Sonntag, 17. Juni 2018

TAGEBUCH 17.6.18 ... SÜD-KRETA



Den Sand aus den Schuhen geschüttelt, aus dem kleinen Koffer auch, in jeder Ritze hat er sich versteckt, um mich heimlich nach München zu begleiten. Die griechischen, besser gesagt die SÜDKRETA-Tage sind um und werden lange nachwirken. 
Die Fahrt zum Flughafen mit Demetrius, dem stolzen Griechen im rosa Hemd, dauert lange und umgeben von Oleander, irgendwas Gelbem, ein paar Ziegen, nehme ich Abschied von der Insel. 
So viel Stille und auch so viel Lärm immer in knappen Abständen wechselnd hab ich lange nicht erlebt. Das Eine schien das Andere zu bedingen, zu rufen.

Eine Zusammenfassung meiner kürzlichen Solo-Reise ... fällt schwer... vielleicht genügen einige der unzähligen Fotos, um einen Eindruck zu vermitteln.. 
Die Motive fallen über mich her, jeden Tag und dauernd. Kein Thema ergibt sich. Alles gleichzeitig. 

Geräusche kann ich nicht fotografieren, sie wären es wert. 
Musik überall wo keine Menschen sind. Zikaden, Wind in allen Varianten, Meer von flüsternd bis aufbrausend, klappernde Fensterläden, stöhnend oder wispernd die Bäume. 
Der Himmel fast immer wolkenlos blau gestrichen, abenteuerliche Strommasten zeichnen sich ein, Kabel führen in ungewisse Fernen, um dort ihre Daseinsberechtigung zu beweisen, die nur einer staunenden Vorbeiziehenden  wie mir verborgen bleibt. 

Landschaften wie aus den Filmen von Sergio Leone, Menschen weich und freundlich, helle oder kohlschwarze starke Blicke aus Augen, die tief in die Seelen blicken lassen, eine Melancholie auch im offensten Lachen. 

Auf jedem Hügel, in jeder Felsspalte eine kleine Kirche, weiss gestrichen, Jahr für Jahr, und wenn es kein Geld für nichts mehr gibt - die Kirche wird neu gestrichen. So viele Bildstöcke und Kapellen habe ich ausser in süddeutschen Gegenden oder in den Tiroler Bergen noch nirgends gesehen. 

Die Sonne  zeigt sich launisch und spröde beim Auf-und Untergehen. Nicht immer postkartenrot, auch blassgolden, silberweiss, verlässlich präsent auf alle Fälle.

Tiere ... 
Allgegenwärtig Katzen, Hunde, Ziegen. 
Zicklein beim Versuch, Steinböcke zu sein.
Die Ziege, die Bierdurst hat.
Katzen gelangweilt aufm Barhocker.
Ein fremder Hund legt mir seinen Kopf aufs Knie.
Ein Einhorn schaut vom Balkon.

Überall wächst und blüht es mikroklein geduckt und bunt oder wirft einem das Pink der Bougainvilleen ins Auge, die Pracht der Oleander, und der Duft von Jasmin ist auch gnädig dort gegenwärtig, wo Müll in der Hitze gärt.

Wandern unter niedrigen verzauberten Zedern, die lebendig werden wenn man sie ernst nimmt. 
Ein Vogel flattert hoch als ich vorbeigehe wo kaum jemand vorbei geht . 
Ich erschrecke mehr als er. 

Die deutsche junge Frau, die die Liebe zu Yourgos auf der Insel hat bleiben lassen, macht eine Fava für mich, ein Pita-Brot mit Spinat und Schafskäse, und sie hat ein bisschen Heimweh nach Euskirchen dann und wann.  



















































text & fotos (c) krista posch 

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Sonntag, 29. April 2018

TAGEBUCH 29.4.2018 Ludwig van Levit van Igor van Beethoven ....



...aus einer notwendigen Konvention und zur allgemeinen Verständlichkeit für die Interpreten dieser Welt stehen auf fünf Linien schwarze Punkte in unterschiedlichen Abständen und der sie hingetupft hat ist meist nicht mehr anwesend, sondern ein anderer spielt das was er in den schwarzen Punkten liest auf einem Instrument. 

Wenn dieser Eine gerade IGOR LEVIT ist wie heute Vormittag im aus allen Nähten platzenden Prinzregententheater fliegen die schwarzen Punkte um ihn herum, er sammelt sie allein durch seine Präsenz, atmet sie ein, lässt sie "geordnet" aus seinen Händen auf die Tasten fließen und da geschehen dann Wunder.

Ernst, sehr ernst betritt I.L. die Bühne, kämpft scheinbar mit irgendetwas in sich, verbeugt sich, setzt sich hin, ballt die Fäuste, drückt sie in den Klavier-hocker, lächelt kurz in dieses schwarze Maul vor ihm hinein, wie zur Begrüßung eines Komplizen für die kommenden zwei Stunden, und dann passiert ES einfach.

Ich bin nicht vom "Fach", was die Musik von Beethoven angeht.
Ich kann hören und fühlen und sehen. Das genügt mir. 
Da LEBT einer diese Töne, egal wie "berühmt" gerade die Klaviersonate DER STURM ist oder wie eher "klein" - so hörte ich das um mich herum - die Sonate Nr.3 ist ... Hauptwerke oder Nebenwerke - alles Begriffe, die sich aus der Aufführungstradition gebildet haben müssen, bei I.L. sind alle Sonaten "HAUPT-sächlich", alle frisch und neu und gerade erfunden, so klingt das in meinen Ohren, meinem Körper, meinen Poren, meinen Zellen, im Moment und noch lange danach...

So viel Humor und Schmerz und Witz und Leichtigkeit in der Schwere und Swing und Tanz und Power und Geschmeidigkeit und Tiefe und Finsternis und am Ende des Tunnels immer LICHT.

Nach dem "Sturm" Erleichterung und ein tiefer Ausatmer aus seiner Brust. Ein MENSCH steht da, ein 31jähriger, der sich und uns alle im Saal von Shakespeares Sturm durchpeitschen, beruhigen, sich ängstigen, erhellen liess. Ein Drama, das I.L. aber auch immer wieder lächeln lässt, er macht das oft während des Konzertes, er scheint sich über Wendungen, über Modulationen, über Kindliches in einer noch so kurzen Passage zu FREUEN... Keine Ahnung, ob ihm das bewusst ist... Ich glaube, ES lächelt in ihm und aus ihm, wenn ES gerade will und sein soll ....

Rechts neben mir ein etwa zehnjähriger Junge. Er strahlt ernst.

Vor mir sagt eine Dame in der Pause zu ihrem Mann und was is jetzt? Halbzeit, sagt der. 

Nach der Pause, nach den ersten Takten der "Pathetique" sagt der Halbzeit-Mann noch etwas zu seiner Frau. Igor schaut auf, ich denke er bricht ab, ein Handy lässt einen Ton, der schnell abgewürgt wird, Igor hebt während des Spiels beide Hände in einer weichen fassungslosen aber nicht zornigen eher mitleidigen Geste nach oben - und spielt weiter. ALLES gehört dazu, ALLES wird hineingenommen ins SPIEL, ALLES wird benutzt, ALLES wird verwandelt... 

Die Zugabe widmet I.L. Christian Krügel, dem Lokalchef der Süddeutschen Zeitung, der 48jährig in dieser Woche gestorben ist. NACHTSTÜCK von Hindemith. Und Levit wird kurz zu einem melancholischen "Barpianisten", der sich scheinbar improvisierend, mit diesen Tönen leicht und schmerzvoll und tief, zu später Stunde von einem guten Freund verabschiedet...  

Der fliederbeblühte Innenhof nimmt vorher, dazwischen, nachher alle auf, ob sie beglückt sind oder nicht ("Er hätte auch was anderes als Zugabe spielen können".... Hej!! Hat er aber nicht, Du Halbzeit-Mann!! ) 
Es geht ins nahe "La Cucina", obwohl man einerseits völlig genährt ist, andererseits der Körper nicht nur von fliegenden schwarzen Punkten leben will, die sich zwei Stunden lang um den Ausnahme-Pianisten Igor Levit versammelt haben, und von ihm in Beethovens Musik verwandelt worden sind.

Bin dankbar, dass ich heute dabei sein durfte *

Igor Levit nach dem Konzert
(c)k.posch









Text (c)Krista Posch
















Mittwoch, 21. März 2018

21.3.2018 TAGEBUCH... DOPPELPASS ..




...Und als der Beamte vor mir mich bittet, laut und deutlich zu beschwören, dass ich der Bundesrepublik Deutschland keinen Schaden zufügen werde, oder wie die Formel lautet, ich kann sie nicht wiederholen, rinnt mir doch eine merkwürdige Gänsehaut über den Rücken, und der Syrer neben mir spricht weiter mit der deutschen Griechin, die ihn ausfragt, so wie sie auch mich vor Monaten bei der Antragstellung ausgefragt hat, und obwohl es gar nicht feierlich ist in diesem Büro des KVR, ist mir irgendwie unbekannt feierlich zumute und dem Beamten auch, als er aufsteht, mir mit Handschlag gratuliert, und mir die Einbürgerungsurkunde überreicht, und einen Willkommensbrief des bayrischen Innenministers, "...der freut sich irrsinnig, dass Sie jetzt Deutsche sind und schenkt Ihnen das Grundgesetz..." und das liegt jetzt hier vor mir...

... so viele sitzen da und warten... alle Hautfarben... alle eine Wartenummer in der Hand...ich auch, zum dritten Mal, heute um meine Einbürgerungsurkunde abzuholen, davor um zu erfahren, was ich machen muss, um zusätzlich zu meiner italienischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft zu erhalten, dann, um den Antrag mit allen erforderlichen Dokumenten abzugeben. Es waren viele... ich kramte mich beim Zusammensuchen durch mein ganzes Leben und durch das was davor war, wo sind die Eltern geboren, wann haben sie wo geheiratet.. Meine Zeugnisse, Diplome, die erste Ehe, mein Sohn, die Scheidung, die jetzige Ehe, wo wann wie der Ehemann wer was und überhaupt...

Seit 2007 ist es möglich, als Italienerin auch die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten zu dürfen. Hätte ich das früher gewusst, hätte ich mich längst darum gekümmert. Ich lebe hier, arbeite hier, zahle Steuern hier, nun darf ich auch die Wahlen hier beeinflussen ....

Der junge Schwarz-Afrikaner neben mir wird aufgerufen, Nummer 149, wir lächeln uns an, er sitzt hier auch schon so lange, er geht.

Ein kleines dunkellockiges Mädchen mit bunten Spangen im Haar summt ein deutsches Kinderlied. Es beisst in seine Butterbrezen und lacht zwischendurch hellauf.. Ich weiss nicht, zu wem die Kleine gehört.. 
Ihr Singen tut mir gut.

Den Einbürgerungstest musste ich auch machen, man zweifelte nicht an meinen Deutschkenntnissen, aber mein Abitur hab ich ja im fremdsprachigen Ausland Italien, in Bozen, gemacht, und zwar auf deutsch! Aber das wurde nicht anerkannt.


Für den Test habe ich richtig geackert, wer kennt sich schon freiwillig aus mit all dem, was den Bundestag, den Bundesrat, und die Kanzlerernennungsmodalitäten betrifft .. 

Das mit den Nummern geht sehr langsam voran. Die 153, meine Nummer, scheint verloren gegangen zu sein....

Bevor sie in diesem Einbürgerungsbüro gelandet sind müssen alle ja erst Mal hier in München angekommen sein, vor langer Zeit, vielleicht noch ohne eine Idee von deutscher Sprache, womöglich mit nichts als ihrem Leben, und sich dann durch so viele Instanzen, Büros, fremde Gebräuche, Bürokraten, Unduldsame geschleust haben..
Ich stelle mir mich in so einer Situation vor ...

Die junge Dame am Empfangs-Desk ist sehr freundlich zu jedem, sehr kompetent, und unkaputtbar anscheinend, aber bald ist es 18 Uhr, immer noch kommen Menschen und bekommen Wartenummern, Verstärkung wird angefordert und 153 soll in den Raum 4 im 4.Stock, wo wir eh sitzen, und ich springe fast auf nach 95 Minuten Warten und raus und einer der Verstärker führt mich in Raum 0, wegen Überlastung von Raum 4, "..so viele Engländer wollen auch Deutsche werden, das liegt an der May und ihrem Brexit..." und im Raum Null sitzt der Syrer und legt seine finanziellen und persönlichen Verhältnisse offen, und neben ihm stehe ich und lese laut vor, dass ich der Bundesrepublik Deutschland keinen Schaden zufügen werde, oder so ähnlich.


....

ps
"jetzt kennan´s als Südtirolerin ja bald a no a dritte Staatsbürgerschaft ham, gell ..."

An der Kasse, wo für den behördlichen Aufwand bezahlt werden muss, sprach der kafkaeske Herr hinter der Glasscheibe so zu mir und spielte auf den durchschaubaren Vorschlag der neuen österreichischen Regierung an, dass NUR deutschsprachige Südtiroler künftig auch einen Österr.Pass bekommen können......... 

"Nö. Mir genügen die beiden jetzt. Adieu.."


Frühlingsbeginn in München 🙃



worte und bilder (c)kristaposch








Freitag, 9. März 2018

Einfach ein paar NEWS ...








Hallo, liebe Freundinnen und Freunde, 
meine Damen und Herren,
der Frühling kommt unaufhaltsam und interessante, erfreuliche Dinge bewegen und verwirklichen sich hoffentlich bei Euch/Ihnen allen *

Hier darf ich ein paar News anzeigen : 

Es gibt von mir neue FOTOS , welche die Fotografin Steffi Henn im Februar gemacht hat . 


SYNCHRON : 
In den Kinos läuft zur Zeit der Agententhriller RED SPARROW, in welchem ich wieder einmal der großartigen Charlotte Rampling meine Stimme leihe, sie spielt die sehr strenge Matron, die Ausbilderin der jungen Agenten in spe ….  Hier in den Clips ab 1:24 kann man „Probe-Sehen-Hören“ … Krista mit russischem Akzent ;-) 


FILM :
Die Produktion der italienischen Kineo-Film geht in die Zielgerade für den internationalen Kino-Film "Al Dio ignoto", in welchem ich mitspielen werde .

HÖRSPIEL :
Der Bayrische Rundfunk produziert in den kommenden Tagen das Hörspiel von Mirna Funk „Auf einem einzigen Blatt Papier“ , in dem ich auch mitspiele . Regie: Stefanie Ramb.
Sendetermin: Herbst


LESUNG :
Das Jahr 2019 ist auch schneller da, als wir meinen ...
es gibt zur Zeit zwei Termine für meine Spiellesungen 
( Mit In-den-Kalender-eintragen kann man nie früh genug beginnen 🙃 … )

Am 10. Mai 2019 im Bürgerhaus Unterföhring mein Theater am Tisch GLAUBE LIEBE HOFFNUNG von Ödön von Horváth , mit Peter Ludwig am Klavier.

Am 18. Oktober 2019 auf der BÜHNE 2 in Germering mein "INTIMES SOLO - Erogene Zone“ :


Anfragen für die Lesungen über
info@krista-posch.de  UND  ole.schultheis@t-online.de 


UND, eigentlich das Wichtigste : 
Meine Knie gehen wieder ganz alleine, ohne die leuchtend-blauen Stützen **** 

.... und Verreisen, Enkel betreuen, Geburtstag feiern.... das gibt es natürlich auch 😎


Weiterhin einen guten März wünsche ich Euch *





Meine Webseite zum Blättern : www.krista-posch.de 



Freitag, 23. Februar 2018

TAGEBUCH 23.2.2018 KRRRRR......


Heute mit Joan Baez von der Magnetfeld-Therapie nach Hause gefahren
Sie sprach superbayrisch, war elegant gekleidet, grauer Schopf, 
und ihr aus dem Gesicht geschnitten. 

Ich bin nicht mit Skiern die Streif hinunter gejagt 
Ich bin nicht beim Schlittschuhlaufen hingefallen
Ich habe bei keinem Sport wettbewerbt
Ich habe einfach eine mir vertraute, geliebte Stretch-Übung gemacht 
Zu sehr geliebt
Zu sehr gedehnt
Es machte für mich hörbar leise krrrrr....

Manchmal sorgt das Universum für eine Entschleunigung 
und das Leben nagelt einem einen kleinen Gelenkkapsel-Riss ans Knie
im wahrsten Sinn des Wortes. 
Dazu eine futuristisch anmutende Beinschiene
für 2-3 Wochen 
und zwei leuchtend kobaltblaue Unterarm-Stützen, 
(ist vornehm für : Krücken) 
Mit Katzenaugen.
Für 2-3 Wochen.


Der Schmerz schlich sich erst ein paar Tage nach dem krrrr ein
Gut Ding braucht Weile


Klaklirr ... die Stöcke fallen zu Boden


Der Münchner Arzt im Helios (!) durchleuchtet mit allen vorhandenen Mitteln dieses Wunder-Gelenk Knie :
Nix gebrochen
Nix kaputtgeschabt
keine Arthrose
Nur dieser kleine Riss
und eine geplatzte Baker-Zyste
Harmlos
Bis sie platzt
und ihre Flüssigkeit verteilt
Wer will schon immer eingesperrt in meinem Knie leben


Klaklirr ... die Stöcke fallen zu Boden


Mein Alltag ändert sich für 2-3 Wochen total
Die Aufmerksamkeit bei jeder Geste jedem Schritt ist enorm

Wie trage ich mit Krücken eine Tasse Tee zum Tisch? Gar nicht.
Wo kann ich mich festhalten um auch ohne Stützen weiterzukommen? Im Bad klappt das.
Wohin kann ich mit meinem Schreibtischstuhl rollen?
Klasse! Wie als Kind in Papas Büro.
Ein Stoffbeutel um den Hals hilft für viele kleine Transporte innerhalb der vier Wände.
Sieht höchst albern aus, ist aber effektiv.
Geniale Idee !

"Ich sehe oft alte Männer (!) mit  Stoffbeuteln um den Hals unterwegs"
O-Ton der Mann. 


Klaklirr ... die Stöcke fallen zu Boden


Fällt mir nicht leicht, immer wieder um Hilfe zu bitten im Alltag
aber das muss ich kurzzeitig
Fällt mir nicht leicht, mich abhängig zu sehen
aber das muss ich kurzzeitig
Fällt mir nicht leicht, Schmerzen zu akzeptieren
aber das muss ich kurzfristig
Fällt mir nicht leicht, geduldig zu sein
aber das muss ich kurzfristig

Fällt mir leicht, mich so wie in einer "Rolle" zu entdecken
Fällt mir leicht, im eingeübten Alltag ein Abenteuer zu sehen
Fällt mir leicht, ein belastbares Knie nicht als selbstverständlich zu betrachten 
Fällt mir leicht, meinem Knie gut zuzureden
Fällt mir leicht, dankbar dafür zu sein, dass die Situation vorüber gehend(!) ist

Fällt mir leicht, Hilfe anzunehmen.
Fällt mir leicht.

Danke, Mann.
Danke, Nachbarin.




Klaklirr ... die Stöcke fallen zu Boden 
usw.








(c)krista posch












Montag, 19. Februar 2018

TAGEBUCH.. 4 Tage BERLIN(ale) 16.2. - 19.2.




BERLIN wieder mal... und alle Jahre wieder dann, wenn es am Kältesten ist, am Vollsten, am Verrücktesten, Berlinale eben. Très vivant *
Ich kriege nicht all zu viel davon mit, bin immer nur kurz da, die Agentur lädt ein zum Treff im schönsten Ballhaus Berlins, nämlich in dem von Clärchen, also in Clärchens Ballhaus. Dekadenter Tarkowskji-Raum ... Heruntergedimmtes Licht, alle sehen schön aus so, ein aberwitziger Lärmpegel, hallo nach links und rechts und manch auch interessantes Gespräch, das man sich von Ohr zu Ohr und Mund zu Mund zu ruft.  

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Der geplante internationale Kinofilm "Al Dio ignoto" geht was die Finanzierung betrifft langsam in die Zielgerade. Innerhalb Sommer ( oder sagt man „Sommers“ ... ) dieses Jahres soll abgedreht sein. Wird mein allererster Dreh in italienischer Sprache sein. Regie: Rodolfo Bisatti. Eine poetische, heitere Geschichte über Leben und Tod und das Leben bis zum Sterben...


Eine private Party, die sich plötzlich ergibt, bewirkt, dass ich mit einer sympathischen griechischen Journalistin aus Paris, die gerade noch Isabelle Huppert interviewt hat, stundenlang übers Leben spreche, wusste gar nicht, dass ich das auf französisch besser als auf englisch kann.. Heute jedenfalls... Und die Synapsen im Hirn freuen sich in diesen Tagen eh übers ItalienischDeutschEnglischFranzösischGemisch von Mund zu Mund und Ohr zu Ohr ...

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Der Hashtag #freedeniz oder was auch immer es war, hat glücklicherweise seine Wirkung getan und es ist das Einzige, was ich von aussen so mitbekomme. Aussen ist die Welt ausserhalb dieses geschlossenen brodelnden Berlinale-Raums, der zu spüren ist in der ganzen Stadt.

Im Hotel Savoy sind zwar die Zimmer allmählich renovierungsbedürftig, aber es ist nach wie vor ein Nest für die Berlinale-Besucher und man sitzt beim Frühstück wie mitten in einer deutschen Serie oder mitten in den herumlaufenden Credits eines Polizeirufs....  Im Aufzug vom ersten bis zum sechsten Stockwerk kann man sich kurz ´was erzählen und schon sprinten alle weiter ... Hier ist Zeit wirklich Geld ... und Stress.... wenn man sich ihn macht ...

KINO jenseits der Berlinale: Gestern "Der seidene Faden", im neuen Delphi Lux Kino. Hätte nie gedacht, dass Vermeers Mädchen mit dem Perlenohrring plötzlich als Vicky Krieps auf der Leinwand ihren Zauber verbreitet... seinen Zauber.... wie dem auch sei : ästhetisch und SCHAUSPIELERISCH und drehbuchmäßig und bild-haft, in seiner Genauigkeit, seinen Wendungen, seiner Ironie ... dieser Film ist ein Fest . Vom ersten Moment bis zum Letzten . Die Bestellung eines üppigen Frühstücks als Liebesszene ... die Bestellung von Daniel Day-Lewis wird immer länger und ausufernder, damit das Liebes-Objekt der Begierde und Verehrung ( darf das gesagt sein? ich sage nur Eugen Gomringer... das Wort Bewunderer ist ja ein No-Go inzwischen.... ) damit also die junge Kellnerin sich nicht so schnell entfernt....Was für eine Liebesszene....  Die Zärtlichkeit und Kraft der jungen Alma, wie sie "hinterhältig" ihren Maniac Reynolds zähmt... Die vorsichtige und sehr sichtbare Eifersucht der (grandiosen) Schwester, Cyril Woodcock, gespielt von Lesley Manville ....  Ach und noch und noch... Seht (und HÖRT... im ORIGINAL ! OmU) mit eigenen Augen und Ohren  :-)


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Die alte kranke Mutter einer Freundin greift in unsere Pläne ein, sie fährt zu ihrer Hilfe, und ich gehe allein ins Deutsche Theater zu "Ulysses". Lohnt sich ... Alle kennen James Joyce, alle kennen seinen Ulysses, niemand hat den Roman gelesen...fast niemand. Auf der Bühne des DT : Es geht auch anders.... oder es geht auch überhaupt nicht.... aber es geht definitiv auch SO . Berliner und -Innen : geht gucken ! Wunderbar lakonischer humorvoller Uli Matthes und köstlich auch Bernd Moss mit dem Versuch, das Quantenfeld zu erklären 
( jenseits von James Joyce ) .... 


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#metoo ist allüberlagerndes Thema hier, der Verband der Film und TV-Schauspieler BFFS und "pro quote film" und die Antidiskriminierungsstelle des Bundes luden ein zu einer Gesprächsrunde über die unguten Gebräuche Einiger in der TV-Landschaft, die ihre Macht auf zerstörerische Weise ausüben... Kollegentreffen, Zuhören, über das nachdenken, was man selbst erlebt hat diesbezüglich ... es fängt ja im Kleinen an, aber meist erkennbar, und schon als junges Mädchen konnte ich mich wehren, was vielleicht..(sicher..) auch „schädlich“ war, je nachdem von welcher Seite man es betrachtet ....
Leider zerfledderte die an sich wichtige Debatte, zu viele Themen gleichzeitig, kein Fokus, keine Klarheit. .... Viele Männer, viele Frauen, viele Gespräche nachher... wichtig, miteinander zu reden und zuzuhören....

Die kleine rechtsextreme Mädchen-Stör-Gruppe, die ein Transparent entrollte und die Themen von sexuellem Missbrauch mit der Einwanderungswelle in Verbindung brachte, zog sich dann auch wieder zurück ... 



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Neue Bilder hab ich gemacht bei einer für mich neuen Fotografin , Steffi Henn , und der Stylistin, Anne Pleli .
Spannend, wenn ein "neuer Blick" auf einen fällt, eine andere Perspektive, eine andere Sicht. Hier zwei Beispiele von noch ganz ganz "rohen", unbearbeiteten Bildern :


(c)steffi henn


(c)Steffi Henn 


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Ein paar IPhone-klicks aus und in dem Hotel Savoy :









und tschüs ...


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Das ehemalige FLORIAN heisst wohl schon längst MÄDCHENITALIENER LeBar ..

Das SAVIGNY ist immer noch mein Lieblingscafé



text&bilder: (c)krista posch
auf die Bilder klicken zum Vergrößern 





Weiterführende LINKS:

http://aldioignoto.com/

https://www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/der-seidene-faden

https://www.deutschestheater.de/programm/spielplan/ulysses/2576/


PS :
..während des shootings mit Steffi Henn ...