Montag, 13. März 2017

PURE SCHÖNHEIT , PERLENDE KLARHEIT, Grigorij SOKOLOV





Die sogenannte SONATA FACILE von Mozart hat mich - fast - umgehauen.Dieses EINFACHE Mozart-Stück, das man fast nachsingen kann, so gut hat man es im Ohr, wurde - für mich(!) - neu geboren unter den Fingern von Sokolov. 
Kein Schmalz, keine Süße, perlende Klarheit.

Ja, pure REINE Schönheit kann einen vom Konzertsessel wehen . 

Die junge Frau auf dem Podium sank zusammen, während Sokolov inzwischen ohne Zäsur mit Mozarts Fantasie in c-Moll weiter machte, die Musik aus den Tasten schnitzte, hämmerte, streichelte, erschuf, spielte. 
Göttlich bestrahlt. Mir fällt nichts Kleineres ein.

Es dauerte eine Weile, bis die Nachbarinnen des Mädchens merkten, was da geschah, es wurde geschüttelt und gestubst und erwachte wieder. Ein Mann holte Hilfe. Das Mädchen wankte hinaus. Die Ärztin kam ins Seitenzimmer. 
Im Herkulessaal München, gestern abend. 
Wir saßen in der sechsten Reihe und wie auf einer Breitleinwand sah ich ungewollt diesem Ereignis zu und zugleich dem älteren Herren im Halbdunkel am Flügel. Nur sein Haarschopf leuchtete weiss in den Raum.

PURE Schönheit kann einen schon vom Sessel wehen. 
1400 Besucher liessen einem auch die Luft wegbleiben und angesteckt durch die Ohnmacht des Mädchens verliess ich den Saal in mulmiger Verfassung und mit streikendem Kreislauf und unter den lupenreinen Klängen von Sokolov.

Eine Schließerin brachte mir Wasser und ein Tütchen Zucker und als ich ihr erzählte, warum ich nun hier draussen auf der Bank liege, meinte sie mit ihrem netten Akzent: Sie sind sehr solidarisch, sie haben zu viel Empathie.





Zwei Sonaten von Mozart, eine Fantasie, Beethovens Sonaten op.90 und op.111.

Den zweiten Teil des Konzerts erlebte ich wieder mit. 
Ganz hinten im Saal, wo ein Sessel frei war und die Luft besser. 
Beethoven habe ich so plastisch, GENAU, unsentimental emotional, ja, das ist es : UNSENTIMENTAL EMOTIONAL, noch nicht gehört, aber ich bin ja auch ein relativer Konzert-Neuling, in dem Sinne, dass ich erst seit kurzem so häufig Konzerte besuche.


Am Ende war noch lange nicht Schluss. Wie wohl üblich bei Sokolov  gab es auch gestern noch ein Konzert aus Zugaben: 
Schubert , Chopin , Rameau , Bach. 
Eine dreiviertel Stunde lang.

Auf dem Fahrrad unterm Vollmond nach Hause gefahren.
Lange nicht eingeschlafen.
Tief berührt.


...die Zugaben...


Morgen, 14.3. spielt Sokolov in der LIEDERHALLE, Stuttgart und am 29.3. in der PHILHARMONIE in Berlin 




text & fotos: (c)krista posch





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Sonntag, 12. März 2017

Isabelle Huppert und Josef Hader





In den letzten Wochen war ich häufig im Kino, sehe meist zu, dass ich nicht vorher schon eine Besprechung lese, die mir die Handlung erzählt und das Urteil des Kritikers. Schaue mir alles unvoreingenommen an, genau so wie ich in ein Konzert gehe, meist ohne mehr Vorwissen, als ich durch Erziehung, Beobachtung, und "kollektives Gedächtnis" in mir habe.
Meine Highlights im Kino in der letzten Zeit waren "The Salesman" des iranischen Regisseurs Asghar Farhadi, unbedingt anschauen ! Weiters "Manchester by the sea" von Kenneth Lonergan, unbedingt anschauen ! Weiters "Kundschafter des Friedens" von Robert Thalheim , schon lange nicht mehr so viel gelacht im Kino ! Und neulich nun ELLE von Paul Verhoeven mit Isabelle Huppert. IsabELLE Huppert.

Isabelle Huppert "Elle" (c)SBS Productions 


Sie hat alle Preise abgeräumt, die ihr zustehen, und auch der Film selbst wurde hochgelobt und hoch nominiert, ich konnte nichts damit anfangen, sorry. Für mich ist dieser Film die spekulative Alt-Männer-Phantasie eines Regisseurs, der seine sexuellen Obsessionen auf die Hauptfigur überträgt, ( ...ich weiss, der Film ist nach dem Roman von Philippe Dijan "Oh..." entstanden...) und Hupperts Fähigkeit, sich als großartiges Einfühlungschamäleon in alle Situationen begeben zu können, "schamlos" ausbeutet. Mit der französischen Bourgeoisie hat er gar nichts am Hut, alles ist vorhersehbar, also für mich war das so, kein Geheimnis weit und breit, das "verhüllt", alles fett oder platt symbolisch vorhanden. 

Hupperts Darstellung in Hanekes "Klavierspielerin" und in Hanekes "Liebe" , oder in "8 Frauen" von Ozon , um nur ein paar zu nennen - - chapeau ! 




WILDE  MAUS wurde zur Berlinale eingeladen und brach in Österreich Zuschauer-Rekorde. Josef Hader, mein geliebter BRENNER aus den gleichnamigen Krimis, der großartige Kabarettist Hader, der Schauspieler, der schauen kann wie wenige andere, er führt Regie, spielt die Hauptrolle, hat das Buch zum Film geschrieben. Er hat etwas ausprobiert, das er sich erträumt hat, und die Mittel dazu bekommen. Wunderbare Kollegen auch, Georg Friedrich zum Beispiel als Praterfuzzi, oder seine Film-Ehefrau und -Psychotherapeutin Pia Hierzegger , Jörg Hartmann als schwuler Chef... alle eigentlich. 

Es gab Woody Allan in dem Film, die Coen-Brüder, Kaurismäki ... nicht die schlechtesten Vorbilder 😊 . Ich habe immer mal wieder gelacht, es stellte sich aber keine "emotionale" Verbindung zur Hader-Rolle her, ich suchte in mir immer das Gefühl von wirklichem Interesse an diesem Georg, und es stellte sich zu wenig ein.
Vielleicht musste ich ja ein bisschen enttäuscht werden, da meine Erwartungen so natürlich hoch waren. Vielleicht hätte doch jemand "von aussen" auf die Regie schauen sollen, am Rhythmus was machen, Längen kürzen sollen, die eben nur Länge erzählten. Vielleicht ist Hader ein großartiger Schauspieler, wenn er Stefan Zweig bei Maria Schrader spielt, oder eben Kommissar Brenner bei Wolfgang Murnberger . Ein großartiger Kabarettist ist er sowieso ! 

Erinnere mich an eines seiner Programme in der alten Lach und Schiess in München, viele Jahre her. Ich sass in einem Sessel in der ersten Reihe, hautnah also, und irgendwann ergab es sich, dass Hader mich in seinen Tiraden als "Sparringpartner" benutzte, je mehr ich lächelnd standhielt, umso mehr war ich Vertreterin des Publikums für ihn. Am Ende der Vorstellung, bevor er nach nicht enden wollendem Applaus die Bühne verliess, wollte er noch wissen, wer ich sei, und bedankte sich für die "Mitarbeit" . 

Aber gerne, Herr Hader !





Josef Hader (c)Kurier.at 




Text (c)Krista Posch







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Samstag, 11. März 2017

Trio LIBERAMENTE ... eine Freude *

11.3.17




Am Ende sind sie erleichtert und stehen wie glückliche Kinder da . 
Sie haben gejuchzt, geseufzt, wehgeklagt, gesungen.
Der Wind sirrte durch ferne Gegenden, Glöckchen klingelten, 
Spechte klopften, Wölfe heulten, Mädchen weinten und jubilierten.
Und das alles mittels ein paar Seiten, Tasten, Holz und Klappen.

Der Klagegesang der ganzen Menschheit und zugleich der Jubel über all ihre Möglichkeiten hallte mit dem Trio "Liberamente" durch die Allerheiligen Hofkirche in München, die, wenn es sie nicht schon gäbe, erfunden werden müsste für Abende dieser Art... 

Zum Geburtstag, dem 150., des armenisch-griechischen Mystikers Gurdijeff, haben Anja Lechner und Francois Couturier die von Gurdijeff gesammelten Musiken und Lieder zu einem neuen Programm zusammengestellt und ihr Duo um die iranische Klarinettistin Mona Matbou Riahi erweitert. 

Die ist ein Ereignis in meinen Augen und Ohren: 
Was sie aus diesem Stück Holz mit Silberklappen an Tönen herausholt, 
wie sie ihren ganzen Körper einsetzt, mit der linken Hand immer wieder scheinbar etwas wegwischt, als ob sie gleich von Neuem anfangen möchte, als ob das, was sie ihrem Instrument entlockt, noch nicht das sei, was in der Musik des Orients wirklich enthalten ist, 
wie sie ein Gespräch mit dem Steinway führt, indem sie IN den Flügel hineinbläst und dessen Saiten zum Schwingen bringt, wie sie das Mundstück als Instrument benutzt oder die Klarinette ohne Mundstück.. und sie klingt wie Wüstenwind ... 

Die Drei musizieren hochelegant,
zutiefst aufeinander eingestellt, mit einander und für einander..
LIBERAMENTE ... frei und ohne Grenzen und mit viel Improvisations-Freude, nahe am Jazz manchmal.

Bin erfüllt davon nach Hause geradelt. 




Dieser Raum atmet Höhe, Weite, Tiefe.. eine ehemaliger sakraler Raum,  nun finden darin Lesungen und Konzerte statt. 

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Über Gurdijeff kann man hier auf Wikipedia nachlesen :  >>> klick 


Anja Lechner, Cello - François Couturier, Klavier - Mona Matbou Riahi, Klarinette






Mittwoch, 1. März 2017

Notiz-Blog vom 1.3.17




1.3.2017

Orkanböen wehten mich heute fast vom Rad... ich muss verdammt  konzentriert sein zur Zeit... zu viel Zerstörerisches, Krankes geschieht rundherum, menschengemacht, und weht einen an ... 

Hilflos und aktiv wir alle: Auto-Korsos und Petitionen für Menschen, die ihre Arbeit nicht tun dürfen, weil andere sich gefährlich infantil im Machtrausch bauschen und meinen, sich alles erlauben zu dürfen, hüben wie drüben... drüben nichts zulassen und hüben alles tun dürfen wollen, und einem die Lust verderben, jemals wieder bestimmte Länder besuchen zu wollen... je nach Herrscher-Laune und -Phobie kommt man dann mal nicht mehr hinein oder mal nicht mehr heraus, weil auch jeder Hashtag und jedes Like unter kritischen Postings irgendwo gesammelt und gespeichert wird... und ob man schon mal in Israel Theater gespielt hat, oder in Moskau, oder in Sibirien, oder zu DDR-Zeiten in Dresden und Leipzig gastierte - habe ich alles ... oder vielleicht ist es auch gar nicht gut, aus Italien zu kommen, gar aus Südtirol, in Wien und in Zürich gearbeitet zu haben, Tirolerisches, Jüdisches, Polnisches im Blut, mit einem Norddeutschen verheiratet zu sein... und eine Cousine, die in Dubai lebt... die zieht jetzt aber bald nach Ecuador, vielleicht ist das ja zumindest unverdächtig ....


Mann o Mann.... 
es kann uns eh gar nichts passieren... vielleicht hat RILKE recht.. habe gerade ein Buch aufgeschlagen an dieser Stelle : 

„Die Leute haben (mit Hilfe von Konventionen) alles nach dem Leichten hin gelöst und nach des Leichten leichtester Seite; es ist aber klar, dass wir uns an das Schwere halten müssen; alles Lebendige hält sich dran, alles in der Natur wächst und wehrt sich nach seiner Art und ist ein Eigenes aus sich heraus, versucht es um jeden Preis zu sein und gegen allen Widerstand.“ 

Und nicht vergessen : #freeDeniz 




...der denkt nicht darüber nach, ob er sich das Leben leicht oder schwer macht, er IST einfach da vor dem Fenster gewesen, und mein Schatten fotografierte ihn... Reflexe von Küche und Strasse... 





text&photo (c)krista posch





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Sonntag, 26. Februar 2017

#pulseofEurope



26.2.17

Aus Neugier bin ich heute gegen 14 Uhr in München zum Max-Joseph-Platz geradelt. Um etwas zu sehen auch hinaufgeklettert auf die Stufen des Denkmals. Ich schätze, es waren gut 300-400 Menschen gekommen. Viele junge Menschen, Mittelalte, Kinder, ein höchstens zwölfjähriger Junge interviewte höchst professionell ("für unseren YouTube-Kanal") den jungen Mann neben mir, ein Student, der strahlend die Europa-Fahne schwenkte, und sich während der gesamten Veranstaltung, die genau eine kurzweilige Stunde dauerte, freute. 

Ja, es war kurzweilig, spontan, es gab viele Redebeiträge von denen, die sich vor Ort angemeldet haben und namentlich genannt wurden, wenn sie die kleine Bühne betraten und ruhig und engagiert erzählten, warum sie so eine Bürgerbewegung begrüßen, was sie mit der Idee Europa verbinden. Alle waren sich einig, dass es zu Europa keine Alternative gibt, niemand möchte, dass dieser Kontinent in nationalistische Kleinstaaterei fällt, und keiner von den Rednern oder Organisatoren maßte sich an, zu wissen, wo´s längs geht, was zu machen sei, wie Mängel dieser Union behoben werden können, denn die sind da, auch das wussten einige auszusprechen.... 


Über allem lag kein dampfendes Wahlgetöse, keine kochende Volksseele, kein Schrei nach einem starken Mann, sondern eine angenehme, positive, zukunftsoffene Stimmung, der Willen, etwas zu tun, um dieses Europa zu erhalten, zu verbessern, für es einzustehen, es nicht von wild gewordenen Populisten zertrampeln zu lassen.

Jeden Sonntag, auch heute war das so, finden in immer mehr europäischen Städten diese Treffen statt, immer alle um 14 Uhr. Und jedes Mal kommen anscheinend mehr Menschen. 


Also, mir gefällt das. 

Schaut doch auch mal vorbei.


Als letzter Redner betrat der 12jährige Junge mit dem Smartphone noch die Bühne und bat die Menge, doch alle zusammen "Hallo, Europa" zu rufen. Für seinen YouTube-Kanal.








text&fotos (c)krista posch


Wikipedia erklärt unter anderem :

„Pulse of Europe“ orientiert sich an zehn Punkten:
  1. Europa darf nicht scheitern: Die Initiative sieht die europäische Idee der Gefahr des Scheiterns ausgesetzt, wenn sich bei den 2017 anstehenden Wahlen in mehreren europäischen Ländern anti-europäische Parteien durchsetzen können, und ruft europafreundliche Bürger dazu auf, sich öffentlich zur europäischen Idee zu bekennen.
  2. Der Friede steht auf dem Spiel: Die Europäische Union wird als „Bündnis zur Sicherung des Friedens“ angesehen.
  3. Wir sind verantwortlich: Alle Teile der Gesellschaft werden in der Verantwortung gesehen, Spaltungstendenzen innerhalb Europas entgegenzutreten.
  4. Aufstehen und wählen gehen: Ausgehend von der Vorstellung einer „schweigenden Mehrheit“, die es zu mobilisieren gelte, wird dazu aufgerufen, in den anstehenden Wahlen für pro-europäische Parteien zu stimmen.
  5. Grundrechte und Rechtsstaatlichkeit sind unantastbar: „Freiheit der Einzelnen, Gerechtigkeit und Rechtssicherheit“ müssen in Europa gewährleistet bleiben, insbesondere auf dem Hintergrund der Einschränkungen der Pressefreiheit in einzelnen europäischen Ländern.
  6. Die europäischen Grundfreiheiten sind nicht verhandelbar: Die europäischen Grundfreiheiten hätten „aus Nationalstaaten eine Gemeinschaft gemacht“. Eine „ausgewogene Verknüpfung von Rechten und Pflichten“ müsse in allen europäischen Ländern sichergestellt sein.
  7. Reformen sind notwendig: Umgestaltungen der europäischen Idee sind notwendig, um eine breite Unterstützung der Bevölkerung zu sichern oder wieder zu erlangen.
  8. Misstrauen ernst nehmen: Bedenken gegen die Europäische Union müssen gehört, und Lösungen für aktuelle Probleme müssen gefunden werden, um Zuversicht in die Zukunft der europäischen Union zu wecken.
  9. Vielfalt und Gemeinsames: Die Wahrung der europäischen Identität schließe den Erhalt der regionalen und nationalen Vielfalt ein, die als Bereicherung verstanden wird.
  10. Alle können mitmachen – und sollen es auch: „Pulse of Europe“ versteht sich als „überparteiliche und überkonfessionelle“ „zivilgesellschaftliche Initiative zum Erhalt Europas“.
Nach ihrem eigenen Verständnis verfolgt die Initiative „keine parteipolitischen Ziele“. Im Hinblick auf die Parlamentswahl in den Niederlanden am 15. März 2017, die Präsidentschaftswahl in Frankreich am 23. April 2017 und die Bundestagswahl am 24. September 2017 sollen sich „bis zum und am 12. März 2017, dem letzten Sonntag vor den Wahlen in den Niederlanden, so viele Menschen wie möglich in Europa [zu] versammeln, die für Europa einstehen und so dazu beitragen, dass nach den Wahlen pro-europäische Kräfte mehrheitsfähig regieren können.“

Zur Zeit liegt der programmatische Schwerpunkt von „Pulse of Europe“ auf dem Bestandschutz der EU. Detailliertere inhaltliche Stellungnahmen machen die Initiatoren vom Ausgang der Wahlen in den Niederlanden abhängig. Je nach diesem sei eine weitere inhaltliche Differenzierung vorgesehen. Dies könne entweder eine stärkere Betonung der Bedeutung der französischen Parlamentswahlen sein, bei einem europafreundlichen Wahlausgang in den Niederlanden könnten eher die notwendigen Reformen programmatisch betont werden.











Donnerstag, 2. Februar 2017




Ich heisse Max und tanze Ihnen jetzt einen Aufguss
Es wird nach Orangen und Zitronen duften
Ich bin 20 Jahre alt und liebe meinen Job
Ich mache jede Geste genau und sorgfältig
Ich gehe schwerelos über den knarzenden Sauna-Boden
Ich möchte dass Sie jede Minute hier genießen


Er hat was ganz was anderes gesagt 
Er hat sich einfach vorgestellt
Er hat einfach nur gesagt ich heisse Max und mache jetzt einen Aufguss
Er steht wie ein Firmling vor den drei Nackten
Er ist sich einer HEILIGEN Aufgabe bewusst die er gleich ausführen wird

Und er giesst den Orangen-Zitronen-Duft über die heissen Steine
Und es ist Zärtlichkeit darin
Und er dreht das Handtuch über dem Ofen wie einen Propeller
Und die drei Damen heben ab
Und er wedelt mit einem überdimensionalen Fächer die feuchte Hitze auf uns
Und seine junge Kraft 
Und er tanzt den Aufguss
Mit Boxershorts Turnschuhen weissen Handschuhen
Und diesem japanisch anmutenden Riesenfächer
Mit diesem einen Flügel den er dreht und wendet

Und sein Körper weiss, dass er es richtig macht
Und er tanzt für jede Einzelne
Und der Aufguss dauert gefühlte und geliebte Zeit lange
Und nach einer Stunde will ich das so noch Mal erleben
Da ist einer mit Boxershorts
Namenlos
Kein Max nirgends
Einmalig 



Die Münchner Bäder sind großartig, die Saunen, die Winterfreibäder,
Auch wenn so ein Max einem dort nicht immer begegnet, lohnt es sich, den Winterblues samt Erkältung dort zu vertreiben ...


Link >>> Münchner Bäder







worte/bilder (c) krista posch

Samstag, 28. Januar 2017




Des Frühlings Liebesbriefe an den Winter allüberall schon unterwegs die Schrift unverkennbar die Kraft unzerstörbar diese ins Blau geritzten Aufmerksamkeitszeichen diese federleichten Ausrufungszeichen ja ja balde bald wir sind schon da diskret aber da was kümmert uns ein Datum im März .






Diese Lichtwürfe Einstellungen Ausläufer gibt es jetzt der Winter kennt solche nicht das Tauwetter nächste Woche der Matsch lassen die Erde aufquellen und alles was sprießen wird können geht in Aufnahmemodus und ich spüre das ohne davon zu wissen und jede Zelle jeder Zeh reckt sich einem Unbekannten Altvertrauten entgegen und ich werde aufatmen weil dieser geliebte Ablauf den geliebten Winter in den geliebten Frühling verwandeln wird und mir das nicht egal sein kann .





Härte schwand. Auf einmal legt sich Schonung
an der Wiesen aufgedecktes Grau.
Kleine Wasser ändern die Betonung.
Zärtlichkeiten, ungenau.

greifen nach der Erde aus dem Raum.
Wege gehen weit ins Land und zeigens.
Unvermutet siehst du seines Steigens
Ausdruck in dem leeren Baum.
Rainer Maria RILKE




Will dir den Frühling zeigen,
der hundert Wunder hat.
Der Frühling ist waldeigen
und kommt nicht in die Stadt.

Nur die weit aus den kalten
Gassen zu zweien gehn
und sich bei den Händen halten -
dürfen ihn einmal sehn.

Rainer Maria RILKE









worte/bilder (c) krista posch