So ein sommerlich-herbstliches wunderbares Wochenende dieses.
Voll und bunt der Viktualienmarkt.
Viele Filz-Spitz-Hüte. Sieht ein bisschen nach Hogwarts aus, ist aber ganz unzauberhaft einfach für die Wiesn gedacht. Und damit sich alle finden und erkennen, haben einige auch Bierkrüge aufm Kopf.
Anderen sind selbige nicht bekommen und qua Position schon vom Kopf gefallen, sie liegen breitbeinig und mundoffen, laut schlafend auf den vorsorglich am Marienplatz bereitgestellten Stühlen. Freundlich abgeschirmt von Blumen.
Wenn ich auf die Wiesn ginge würde ich mir wieder das Dirndl meiner Schwiegertochter ausleihen, hat schon mal gepasst.
Das Vitello Tonnato guckte mich staunend an gestern Mittag und konnte nicht verschont werden. Das Herz als Pilz verkleidet schon. Das stand neulich in den Südtiroler Bergen im Wald vor mir und pochte leise. Glückspilze groß und klein rundherum.
Einen neuen englischen Ausdruck hab ich übrigens kürzlich gelernt : Butt Cheeks. Und schon liefen mir solche tänzelnd übern Weg und vor mir her.
Schulkolleginnen schubsten mich jüngst (mit einem großzügigen Gutschein zum Geburtstag) in Richtung Kindheitserinnerung und so landete ich neulich wieder Mal im ZIRMERHOF-Hotel, Radein.
So viel Wald. So viel Sonne. So viel Spätsommer. So hell die Abende. So viel Schönheit, die da in all meinen Zellen wieder-klang. Nichts geht verloren …
Ein Frühlingsgedicht von Rilke beginnt so... "Nichts geht verloren, alles gibt sich weiter.... " Sein berühmtes Herbstgedicht kennt zumindest teilweise jede/r, und der junge Mann, der neben mir in der kleinen Papeterie in der Reichenbachstrasse "schönes Briefpapier" wünscht, bestimmt auch. Und er wird nicht aus Einsamkeit lange Briefe schreiben, sondern weil er glücklich ist.
Herbsttag
Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.
Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gieb ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.
Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.
Rainer Maria Rilke, 21.9.1902, Paris
Text&Fotos (c)Krista Posch
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