Montag, 9. Oktober 2017

MEIN UND KÖNIG LAURINS ROSENGARTEN ... UNESCO Weltnaturerbe





Meine Kindheit und Jugend fanden im Angesicht dieses Panoramas statt, in Grau, in Rosa, in Violett : 



Und immer der allzeit weisse Fleck, das "Gartl", in der Mitte vom Rosengarten. Schlern, Rosengarten, Vajolet-Türme, Latemar... Die Reihenfolge ist meist nicht korrekt bei mir, ich war nie gut in Geografie oder in Heimatkunde, jeder deutsche Tourist unterwegs bei einem der vielen Ausflüge, die man so machte, wusste und weiss besser Bescheid als ich. 
Die Schönheit wirkt auch namenlos. 
Je länger ich aus Bozen weg bin, um so stärker die Wirkung der Südtiroler Landschaft auf mich. Ich BIN auf irgendeine Weise diese Berge, diese Landschaft, ich habe sie in den Zellen, ich bin von ihr imprägniert und reagiere immer wieder auf sie, als ob ich Seelenverwandte treffen würde.  



Sunset über Oberbozen 


Das Land, aus dem ich komme, sieht auf allen Fotos ein bisschen kitschig aus. Es sieht einfach klasse aus. 

"Fräulein" Schlern... 
von Maria Saal aus gesehen


Die Dolomiten entstanden vor ca 200 Millionen Jahren und waren einst ein riesiges Korallenriff im Urmeer Tethys. Vielleicht versinken wir ja bald wieder darin, wenn das mit der Klimaerwärmung so weitergeht. 

Vor Kurzem war ich am Ritten und besoff mich ein paar Tage lang an meinen Dolomiten ... Der Fotospeicher quillt über von Bildern mit immer den gleichen Steinen in allen Varianten.... Die Bilder vergrößern sich übrigens alle beim Draufklicken....



Blick von Oberbozen aus

Schlern von Kematen aus gesehen

Langkofl, Plattkofl, Seiseralm, Rosszähne, Schlern vom Rittner Horn aus....

Schlern am Nachmittag




Eine der Dolomiten-Sagen, mit denen ich aufgewachsen bin :  KÖNIG LAURIN UND SEIN ROSENGARTEN

Hoch oben in den grauen Felsen des Rosengartens, dort, wo sich heute nur mehr eine öde Geröllhalde, das "Gartl", ausbreitet, lag einst König Laurins Rosengarten.
König Laurin war der Herrscher über ein zahlreiches Zwergenvolk, das dort in den Bergen nach edlem Gestein und wertvollen Erzen suchte, und besaß einen unterirdischen Palast aus funkelndem Bergkristall. Seine besondere Freude und sein Stolz aber war der große Garten vor dem Eingang zu seiner unterirdischen Kristallburg, in dem unzählige edle Rosen blühten und dufteten. Wehe aber dem, der es gewagt hätte, auch nur eine dieser Rosen zu pflücken: ihm hätte Laurin die linke Hand und den rechten Fuß genommen! Dieselbe Strafe wäre auch dem widerfahren, der den Seidenfaden zerrissen hätte, der den ganzen Rosengarten anstatt eines Zaunes umspannte.
Im Kampfe vermochte es der Zwergenkönig mit jedermann, auch dem stärksten Recken, aufzunehmen. Denn er besaß nicht nur einen Zaubergürtel, der ihm die Kraft und Stärke von zwölf Männern verlieh, sondern auch eine geheimnisvolle Tarnkappe, die ihn unsichtbar machte, wenn er sie aufsetzte.
So herrlich nun Garten und Palast des Zwergenkönigs auch gewesen sind, so fehlte ihm doch eines: eine Braut. Und als er darum hörte, daß der König an der Etsch gedenke, seine schöne Tochter Similde zu verheiraten, und eine Maifahrt ausrufen ließ, zu der sich alle Freier einfinden sollten, da freute sich Laurin und beschloß, die Einladung des Königs an der Etsch anzunehmen und auch um Similde zu werben.
Doch Tag um Tag verstrich, ohne daß ein Bote des Königs an der Etsch zu Laurin kam, um auch ihm die Einladung zu der großen Maifahrt zu überbringen. Das verdroß den Zwergenkönig, und so beschloß er denn, an dieser Maifahrt nur im geheimen teilzunehmen - indem er sich nämlich durch seine Tarnkappe unsichtbar machte.
Auf einem großen Rasenplatz vor dem Schloß des Königs an der Etsch fanden die Kampfspiele statt, an denen sich die Freier um Similde zu beteiligen hatten. Wer sich in diesen Wettspielen am meisten im Fechten und Reiten bewährt haben würde und also zuletzt als Sieger hervorging, dem wollte der König an der Etsch Similde als Maibraut anvermählen.
Sieben Tage lang dauerten die Kampfspiele, dann waren endlich die beiden Recken ermittelt, die in einem abschließenden und alles entscheidenden Wettspiel um die Hand der schönen Similde kämpfen sollten. Es waren dies Hartwig, der in seinem Schilde eine Lilie führte, und Wittich, der eine Schlange als Erkennungszeichen hatte.
Lange wogte der Kampf zwischen den beiden tapferen Recken hin und her, und es nahte schon der Sonnenuntergang, wo der Wettkampf beendet werden sollte. Doch ehe der König das Zeichen zum Aufhören geben und einen der beiden Recken zum Sieger erklären konnte, entstand auf einmal Lärm, und Stimmen schrien durcheinander: Similde ist verschwunden! Similde ist geraubt worden!
Aber als das Verschwinden der Königstochter bemerkt wurde, ritt Laurin mit Similde schon davon und konnte nicht mehr aufgehalten werden, zumal er seine Tarnkappe aufhatte und darum nicht nur er selbst, sondern auch sein Pferd und die geraubte Königstochter unsichtbar waren!
Laurin hatte im geheimen den Kampfspielen beigewohnt, und das holde Wesen der schönen Königstochter und ihr liebliches Antlitz hatten ihn je länger, desto mehr so gefangen, daß er endlich beschloß, den Ausgang des Kampfes nicht abzuwarten, wo Similde dem einen von beiden anvermählt würde, sondern die schöne Braut zu rauben und sie in sein Felsenreich zu entführen.
Hartwig und Wittich aber beschlossen, diese Schmach nicht hinzunehmen und dem Zwergenkönig Laurin - denn nur dieser konnte Similde geraubt haben, das wußte man sogleich - die entführte Königstochter wieder abzunehmen.
Doch sie wußten wohl, daß dies ein schweres Unterfangen sein werde, besaß ja Laurin einen Zwölfmännergürtel und eine Tarn- oder Nebelkappe und überdies viele tausend Zwerge, die gewiß für ihren König zu kämpfen bereit waren.
Und so wandten sie sich an den großen und berühmten Fürsten Dietrich von Bern und baten ihn um seine Hilfe. Dieser sagte zu, wie wohl sein alter Waffenmeister Hildebrand ihn warnte und auf die geheimnisvollen Kräfte des Zwergenkönigs hinwies.
So machten sie sich denn auf die Reise nach der Felsenburg des Zwergenfürsten: Dietrich von Bern, Hildebrand, Hartwig und Wittich, Wolfhart und noch andere tapfere Recken.
Als sie endlich vor dem herrlichen Rosengarten des Königs Laurin ankamen und die Fülle dieser Blütenpracht gewahrten, da staunten Dietrich und seine Gefährten - und sie beschlossen, den zarten Seidenfaden nicht zu zerreißen und den König herbeizurufen, um mit ihm gütlich zu unterhandeln, daß er ihnen Similde herausgeben solle, die er geraubt hatte.
Doch Wittich, der Ritter mit der Schlange im Schilde, sprang, von Ungeduld gepackt, vorwärts, zerriß den Seidenfaden und zertrat die nächsten Rosen.
Da ritt schon König Laurin auf seinem Schimmelpferdchen daher, eine kleine goldene Krone auf dem Haupte und ein glänzendes Schwert in der Rechten, kam auf Wittich zu und forderte seine Hand und seinen Fuß. Doch Wittich höhnte nur, als er den kleinen Reiter sah, und sagte: "Komm nur her, Zwerglein, ich nehme dich gleich bei den Füßen und werfe dich an die Felsenwand!"
Aber ehe er sich's versah, hatte ihn Laurin, der den Zwölfmännergürtel trug, überwältigt und wollte ihm also gleich Hand und Fuß abhacken! Dies aber konnte Dietrich von Bern nicht zulassen und eilte darum auf Laurin zu, um ihn an der Ausführung dieser furchtbaren Strafe zu hindern.
Laurin aber stieß Dietrich weg. So nahmen die beiden Könige den Zweikampf auf - der kleine Fürst des Zwergenreiches und der hünenhafte Recke aus Bern!
Mit der ganzen Zwölfmännerkraft, die ihm sein Zaubergürtel verlieh, hieb der Zwergenkönig auf den Berner ein und verwundete ihn mehrmals. Dies reizte den starken Berner, und er begann auch Laurin mit seinen Schwertstreichen nicht mehr zu schonen.
So kämpften die beiden Könige eine Weile wacker miteinander, und die Begleiter Dietrichs staunten über die Kraft und Behendigkeit des kleinen Fürsten, der sich von Dietrich nicht überwinden lassen wollte.
Da aber setzte sich Laurin auf einmal die Tarnkappe auf und war nun unsichtbar geworden! Damit war er im Vorteil: Er traf seinen Gegner mit jedem Hiebe, Dietrich von Bern aber konnte nur mehr blindlings um sich schlagen.
Da rief Hildebrand, der alte Waffenmeister: "Zerreiß ihm den Gürtel!" Dies aber war leichter gesagt als getan, denn Dietrich konnte ja den Zwergenkönig nicht sehen und also ergreifen. Da kam Hildebrand der rettende Gedanke: "Achte auf die Bewegungen des Grases, dann wirst du sehen, wo der Zwerg steht!"
Als Dietrich von Bern dies tat, konnte er sehen, wo Laurin gerade stand, er eilte auf ihn zu, packte ihn um die Mitte und zerbrach ihm den Gürtel. Dieser fiel zu Boden und Hildebrand nahm ihn an sich.
Nun war der Kampf rasch entschieden, und die Zwerge begannen zu heulen, als sie ihren König besiegt und in der Gewalt des Berners sahen, der ihm auch die Tarnkappe und alle Waffen abnahm.
Ehe aber Dietrich und seine Begleiter beschließen konnten, was mit dem besiegten Zwergenkönig zu geschehen habe, da öffnete sich im Felsen ein Tor, das vorher niemand bemerkt hatte, und Similde trat heraus mit einer Schar von Dienerinnen. Sie dankte Dietrich und den anderen Herren für ihre Befreiung, bemerkte aber auch zugleich, daß Laurin sie immer gut behandelt und wie eine Königin geehrt habe. Die Herren sollten ihm darum nicht gram sein und ihn nicht weiter befehden, sondern mit ihm Frieden und Freundschaft schließen.
Diese Rede gefiel dem starken Dietrich, und er reichte Laurin die Hand zum Frieden. Laurin nahm die Hand an und lud Dietrich und alle seine Begleiter in sein unterirdisches Felsenschloß: "Ich will euch meine Schätze zeigen und euch wohl bewirten."
Die Recken nahmen die Einladung an und betraten den hohlen Berg. Wie staunten sie, als sie die reichen Schätze des Zwergenfürsten sahen! Endlich gelangten sie in einen großen Saal, wo sich Laurin mit seinen Gästen an einer reich geschmückten Tafel zum Mahle niederließ.
Da wurden sie nun von den Zwergen aufs beste bewirtet und mit Gesang und Spiel erfreut. Doch zu vorgerückter Stunde, als sie sich etwas Derartiges nicht mehr erwarteten, wurden die Recken plötzlich von den Zwergen überfallen, in Ketten gelegt und in ein festes Gewölbe geschleppt und dort eingeschlossen.
Dieser Verrat ergrimmte Dietrich und seine Begleiter, und sie schworen dem hinterlistigen Zwergenkönig Rache. Der Zorn gab dem Berner doppelte Kräfte, und so gelang es ihm endlich, die Ketten zu zerreißen und sich und seine Gefährten zu befreien. Sie zerbrachen die Türen ihres Gefängnisses, überwanden die anstürmenden Zwerge und nahmen endlich auch den König Laurin gefangen.
Hartwig, der Ritter mit der Lilie, brachte Similde aus dem Berg, holte sein Roß herbei, setzte die Königstochter zu sich in den Sattel und ritt mit ihr heimzu, zur Burg ihres Vaters, des Königs an der Etsch. Dieser freute sich über die Rückkehr seiner entführten Tochter und ging den beiden, die da Hand in Hand auf ihn zukamen, entgegen und vermählte sie.
Dietrich und die anderen Recken aber ritten wieder nach Bern zurück. Doch den heimtückischen Zwergenkönig, der sein Friedenswort gebrochen hatte, nahmen sie mit, um ihn am Hof zu Bern gefangenzuhalten.
Er sollte nie wieder seine Felsenburg sehen können. Als er, gekettet und als Gefangener, sein Felsenreich verlassen mußte, da sprach er: "Diese Rosen haben mich verraten; hätten die Recken nicht die Rosen gesehen, so wären sie nie auf meinen Berg gekommen!" Und er verfluchte den ganzen Rosengarten und die Rosen und sprach einen Zauberbann über sie, daß sie fortan keiner mehr sehen solle, weder bei Tag noch bei Nacht. Dann verließ Laurin bitteren Herzens sein Felsenreich und zog mit den Recken nach Bern, um dort sein Leben als Gefangener zu beschließen.
Doch er hatte bei seinem Fluche die Dämmerung vergessen! Und so kommt es, daß der verzauberte Rosengarten noch oft in der Dämmerung seine Rosenpracht zeigt und daß der ganze Berg über und über im Rosenschimmer erstrahlt und so die Erinnerung wachhält, an den unglücklichen König Laurin und seinen Rosengarten.

Quelle: Bruno Mahlknecht, Südtiroler Sagen, Bozen 1981. S. 121. Frei nach K. F. Wolff, König Laurin und sein Rosengarten, Bozen 1945 und Dolomiten-Sagen, Innsbruck 1977.


Dietrich von Bern kämpft mit dem Zwergenkönig Laurin.
Brunnen in Bozen, Figur von Andreas Kompatscher, 1907
(c)Hubert Ortner




Der Rosengarten von Sirmian aus gesehen
(c)Richard Huber





Duo-Selfie am luftigen Rittnerhorn




Fotos&Text (c) krista posch


Samstag, 9. September 2017

9.9.17 TAGEBUCH






Der Tag war lang. Die Schlange vor dem Glaskasten bei der Volkshochschule auch. Ich muss den Einbürgerungstest machen, wenn ich die deutsche Staatsbürgerschaft haben möchte, zusätzlich zu meiner italienischen. Ja, möchte ich. Wählen werde ich hier dann irgendwann auch dürfen. Angekommen sein in Deutschland nach 35 Jahren eh schon hier leben und sein?
a, b, c, oder d ist viele Male bei dem Test anzukreuzen, wenn es soweit sein wird. a, b, c, oder d bei Fragen über deutsche Demokratie und so. Im Internet kann man einen Übungs-Test machen. 

Eine Dame in gestreiften Beige hüpft von einem zum Anderen und ist munter und hilfsbereit. Sie hat Lauf-Dienst. Die Kollegen sitzen an Schreibtischen und beraten. Vor und hinter mir wird mit verschiedenen Akzenten gesprochen. Alle haben Formulare in den Händen. 
Wieso brauchen Sie einen Einbürgerungstest? Die beige Dame ist sehr erstaunt. Südtirol, sage ich fast entschuldigend. Sie verdreht die Augen und lächelt. Sie schwänzelt weiter. Es dauert, aber geht vorbei. 




Vor dem Gasteig Stimmungswechsel. Klassische Musik. Ein Klavier unter einem Zeltdach lädt zum Spielen ein. Ein Steinway. Der Junge spielte schon als ich ins Haus hinein ging. So etwas hat er nicht jeden Tag unter den Fingern. Ich freue mich für ihn, ich freue mich für mich. Play me, I´m Yours.


Die Stadt München ist im Vor-Wiesn-Rausch. Sie verschandelt sich jetzt durch unzählige Treppengerüste, die alle Sehenswürdigkeiten nur mehr zur Hälfte zeigen. Immer mehr Gamsbärte tauchen auf, Lederhosen führen Männerbeine spazieren, die nicht so aussehen, als ob ihnen das recht sei, halbe Dirndln, oben Tracht, unten Stöckelschuhe, ein gigantisches Mode- und Rauschspektakel steht bevor, und die Äusserlichkeiten wollen rechtzeitig bereitet sein. 
Der Klimawandel macht vor der Wiesn halt. Der betrifft ja nur weit entfernte Länder und peitscht mit freundlichen Namen wie Hardy und Irma Millionen Menschen aus ihren Wohnungen. Der Klimawandel ist eine Erfindung der Demokraten, it´s great, it´s fantastic !





Es ist zu früh Herbst geworden. 



Was macht der Hund hinter der Glasscheibe? Er sieht aus wie aus Porzellan. Reglos. Hat er schon bestellt? 





Text&Fotos: (c)krista posch
Fotos vergrössern sich durch Draufklicken








Mittwoch, 16. August 2017

Tagebuch, August, unterwegs (2)



Zeit haben dürfen hält jung, macht jung. 

Zeit auch nutzen können, zulassen, dass man sie hat, nichts müssen, was nicht gerade JETZT ist. Nichts anpeilen. Nichts erfüllen müssen. Fast Glück.


Urlaub ist, mit sich bei sich sein. Wo auch immer. 

Den Raum wechseln, das hilft, zu sich zu kommen. 




Und man bekommt Durst beim steilen Aufwärtssteigen, dem jungen Inn entlang. Freundlich die Dame mit dem Strohhut, sie müsse auch bald Pause machen, und lächelt und geht weiter. Es dauert Stunden bis zum malerischen Lunghin-See hoch und noch eine gute halbe Stunde bis zum Pass, 2645m, wo einmalig in Europa drei Flüsse ihre Ursprungsquelle haben: der Inn, die Maira, die Julia. Die Babystation der Riesenflüsse, die sich in die Nordsee, die Adria und ins Schwarze Meer ergießen schliesslich. Mich berührt das. 





Die Dame mit dem Strohhut sehe ich wieder unten am See, als ich die dampfenden Füße ins eiskalte Wasser tauche. Sie schlägt vor, einen anderen Weg gemeinsam zurückzugehen. Alle Wunder und steilen Wege erwarten uns und schliesslich auch das Dorf, in welchem HEIDI gedreht wurde, aber die Füsse können nicht mehr, nach 7 Stunden unterwegs bergauf bergab. Man lernt sich kennen auf so einem langen Weg und macht auch zusammen Autostop am Ende. Er muss heute noch nach Mailand, die Familie bleibt am Silser-See. Ferragosto, das Super-Weekend der Italiener, ist zu Ende. Mit der Strohhut-Dame tausche ich Mail-adresse und Telefon aus. Wann hab ich denn so etwas zum letzten Mal gemacht. Die Beine schmerzen, die Seele lacht.







In Maloja (Schweiz) die Gletschermühlen. Wahrzeichen der letzten Eiszeit. Künstler habe damit "gespielt", Mensch und Natur. Ohne Wettbewerb.





Auf dem Sentiero Segantini, Richtung Torre Belvedere.
"Ich bin auf der Suche nach der Quelle, die als Spiegel dienen kann", schrieb der Symbolist Segantini an seine Frau Bice. In dieser wassergefüllten Gletschermühle hat er ihn gefunden, um die Eitelkeit als "Quelle des Bösen" darzustellen....


Segantinis "Die Eitelkeit"


große glänzende Gletschermühle


Im Hotel Schweizerhaus übernachtete Freud seinerzeit mit seiner jungen Schwägerin. Eintrag im Gästebuch. Er war angeblich absolut monogam. Auch Freud musste sich also seiner Triebe vergewissern.  

Ein schönes Bild des Vaters von Alberto Giacometti hängt da, Giovanni Giacometti, er hat, wie in einem Brief steht, nie die 500 Franken dafür erhalten. Er wollte niemals mehr auf Vorschuss arbeiten. Künstler hatten es schon immer schwer mit den Finanzen. 

...



herzförmiger See Lac Zoe 

Ein Erlebnis, die vergangenen Tage in den französischen Bergen... in Souliers im Queyras, und in Boscodon danach. 



Soirée de Pizza, für alle im Dorf, mehr Touristen als Einheimische gibt es da, die leckerste Pizza ever gab es, frisch zubereitet vor aller Augen im Holzkohlenfeuer. Wein aus Pappbechern, Stimmung freundlichst animiert trotz Kälte.


Christina beim Teig ausrollen




Eine Nacht schlafen in der BERGERIE, kochen, Kühe beobachten, Kälbchen, alle wollten nahe an der Hütte sein, sie ist ein Unterschlupf für Wanderer bei Gewitter. Olga, mit der ich mich für ein paar Tage getroffen habe, und ich, wir habe das als Luxus empfunden, diesen Tag dort.
Einfachheit ist Luxus. 




Die Erde ist eine Pracht, ein Geschenk ist es darauf zu wandern, zu schauen, zu atmen, zu essen. Der Wiesenkräuterduft betörend.


Murmeltiere allenthalben. Pfiffe hinter mir her, wie in Jugendzeiten. 

Ich muss lachen.









text&bilder  (c)KPosch

Die Bilder vergrößern sich beim Draufklicken





>>> mehr zu Giovanni Segantini

>>> mehr zur Wasserscheide am Lunghin






Sonntag, 6. August 2017

Tagebuch, August, unterwegs...



Ein Bild soll ich machen von ihm mit seinen zwei kleinen Kindern
Sie reisen gleich ab. Ich mache die Bilder. Wohl Scheidungskinder. Sie werden abgeholt, er bringt sie nicht zum Auto. 
Traurige Stille nachher über dem wilden Garten. Nur kurz. Er geht in die Küche. Table d´hote. Die Gäste - ich auch für eine Nacht - haben Hunger. 


Meine "Ferien", was immer das heisst, denn eigentlich hat man "Ferien" ja nur mit schulpflichtigen Kindern, oder, meine Ferien also verbringe ich am Liebsten unterwegs, jeden Abend eine andere Unterkunft, alle möglichen Varianten, von Schutzhütte über Hotel zu Pension oder eben Chambre d´hote (mein MacBook Air kennt keinen Zirkumflex). Zur Zeit Frankreich, Parc naturel de Queras, wandern, schauen, stillsein, mit fremden Menschen sprechen, wenn es sich ergibt, alles NEU erfahren, auch das Alte, auch mich.


vor der Pizza in Sauze d´Oulx ...


Jan kennt und respektiert meine "Wandergelüste", die nichts mit dem zu tun haben, was man darunter ja auch verstehen könnte; mit Ungebunden sein : ja. .. frei sein, sich treiben lassen. Verantwortungs-frei. Heute über den beeindruckenden Col d´Izoard in den Hautes Alpes gefahren, oben ausgehend von 2360m herum gestiegen, weg von all den Motorradfahrern, die sich die kurvige schmale Strecke rauf und runter werfen und schwarzes Dieselgeknatter verbreiten. 
Ferien-HOCH-zeit allüberall. Macht nix. Muss nichts, darf alles, und in zwei Wochen geht das Leben etwas geordneter wieder in München weiter, mit Alltag, mit anderem Sein, immer mit Sein.

Am Col D'Izoard 

La Casse deserte 

Dass ich den zerfetzten Vorder-Reifen bei 120kmh auf der A9, gleich in der ersten Stunde nach meinem Start aus München, so einfach und heil überstanden habe, das erfüllt mich immer noch und wieder mit Staunen und großer Dankbarkeit allen guten Geistern gegenüber, der ADAC und die Mindelheimer Werkstatt gehören auch dazu, - alle Hilfe ging so schnell und freundlich -  und noch erhöhtere Aufmerksamkeit auf allen meinen Wegen ist angesagt ... Die Runde hier auf dem Planeten sollte jedenfalls noch nicht zu Ende sein. 

jardin sauvage


Verkehrsfunk ist die einzige Stimme ( ausser meiner ) unterwegs. Ziemlich amüsant : "Die Unfallwagen werden gerade abgeschleckt" , noch in Österreich.... In der Schweiz werden manchmal die Staus und empfohlenen Umleitungen in Geheimsprache durchgesagt, was nicht so hilfreich ist, wenn man des Schwyzerischen nicht mächtig ist, aber dafür landet man amüsiert hinterm nächsten Auffahrunfall. 



Lac Zoe ... HERZFÖRMIGER SEE... oberhalb Chalp

Gleich werden wir gegessen haben, und ich werde Massimo aus Turin kennen gelernt haben, seit vier Tagen mit dem Rad unterwegs, Chantal aus Nantes, die auch deutsch spricht und eine Gewerkschaft hat, ganz klein, nur 8 Leute, sie erzeugen Energie für Luft, und ich werde rausgefunden haben, dass es sich um ihre Unternehmen für Luftpumpen handelt, ich werde Hubert ... Hübääär... kennen gelernt haben, der auch italienisch versteht und seine Frau Jacqueline, die nur gekochte Nudeln mit etwas Käse isst und Salat ohne Dressing, wir werden nicht wissen, wie der IS auf französisch heisst und warum Europa Italien allein lässt mit den Flüchtlingen und über Macron wird auch geredet worden sein, die beiden Belgier und Schweden werden über ihrem beouf bourguignon nicht bis zu mir durchgedrungen sein, mein Kopf wird von all dem Sprachenwirrwarr schwirren, Jean, le Chef, wird sein Wohnzimmer gezeigt haben, in welchem seine süssen Kinder heute toben durften, und das sich hinter der Tür mit der Aufschrift "La Bergerie" verbirgt, und ich werde nach dem Genepi-Eis mit gleichnamigem Likör wissen, dass Génépi auf deutsch Beifuss heisst, und somit das erste Mal Beifuss-Eis gegessen haben, und der Kräutertee zum Schluss gehört auch noch dazu.


... après le repas 

Die Zimmernummern der vergangenen Tage wollen mir auch etwas erzählen : 284 , 414 , 4 und 4 ....  
          
Morgen geht´s nach SOULIERS, was mein GPS nicht kennt, dafür aber GoogleMaps. Irgendwer hilft immer. Danke.




text&bilder,die beim Draufklicken grösser werden: (c)krista posch








Dienstag, 1. August 2017

1.8.Tagebuch ..DIE STIMME.. CHRISTIAN GERHAHER


Am farbigen Abglanz haben wir das Leben
(Goethe)





...Salzburg ist in Stimmung...



....sommerliches Lustwandeln, Schweiss unter schlecht sitzenden Toupets, sonnenbankgebräunte Gräfliche,  erwartungsfrohes Fächeln, eine japanische Klasse in Schuluniform, Damen der Gesellschaft, Security sucht Sicherheitsabstand zu Intendanten, Peter Sellers streckt seine Fühler hoch, Star-Pianisten genehmigen Fan-Selfies, Fürstinnen stehen herum, Jan und ich ebenso, und über allem thront die Festung, aus der es auch ohne Vorstellung am Domplatz immer Jeeedermaaaann zu schallen scheint . Die Sponsoren, die wir alle political correcterweise boykottieren, flattern im warmen Abendwind über Kühlem und Spritzigem.



Kurz von München nach Salzburg gefahren, um mich in Wahn und Weh und Vöglein und tote Herzkammern und Heine und Lenau und zwei Grenadiere und Nonnen und Sonnen hinein zu tauchen und „in der schönen Wiege der Leiden“ zu landen… in mir schwirrt ein ganzer Schumann´scher Kosmos jetzt, der heute Abend bei den Festspielen aufgeblüht ist in Form von zwei inzwischen grau gewordenen Buben im Frack, zwei Ausnahme-Musikerkünstlern, einer singt und einer spielt Klavier, und so einfach wie ich es hier sage ist es auch . So einfach wie grandios : Der Bariton Christian Gerhaher mit seinem langlangjährigen Klavierbegleiter Gerold Huber und einem Liederabend . 

Christian Gerhaher hat eine Art zu singen, die mich schachmatt setzt vom ersten Ton an, eine Klarheit, eine Reinheit kommt aus dieser männlichen Stimme, die so wandlungsfähig ist, hell, verinnerlicht, dunkel, kraftvoll, zart, zornig, sehnsuchtsvoll … Er packt seine Seele in seine Stimme. Er lässt seine Seele durch die Stimmbänder gleiten und alle Töne, die die Atemluft erzeugt, verwandeln sich in den klarsten und wahrhaftigsten Sinn, den der Dichter seinen nun gesungenen Worten auch wirklich geben wollte.  Versteht man das? Mir fiel es gerade auf diese Weise ein. 
Und - schwärme ich hier? Nein, ich will einfach nur sagen, was ist. Ich kenne keinen Sänger, der mich mit seiner ART was auch immer zu singen, so be-rührt, egal ob auf Tonträger oder live. Unvergessen sein ORFEO - wer als er soll ihn darstellen - in der gleichnamigen Oper von Monteverdi, vor ein paar Jahren im Prinzregententheater, München.
Gerold Huber lebt die Lieder, lässt die Töne an des Sängers Herz, ja, an sein Herz branden, dieses leitet sie hinauf zur Zunge und lässt geformt gefühlt gedacht herausströmen, was zu singen und zu sagen ist. Und Huber hat endlos Nachschub, er ist das Sprungbrett für Gerhaher, das Auffangnetz auch.

Eine FREUDE, die beiden singspielen zu sehen. 


Huber & Gerhaher beim endlosen Applaus





Festspiele en passant :


Peter Sellers, der Zauberer

Es ist viel zu heiss ......aber heute bin ich "Fan"....

PAUSE












Dom und Bühne und Abendschatten






Beim Klicken auf die Bilder vergrößern sie sich
text & bilder: (c)krista posch 


Webseite von  >>> gerhaher
Die SZ schrieb vor einem Jahr über >>>gerold huber 

was wikipedia über die geschichte der >> salzburger festspiele  weiss 






Montag, 24. Juli 2017

Tagebuch : Namenstag ....Sankt Christina *


Wer von Euch kennt noch NAMENSTAG ?

Der Tag, der dem eigenen Namenspatron oder der Namenspatronin geweiht ist ?


In meiner Kindheit war das für mich neben der Aufmerksamkeit und kleinen Geschenken vor allem ein "heiliger" Tag. (Das Bild hier stammt jedoch von meiner Erstkommunion.)



Sommerfrische. 
Pufels oberhalb von St.Ulrich im Grödner-Tal.
An jedem 24. Juli um fünf Uhr morgens gewaschen und gekämmt mit der Bäuerin, zu derem Hof unsere Ferienwohnung gehörte, in die Kirche gestapft. Ich wollte das so.... Frühmesse. Die Wenigen, die da waren, sangen in meinen Augen nur für mich, beteten nur für mich. Und über allem schwebte meine Heilige Christine.
Auch wenn mir wie so oft in der Kirche, übel wurde, und ich anschliessend der Bäuerin über den langen Rock kotzte - das Ritual am 24.Juli musste sein .

Es gibt mehrere Christinen . Meine Namenspatronin steht für CHRISTINA von Bolsena aus dem 3.Jh. , eine Mystikerein und Märtyrerin.
Sie war hartnäckig in ihrer Leidenschaft und immun gegen allerlei Foltermethoden, so leicht war sie nicht umzubringen....


rechts oben sitz ich auf den Schultern von Gottfried, dem Holzschnitzer
auf der Wiese vor dem Bauernhaus der Familie Delago .

Die Überlieferung, die ich in Heiligen-Bilderbüchern gefunden habe damals, erzählt etwa folgendes:
Christina wuchs in einem sehr wohlhabenden Elternhaus auf. Obwohl sie sehr schön war und viele sie zur Gattin nehmen wollten, weigerten sich ihre Eltern, sie jemandem zur Ehe zu geben, denn sie wollten die Jungfrau dem Dienste der römischen Götter weihen. Ihr Vater schloss sie deshalb vorsichtshalber mit zwölf Dienerinnen in einen Turm ein und gab ihr silberne und goldene Götterbildnisse mit.
Eine ihrer Dienerinnen, die Christin war, unterrichtete sie im christlichen Glauben. Die anderen Dienerinnen berichteten Christinas Vater, dass diese den Göttern nicht die üblichen Weihrauchopfer darbringen wolle. Ihr Vater redete auf sie ein, sie solle nicht nur einem Gott opfern, denn dies würde die anderen Götter erzürnen. Christina erwiderte, sie bringe ihr Opfer nur dem dreifaltigen Gott dar. Dann zerbrach sie die Götterbildnisse ihres Vaters und verteilte das Gold und Silber an die Armen. Als ihr Vater dies hörte, wurde er so zornig, dass er Christina mit Ruten auspeitschen und ins Gefängnis bringen ließ. Christinas Leib wies wundersamerweise keine Spuren der Schläge auf. Ihr Vater konnte sich dies nur mit Zauberei erklären und ließ Christina auf ein Schiff bringen, wo man sie mit einem Mühlstein um den Hals im Meer versenken wollte. Doch eilten Engel zur Hilfe, die sie über Wasser hielten und sie wieder aufs Land führten. Dort warf man sie in einen glühenden Ofen, in dem sie fünf Tage und Nächte überlebte. Später ließ man Schlangen auf sie los. Die giftigen leckten ihr die Füße, die anderen schlangen sich um ihren Hals, ohne ihr irgendein Leid zuzufügen. Zuletzt riss man ihr die Zunge heraus, doch Christina verlor die Sprache nicht. Im Tempel des Apollo stürzten auf ihr Gebet die Götzenbilder in den Staub.
Daraufhin durchbohrte man Christina mit zwei Pfeilen. Der eine traf sie ins Herz, der zweite in die Seite, worauf die Märtyrin starb. Sie gilt als Patronin der Müller, Seeleute und Bogenschützen.  (aus Wikipedia)

Erinnere mich, dass ich stolz war auf meine standhafte Heilige .....
St.Christina, von Moriz Schlachter , Ravensburg.

Werden diese Geschichten heute noch erzählt ? ...
Fühlt sich heute noch jemand "besonders" und identifiziert sich mit der Geschichte seines Namens-Patrons ....? ?
Was hat die Katholische Kirche uns schon in Kinderbüchern Beängstigendes beigebracht ... Wieviel Angst und Schrecken wurde (wird?) auf Schulkinder losgelassen.... Wieviel Angst müssen all diese rotbekäppiten Männer haben, die versuchen, ihre "Schäflein" unwissend und unterdrückt zu halten... Wieviel Angst haben ALLE, die mit RELIGION Furcht verbreiten... die mit RELIGION unterdrücken... sich jahrelang an den Schwächsten vergriffen haben, im Wissen, dass die aus Scham schweigen werden...  
Sind all die Ninjas, Lichtritter, scheußlichen kosmischen Kämpfer in den Kinderzimmern weniger gefährlich ? Hat heute statt der Kirche einfach die Werbung die Unterdrückungs- und Zwangs-Anpassungs-Mittel in der Hand.... Schlechtes Gewissen für "sexuelle Handlungen an sich selbst" ist einstweilen wohl eher der Furcht gewichen, nicht schön genug, nicht schlank genug, nicht pickelfrei, nicht Mode-Marken-hörig, nicht genug "mainstreamig"  zu sein.


WENN ES KEINE ANGST MEHR GIBT IN UNS,
SIND WIR FREI.
....

ZU GEFÄHRLICH WOHL

...
Schädelreliquie von Christina von Stommeln ,
eine andere, SELIGE Christina.



Allen Christinen, Christeln, Christianen, Kristas, Chrissies und so weiter  jedenfalls einen wunderbaren Namenstag 







(c)krista posch

Beim Klicken auf die Fotos vergrößern diese sich