanz haben wir das Leben
(Goethe)





...Salzburg ist in Stimmung...



....sommerliches Lustwandeln, Schweiss unter schlecht sitzenden Toupets, sonnenbankgebräunte Gräfliche,  erwartungsfrohes Fächeln, eine japanische Klasse in Schuluniform, Damen der Gesellschaft, Security sucht Sicherheitsabstand zu Intendanten, Peter Sellers streckt seine Fühler hoch, Star-Pianisten genehmigen Fan-Selfies, Fürstinnen stehen herum, Jan und ich ebenso, und über allem thront die Festung, aus der es auch ohne Vorstellung am Domplatz immer Jeeedermaaaann zu schallen scheint . Die Sponsoren, die wir alle political correcterweise boykottieren, flattern im warmen Abendwind über Kühlem und Spritzigem.



Kurz von München nach Salzburg gefahren, um mich in Wahn und Weh und Vöglein und tote Herzkammern und Heine und Lenau und zwei Grenadiere und Nonnen und Sonnen hinein zu tauchen und „in der schönen Wiege der Leiden“ zu landen… in mir schwirrt ein ganzer Schumann´scher Kosmos jetzt, der heute Abend bei den Festspielen aufgeblüht ist in Form von zwei inzwischen grau gewordenen Buben im Frack, zwei Ausnahme-Musikerkünstlern, einer singt und einer spielt Klavier, und so einfach wie ich es hier sage ist es auch . So einfach wie grandios : Der Bariton Christian Gerhaher mit seinem langlangjährigen Klavierbegleiter Gerold Huber und einem Liederabend . 

Christian Gerhaher hat eine Art zu singen, die mich schachmatt setzt vom ersten Ton an, eine Klarheit, eine Reinheit kommt aus dieser männlichen Stimme, die so wandlungsfähig ist, hell, verinnerlicht, dunkel, kraftvoll, zart, zornig, sehnsuchtsvoll … Er packt seine Seele in seine Stimme. Er lässt seine Seele durch die Stimmbänder gleiten und alle Töne, die die Atemluft erzeugt, verwandeln sich in den klarsten und wahrhaftigsten Sinn, den der Dichter seinen nun gesungenen Worten auch wirklich geben wollte.  Versteht man das? Mir fiel es gerade auf diese Weise ein. 
Und - schwärme ich hier? Nein, ich will einfach nur sagen, was ist. Ich kenne keinen Sänger, der mich mit seiner ART was auch immer zu singen, so be-rührt, egal ob auf Tonträger oder live. Unvergessen sein ORFEO - wer als er soll ihn darstellen - in der gleichnamigen Oper von Monteverdi, vor ein paar Jahren im Prinzregententheater, München.
Gerold Huber lebt die Lieder, lässt die Töne an des Sängers Herz, ja, an sein Herz branden, dieses leitet sie hinauf zur Zunge und lässt geformt gefühlt gedacht herausströmen, was zu singen und zu sagen ist. Und Huber hat endlos Nachschub, er ist das Sprungbrett für Gerhaher, das Auffangnetz auch.

Eine FREUDE, die beiden singspielen zu sehen. 


Huber & Gerhaher beim endlosen Applaus





Festspiele en passant :


Peter Sellers, der Zauberer

Es ist viel zu heiss ......aber heute bin ich "Fan"....

PAUSE












Dom und Bühne und Abendschatten






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text & bilder: (c)krista posch 


Webseite von  >>> gerhaher
Die SZ schrieb vor einem Jahr über >>>gerold huber 

was wikipedia über die geschichte der >> salzburger festspiele  weiss 






Montag, 24. Juli 2017

Tagebuch : Namenstag ....Sankt Christina *


Wer von Euch kennt noch NAMENSTAG ?

Der Tag, der dem eigenen Namenspatron oder der Namenspatronin geweiht ist ?


In meiner Kindheit war das für mich neben der Aufmerksamkeit und kleinen Geschenken vor allem ein "heiliger" Tag. (Das Bild hier stammt jedoch von meiner Erstkommunion.)



Sommerfrische. 
Pufels oberhalb von St.Ulrich im Grödner-Tal.
An jedem 24. Juli um fünf Uhr morgens gewaschen und gekämmt mit der Bäuerin, zu derem Hof unsere Ferienwohnung gehörte, in die Kirche gestapft. Ich wollte das so.... Frühmesse. Die Wenigen, die da waren, sangen in meinen Augen nur für mich, beteten nur für mich. Und über allem schwebte meine Heilige Christine.
Auch wenn mir wie so oft in der Kirche, übel wurde, und ich anschliessend der Bäuerin über den langen Rock kotzte - das Ritual am 24.Juli musste sein .

Es gibt mehrere Christinen . Meine Namenspatronin steht für CHRISTINA von Bolsena aus dem 3.Jh. , eine Mystikerein und Märtyrerin.
Sie war hartnäckig in ihrer Leidenschaft und immun gegen allerlei Foltermethoden, so leicht war sie nicht umzubringen....


rechts oben sitz ich auf den Schultern von Gottfried, dem Holzschnitzer
auf der Wiese vor dem Bauernhaus der Familie Delago .

Die Überlieferung, die ich in Heiligen-Bilderbüchern gefunden habe damals, erzählt etwa folgendes:
Christina wuchs in einem sehr wohlhabenden Elternhaus auf. Obwohl sie sehr schön war und viele sie zur Gattin nehmen wollten, weigerten sich ihre Eltern, sie jemandem zur Ehe zu geben, denn sie wollten die Jungfrau dem Dienste der römischen Götter weihen. Ihr Vater schloss sie deshalb vorsichtshalber mit zwölf Dienerinnen in einen Turm ein und gab ihr silberne und goldene Götterbildnisse mit.
Eine ihrer Dienerinnen, die Christin war, unterrichtete sie im christlichen Glauben. Die anderen Dienerinnen berichteten Christinas Vater, dass diese den Göttern nicht die üblichen Weihrauchopfer darbringen wolle. Ihr Vater redete auf sie ein, sie solle nicht nur einem Gott opfern, denn dies würde die anderen Götter erzürnen. Christina erwiderte, sie bringe ihr Opfer nur dem dreifaltigen Gott dar. Dann zerbrach sie die Götterbildnisse ihres Vaters und verteilte das Gold und Silber an die Armen. Als ihr Vater dies hörte, wurde er so zornig, dass er Christina mit Ruten auspeitschen und ins Gefängnis bringen ließ. Christinas Leib wies wundersamerweise keine Spuren der Schläge auf. Ihr Vater konnte sich dies nur mit Zauberei erklären und ließ Christina auf ein Schiff bringen, wo man sie mit einem Mühlstein um den Hals im Meer versenken wollte. Doch eilten Engel zur Hilfe, die sie über Wasser hielten und sie wieder aufs Land führten. Dort warf man sie in einen glühenden Ofen, in dem sie fünf Tage und Nächte überlebte. Später ließ man Schlangen auf sie los. Die giftigen leckten ihr die Füße, die anderen schlangen sich um ihren Hals, ohne ihr irgendein Leid zuzufügen. Zuletzt riss man ihr die Zunge heraus, doch Christina verlor die Sprache nicht. Im Tempel des Apollo stürzten auf ihr Gebet die Götzenbilder in den Staub.
Daraufhin durchbohrte man Christina mit zwei Pfeilen. Der eine traf sie ins Herz, der zweite in die Seite, worauf die Märtyrin starb. Sie gilt als Patronin der Müller, Seeleute und Bogenschützen.  (aus Wikipedia)

Erinnere mich, dass ich stolz war auf meine standhafte Heilige .....
St.Christina, von Moriz Schlachter , Ravensburg.

Werden diese Geschichten heute noch erzählt ? ...
Fühlt sich heute noch jemand "besonders" und identifiziert sich mit der Geschichte seines Namens-Patrons ....? ?
Was hat die Katholische Kirche uns schon in Kinderbüchern Beängstigendes beigebracht ... Wieviel Angst und Schrecken wurde (wird?) auf Schulkinder losgelassen.... Wieviel Angst müssen all diese rotbekäppiten Männer haben, die versuchen, ihre "Schäflein" unwissend und unterdrückt zu halten... Wieviel Angst haben ALLE, die mit RELIGION Furcht verbreiten... die mit RELIGION unterdrücken... sich jahrelang an den Schwächsten vergriffen haben, im Wissen, dass die aus Scham schweigen werden...  
Sind all die Ninjas, Lichtritter, scheußlichen kosmischen Kämpfer in den Kinderzimmern weniger gefährlich ? Hat heute statt der Kirche einfach die Werbung die Unterdrückungs- und Zwangs-Anpassungs-Mittel in der Hand.... Schlechtes Gewissen für "sexuelle Handlungen an sich selbst" ist einstweilen wohl eher der Furcht gewichen, nicht schön genug, nicht schlank genug, nicht pickelfrei, nicht Mode-Marken-hörig, nicht genug "mainstreamig"  zu sein.


WENN ES KEINE ANGST MEHR GIBT IN UNS,
SIND WIR FREI.
....

ZU GEFÄHRLICH WOHL

...
Schädelreliquie von Christina von Stommeln ,
eine andere, SELIGE Christina.



Allen Christinen, Christeln, Christianen, Kristas, Chrissies und so weiter  jedenfalls einen wunderbaren Namenstag 







(c)krista posch

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Montag, 17. Juli 2017

Tagebuch. ...sie ist ein Krug voll Honig...










Großmutter.
Das klingt alt,
macht alt.
Ein wunderbares Wort dennoch.
Große Mutter.
Archetypisch klingt es,
Märchen leuchten im Wort,
Böses auch.

Sie ist alt,
faltig, und sitzt in einem Lehnstuhl.
Alt ist relativ heute.
Farbe in den Haaren tüncht die Oma ins Jüngere.
Seelen- und herzensjung sein hilft,
ein junger Körper auch.

Ich bin jedenfalls Großmutter.
Mein Sohn hat zwei kleine Jungs
sie sind meine Enkel
ich bin also Großmutter.
Seit 7 Jahren.

Sie nennen mich Krista-Omi.
Es gibt weitere Omas rundherum,
heute so üblich,
nahe und ferne.
Ich bin eine ferne 
und doch nahe Omi.


Lorenz, 6

Zum ersten Mal sind die beiden Buben hier in unserer Münchner Wohnung, die kein Kinderzimmer hat, und nun für einige Tage ein einziges großes Kinderzimmer ist. 
Wir stolpern über Farbstifte, Lego-Männchen, Comics, mp3-player, Zeichnungen kleben an den Türen, Zahnbürsten mit Froschaugen stehen im Bad, ich lese vor, ich tröste, streichle, schlichte, und soll plötzlich ein Familienticket fürs Lego-Land buchen, das anscheinend ein Kinder-Nirvana ist. Werbung funktioniert. Freude seit Tagen.



Die Welt dreht sich mit und für Enkel weiter, 
sichtbar, nahbar, 
sie sind an der Reihe, 
sie sind noch zu vielem imstande und herausgefordert, 
und kreativ sind sie auf alle Fälle und behütet und kraftvoll,
 und dankbar bin ich, dass es meine gibt. 

Die Enkel in all den Kriegsgebieten dieses Planeten sind im Kindesalter schon alte Männer und Frauen und die Kraft und Zuversicht haben WIR ihnen genommen, und kein Ort nirgends gibt ihnen Kraft und Zuversicht wieder und wenn sich die verschiedenen Enkel dieser Welt mal im Mannes-und Frauenalter begegnen, wünsche ich tonnenweise Glück und Kraft für NEUES.




Ferienfoto

Die Arme - zwei Henkel
Großmutter ist ein Krug.
Sie ist ein Krug voll Honig.
An jedem Henkel
klebt ein Enkel,
die haben nie genug.
(Reiner Kunze)




Bilder/Texte ©️krista posch