Samstag, 29. September 2018

Tagebuch 29.9.2018 .. (un)spektakulär ...




So ein sommerlich-herbstliches wunderbares Wochenende dieses. 
Voll und bunt der Viktualienmarkt.
Viele Filz-Spitz-Hüte. Sieht ein bisschen nach Hogwarts aus, ist aber ganz unzauberhaft einfach für die Wiesn gedacht. Und damit sich alle finden und erkennen, haben einige auch Bierkrüge aufm Kopf.
Anderen sind selbige nicht bekommen und qua Position schon vom Kopf gefallen, sie liegen breitbeinig und mundoffen, laut schlafend auf den vorsorglich am Marienplatz bereitgestellten Stühlen. Freundlich abgeschirmt von Blumen. 


Wenn ich auf die Wiesn ginge würde ich mir wieder das Dirndl meiner Schwiegertochter ausleihen, hat schon mal gepasst.



Das Vitello Tonnato guckte mich staunend an gestern Mittag und konnte nicht verschont werden. Das Herz als Pilz verkleidet schon. Das stand neulich in den Südtiroler Bergen im Wald vor mir und pochte leise. Glückspilze groß und klein rundherum. 







Einen neuen englischen Ausdruck hab ich übrigens kürzlich gelernt : Butt Cheeks. Und schon liefen mir solche tänzelnd übern Weg und vor mir her. 


 


Schulkolleginnen schubsten mich jüngst (mit einem großzügigen Gutschein zum Geburtstag) in Richtung Kindheitserinnerung und so landete ich neulich wieder Mal im ZIRMERHOF-Hotel, Radein. 


So viel Wald. So viel Sonne. So viel Spätsommer. So hell die Abende. So viel Schönheit, die da in all meinen Zellen wieder-klang. Nichts geht verloren …  

Ein Frühlingsgedicht von Rilke beginnt so... "Nichts geht verloren, alles gibt sich weiter.... " Sein berühmtes Herbstgedicht kennt zumindest teilweise jede/r, und der junge Mann, der neben mir in der kleinen Papeterie in der Reichenbachstrasse "schönes Briefpapier" wünscht, bestimmt auch. Und er wird nicht aus Einsamkeit lange Briefe schreiben, sondern weil er glücklich ist. 





Herbsttag


Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gieb ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.


Rainer Maria Rilke, 21.9.1902, Paris






Text&Fotos (c)Krista Posch

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Samstag, 11. August 2018

TAGEBUCH 11.8.2018 Notizen zu 3xFilm






(c)cineplex.com

Drei Mal Film.
Drei Mal Vergangenes, Verdrängtes, Verwandeltes.

1.

LOLA RENNT  von Tom Tykwer
.... und wie sie rannte und rannte und feuerrot leuchtete vor zwanzig Jahren und Passanten umschmiss und deren Leben änderte sich blitzartig drei Versionen lang/kurz und ihre Möglichkeiten, Moritz Bleibtreu "Manni" zu retten auch und die Musik treibt voran und 1998 ist weit und nah und es lohnt sich, bei amazon.prime ein gratis 30Tage-Test-Abo zu nehmen, einfach, um Franka Potente (noch Mal) rennen zu sehen und die Möglichkeiten, die sich in Sekundenschnelle auftun, wenn nur ein einziges Bausteinchen im Leben aktiv oder passiv verändert wird und wie Schicksal seinen Rhythmus vorgibt und wie ein gellender Schrei, gellender Wunsch, gellender Gedanke im rechten Moment ins Leben eingreift und wie pinkfarbene Haare wieder modern werden sollen und ... 


2.

ITZHAK PERLMAN , ein Filmporträt von Alison Chernik , jetzt im Kino

Was er aus seinem Leben gemacht hat, die Vergangenheit hängt ihm buchstäblich in den Knochen, in den Beinen. Nach seiner Kinderlähmung hat er alles Leben in die Hände gebeamt, in sein Herz, in seine Phantasie, in seine Gabe. "Die Geige ist ein Nachbau der Seele." Der Film gründelt nicht tief, zeigt den Menschen Perlman, zeigt, woraus er Kraft schöpft jeden Tag. Schüler, Familie, Musikerkollegen, seine Baseball-Begeisterung. Seine Frau Toby ist ein Kapitel für sich. Großartig, wenn auch etwas nervig zwischendurch. Aber seit über 50 Jahren sehr präsent an seiner Seite. Ich ertappte mich dabei, politische Stellungnahmen von ihm zu vermissen. Er witzelt auch beim Mahl mit Netanjahu, ist keiner wie Barenboim, der seine Kunst immer mit Politik verbindet. Entspannte eineinhalb Stunden mit einem warmherzigen, witzigen, großartigen Künstler und wenn ich ihn auf seiner Stradivari die "Chaconne" aus der Partita Nr.2 von J.S.Bach spielen höre und sehe, möchte ich, dass es nicht aufhört.



3.
KULENKAMPFFS SCHUHE. Ein Film von Regina Schilling.

Hans Rosenthal als Quizmaster. So viel Trauer und schlecht verborgene Bitterkeit in seinem Lächeln.


Hans-Joachim Kulenkampff mit seinen "Witzen" über den Krieg, die er sich in vielen Situationen nicht verkneifen kann. Die Menschen im Publikum scheinen nicht genau zu wissen, worüber sie da lachen. So klingt das jedenfalls. 


Peter Alexander singt sich mit kitschiger Stimme und ziemlich verlogenen Texten durch die Nachkriegszeit.


Wir hatten erst sehr spät einen Fernseher in unserer Wohnung in Bozen. Da war ich schon etwa 13 oder 14. Alle drei Shows habe ich auch immer mal gesehen, gelacht, den Subtext dahinter nicht verstanden. Aber "verspürt", das weiss ich genau. Die italienischen Shows mit Mike Buongiorno oder Pippo Baudo waren ebenso ein einziger Verdrängungs-Spass. Stark, wie diese Dokumentation  rückwirkend ihre Effekte hat. Ihre "Arbeit" macht. Einen sich selbst und seiner eigenen Vergangenheit im bürgerlichen Milieu wieder nahe bringt.  Wahrnehmungen von damals hochkommen lässt. Viele nicht gestellte Fragen aufwirft. 



"Der Dokumentarfilm "Kulenkampffs Schuhe", der vollständig aus Archivmaterial besteht, zeigt Nachkriegsgeschichte auf überraschende, ungewöhnliche und berührende Art und Weise: Anhand von zahlreichen Showausschnitten von damals, Interviews, privatem Super8-Material, historischen Dokumenten und Fotos eröffnet sich eine ganz neue Sicht auf das Unterhaltungsfernsehen der Bundesrepublik: Es war angetreten, eine ganze Nation von ihren Kriegstraumata zu therapieren, ein unverzichtbarer Ruhepol. Ein Film, der generationsübergreifend herausfinden möchte, wie die Deutschen wurden, was sie sind."
(#ardmediathek) 




text(c) krista posch


LINKS :

zum Trailer : Itzhak Perman Film

Noch bis zum 15.8. zu sehen "Kulenkampffs Schuhe" : zum Film













Sonntag, 17. Juni 2018

TAGEBUCH 17.6.18 ... SÜD-KRETA



Den Sand aus den Schuhen geschüttelt, aus dem kleinen Koffer auch, in jeder Ritze hat er sich versteckt, um mich heimlich nach München zu begleiten. Die griechischen, besser gesagt die SÜDKRETA-Tage sind um und werden lange nachwirken. 
Die Fahrt zum Flughafen mit Demetrius, dem stolzen Griechen im rosa Hemd, dauert lange und umgeben von Oleander, irgendwas Gelbem, ein paar Ziegen, nehme ich Abschied von der Insel. 
So viel Stille und auch so viel Lärm immer in knappen Abständen wechselnd hab ich lange nicht erlebt. Das Eine schien das Andere zu bedingen, zu rufen.

Eine Zusammenfassung meiner kürzlichen Solo-Reise ... fällt schwer... vielleicht genügen einige der unzähligen Fotos, um einen Eindruck zu vermitteln.. 
Die Motive fallen über mich her, jeden Tag und dauernd. Kein Thema ergibt sich. Alles gleichzeitig. 

Geräusche kann ich nicht fotografieren, sie wären es wert. 
Musik überall wo keine Menschen sind. Zikaden, Wind in allen Varianten, Meer von flüsternd bis aufbrausend, klappernde Fensterläden, stöhnend oder wispernd die Bäume. 
Der Himmel fast immer wolkenlos blau gestrichen, abenteuerliche Strommasten zeichnen sich ein, Kabel führen in ungewisse Fernen, um dort ihre Daseinsberechtigung zu beweisen, die nur einer staunenden Vorbeiziehenden  wie mir verborgen bleibt. 

Landschaften wie aus den Filmen von Sergio Leone, Menschen weich und freundlich, helle oder kohlschwarze starke Blicke aus Augen, die tief in die Seelen blicken lassen, eine Melancholie auch im offensten Lachen. 

Auf jedem Hügel, in jeder Felsspalte eine kleine Kirche, weiss gestrichen, Jahr für Jahr, und wenn es kein Geld für nichts mehr gibt - die Kirche wird neu gestrichen. So viele Bildstöcke und Kapellen habe ich ausser in süddeutschen Gegenden oder in den Tiroler Bergen noch nirgends gesehen. 

Die Sonne  zeigt sich launisch und spröde beim Auf-und Untergehen. Nicht immer postkartenrot, auch blassgolden, silberweiss, verlässlich präsent auf alle Fälle.

Tiere ... 
Allgegenwärtig Katzen, Hunde, Ziegen. 
Zicklein beim Versuch, Steinböcke zu sein.
Die Ziege, die Bierdurst hat.
Katzen gelangweilt aufm Barhocker.
Ein fremder Hund legt mir seinen Kopf aufs Knie.
Ein Einhorn schaut vom Balkon.

Überall wächst und blüht es mikroklein geduckt und bunt oder wirft einem das Pink der Bougainvilleen ins Auge, die Pracht der Oleander, und der Duft von Jasmin ist auch gnädig dort gegenwärtig, wo Müll in der Hitze gärt.

Wandern unter niedrigen verzauberten Zedern, die lebendig werden wenn man sie ernst nimmt. 
Ein Vogel flattert hoch als ich vorbeigehe wo kaum jemand vorbei geht . 
Ich erschrecke mehr als er. 

Die deutsche junge Frau, die die Liebe zu Yourgos auf der Insel hat bleiben lassen, macht eine Fava für mich, ein Pita-Brot mit Spinat und Schafskäse, und sie hat ein bisschen Heimweh nach Euskirchen dann und wann.  



















































text & fotos (c) krista posch 

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