Mittwoch, 21. März 2018

21.3.2018 TAGEBUCH... DOPPELPASS ..




...Und als der Beamte vor mir mich bittet, laut und deutlich zu beschwören, dass ich der Bundesrepublik Deutschland keinen Schaden zufügen werde, oder wie die Formel lautet, ich kann sie nicht wiederholen, rinnt mir doch eine merkwürdige Gänsehaut über den Rücken, und der Syrer neben mir spricht weiter mit der deutschen Griechin, die ihn ausfragt, so wie sie auch mich vor Monaten bei der Antragstellung ausgefragt hat, und obwohl es gar nicht feierlich ist in diesem Büro des KVR, ist mir irgendwie unbekannt feierlich zumute und dem Beamten auch, als er aufsteht, mir mit Handschlag gratuliert, und mir die Einbürgerungsurkunde überreicht, und einen Willkommensbrief des bayrischen Innenministers, "...der freut sich irrsinnig, dass Sie jetzt Deutsche sind und schenkt Ihnen das Grundgesetz..." und das liegt jetzt hier vor mir...

... so viele sitzen da und warten... alle Hautfarben... alle eine Wartenummer in der Hand...ich auch, zum dritten Mal, heute um meine Einbürgerungsurkunde abzuholen, davor um zu erfahren, was ich machen muss, um zusätzlich zu meiner italienischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft zu erhalten, dann, um den Antrag mit allen erforderlichen Dokumenten abzugeben. Es waren viele... ich kramte mich beim Zusammensuchen durch mein ganzes Leben und durch das was davor war, wo sind die Eltern geboren, wann haben sie wo geheiratet.. Meine Zeugnisse, Diplome, die erste Ehe, mein Sohn, die Scheidung, die jetzige Ehe, wo wann wie der Ehemann wer was und überhaupt...

Seit 2007 ist es möglich, als Italienerin auch die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten zu dürfen. Hätte ich das früher gewusst, hätte ich mich längst darum gekümmert. Ich lebe hier, arbeite hier, zahle Steuern hier, nun darf ich auch die Wahlen hier beeinflussen ....

Der junge Schwarz-Afrikaner neben mir wird aufgerufen, Nummer 149, wir lächeln uns an, er sitzt hier auch schon so lange, er geht.

Ein kleines dunkellockiges Mädchen mit bunten Spangen im Haar summt ein deutsches Kinderlied. Es beisst in seine Butterbrezen und lacht zwischendurch hellauf.. Ich weiss nicht, zu wem die Kleine gehört.. 
Ihr Singen tut mir gut.

Den Einbürgerungstest musste ich auch machen, man zweifelte nicht an meinen Deutschkenntnissen, aber mein Abitur hab ich ja im fremdsprachigen Ausland Italien, in Bozen, gemacht, und zwar auf deutsch! Aber das wurde nicht anerkannt.


Für den Test habe ich richtig geackert, wer kennt sich schon freiwillig aus mit all dem, was den Bundestag, den Bundesrat, und die Kanzlerernennungsmodalitäten betrifft .. 

Das mit den Nummern geht sehr langsam voran. Die 153, meine Nummer, scheint verloren gegangen zu sein....

Bevor sie in diesem Einbürgerungsbüro gelandet sind müssen alle ja erst Mal hier in München angekommen sein, vor langer Zeit, vielleicht noch ohne eine Idee von deutscher Sprache, womöglich mit nichts als ihrem Leben, und sich dann durch so viele Instanzen, Büros, fremde Gebräuche, Bürokraten, Unduldsame geschleust haben..
Ich stelle mir mich in so einer Situation vor ...

Die junge Dame am Empfangs-Desk ist sehr freundlich zu jedem, sehr kompetent, und unkaputtbar anscheinend, aber bald ist es 18 Uhr, immer noch kommen Menschen und bekommen Wartenummern, Verstärkung wird angefordert und 153 soll in den Raum 4 im 4.Stock, wo wir eh sitzen, und ich springe fast auf nach 95 Minuten Warten und raus und einer der Verstärker führt mich in Raum 0, wegen Überlastung von Raum 4, "..so viele Engländer wollen auch Deutsche werden, das liegt an der May und ihrem Brexit..." und im Raum Null sitzt der Syrer und legt seine finanziellen und persönlichen Verhältnisse offen, und neben ihm stehe ich und lese laut vor, dass ich der Bundesrepublik Deutschland keinen Schaden zufügen werde, oder so ähnlich.


....

ps
"jetzt kennan´s als Südtirolerin ja bald a no a dritte Staatsbürgerschaft ham, gell ..."

An der Kasse, wo für den behördlichen Aufwand bezahlt werden muss, sprach der kafkaeske Herr hinter der Glasscheibe so zu mir und spielte auf den durchschaubaren Vorschlag der neuen österreichischen Regierung an, dass NUR deutschsprachige Südtiroler künftig auch einen Österr.Pass bekommen können......... 

"Nö. Mir genügen die beiden jetzt. Adieu.."


Frühlingsbeginn in München 🙃



worte und bilder (c)kristaposch








Freitag, 9. März 2018

Einfach ein paar NEWS ...








Hallo, liebe Freundinnen und Freunde, 
meine Damen und Herren,
der Frühling kommt unaufhaltsam und interessante, erfreuliche Dinge bewegen und verwirklichen sich hoffentlich bei Euch/Ihnen allen *

Hier darf ich ein paar News anzeigen : 

Es gibt von mir neue FOTOS , welche die Fotografin Steffi Henn im Februar gemacht hat . 


SYNCHRON : 
In den Kinos läuft zur Zeit der Agententhriller RED SPARROW, in welchem ich wieder einmal der großartigen Charlotte Rampling meine Stimme leihe, sie spielt die sehr strenge Matron, die Ausbilderin der jungen Agenten in spe ….  Hier in den Clips ab 1:24 kann man „Probe-Sehen-Hören“ … Krista mit russischem Akzent ;-) 


FILM :
Die Produktion der italienischen Kineo-Film geht in die Zielgerade für den internationalen Kino-Film "Al Dio ignoto", in welchem ich mitspielen werde .

HÖRSPIEL :
Der Bayrische Rundfunk produziert in den kommenden Tagen das Hörspiel von Mirna Funk „Auf einem einzigen Blatt Papier“ , in dem ich auch mitspiele . Regie: Stefanie Ramb.
Sendetermin: Herbst


LESUNG :
Das Jahr 2019 ist auch schneller da, als wir meinen ...
es gibt zur Zeit zwei Termine für meine Spiellesungen 
( Mit In-den-Kalender-eintragen kann man nie früh genug beginnen 🙃 … )

Am 10. Mai 2019 im Bürgerhaus Unterföhring mein Theater am Tisch GLAUBE LIEBE HOFFNUNG von Ödön von Horváth , mit Peter Ludwig am Klavier.

Am 18. Oktober 2019 auf der BÜHNE 2 in Germering mein "INTIMES SOLO - Erogene Zone“ :


Anfragen für die Lesungen über
info@krista-posch.de  UND  ole.schultheis@t-online.de 


UND, eigentlich das Wichtigste : 
Meine Knie gehen wieder ganz alleine, ohne die leuchtend-blauen Stützen **** 

.... und Verreisen, Enkel betreuen, Geburtstag feiern.... das gibt es natürlich auch 😎


Weiterhin einen guten März wünsche ich Euch *





Meine Webseite zum Blättern : www.krista-posch.de 



Freitag, 23. Februar 2018

TAGEBUCH 23.2.2018 KRRRRR......


Heute mit Joan Baez von der Magnetfeld-Therapie nach Hause gefahren
Sie sprach superbayrisch, war elegant gekleidet, grauer Schopf, 
und ihr aus dem Gesicht geschnitten. 

Ich bin nicht mit Skiern die Streif hinunter gejagt 
Ich bin nicht beim Schlittschuhlaufen hingefallen
Ich habe bei keinem Sport wettbewerbt
Ich habe einfach eine mir vertraute, geliebte Stretch-Übung gemacht 
Zu sehr geliebt
Zu sehr gedehnt
Es machte für mich hörbar leise krrrrr....

Manchmal sorgt das Universum für eine Entschleunigung 
und das Leben nagelt einem einen kleinen Gelenkkapsel-Riss ans Knie
im wahrsten Sinn des Wortes. 
Dazu eine futuristisch anmutende Beinschiene
für 2-3 Wochen 
und zwei leuchtend kobaltblaue Unterarm-Stützen, 
(ist vornehm für : Krücken) 
Mit Katzenaugen.
Für 2-3 Wochen.


Der Schmerz schlich sich erst ein paar Tage nach dem krrrr ein
Gut Ding braucht Weile


Klaklirr ... die Stöcke fallen zu Boden


Der Münchner Arzt im Helios (!) durchleuchtet mit allen vorhandenen Mitteln dieses Wunder-Gelenk Knie :
Nix gebrochen
Nix kaputtgeschabt
keine Arthrose
Nur dieser kleine Riss
und eine geplatzte Baker-Zyste
Harmlos
Bis sie platzt
und ihre Flüssigkeit verteilt
Wer will schon immer eingesperrt in meinem Knie leben


Klaklirr ... die Stöcke fallen zu Boden


Mein Alltag ändert sich für 2-3 Wochen total
Die Aufmerksamkeit bei jeder Geste jedem Schritt ist enorm

Wie trage ich mit Krücken eine Tasse Tee zum Tisch? Gar nicht.
Wo kann ich mich festhalten um auch ohne Stützen weiterzukommen? Im Bad klappt das.
Wohin kann ich mit meinem Schreibtischstuhl rollen?
Klasse! Wie als Kind in Papas Büro.
Ein Stoffbeutel um den Hals hilft für viele kleine Transporte innerhalb der vier Wände.
Sieht höchst albern aus, ist aber effektiv.
Geniale Idee !

"Ich sehe oft alte Männer (!) mit  Stoffbeuteln um den Hals unterwegs"
O-Ton der Mann. 


Klaklirr ... die Stöcke fallen zu Boden


Fällt mir nicht leicht, immer wieder um Hilfe zu bitten im Alltag
aber das muss ich kurzzeitig
Fällt mir nicht leicht, mich abhängig zu sehen
aber das muss ich kurzzeitig
Fällt mir nicht leicht, Schmerzen zu akzeptieren
aber das muss ich kurzfristig
Fällt mir nicht leicht, geduldig zu sein
aber das muss ich kurzfristig

Fällt mir leicht, mich so wie in einer "Rolle" zu entdecken
Fällt mir leicht, im eingeübten Alltag ein Abenteuer zu sehen
Fällt mir leicht, ein belastbares Knie nicht als selbstverständlich zu betrachten 
Fällt mir leicht, meinem Knie gut zuzureden
Fällt mir leicht, dankbar dafür zu sein, dass die Situation vorüber gehend(!) ist

Fällt mir leicht, Hilfe anzunehmen.
Fällt mir leicht.

Danke, Mann.
Danke, Nachbarin.




Klaklirr ... die Stöcke fallen zu Boden 
usw.








(c)krista posch












Montag, 19. Februar 2018

TAGEBUCH.. 4 Tage BERLIN(ale) 16.2. - 19.2.




BERLIN wieder mal... und alle Jahre wieder dann, wenn es am Kältesten ist, am Vollsten, am Verrücktesten, Berlinale eben. Très vivant *
Ich kriege nicht all zu viel davon mit, bin immer nur kurz da, die Agentur lädt ein zum Treff im schönsten Ballhaus Berlins, nämlich in dem von Clärchen, also in Clärchens Ballhaus. Dekadenter Tarkowskji-Raum ... Heruntergedimmtes Licht, alle sehen schön aus so, ein aberwitziger Lärmpegel, hallo nach links und rechts und manch auch interessantes Gespräch, das man sich von Ohr zu Ohr und Mund zu Mund zu ruft.  

....

Der geplante internationale Kinofilm "Al Dio ignoto" geht was die Finanzierung betrifft langsam in die Zielgerade. Innerhalb Sommer ( oder sagt man „Sommers“ ... ) dieses Jahres soll abgedreht sein. Wird mein allererster Dreh in italienischer Sprache sein. Regie: Rodolfo Bisatti. Eine poetische, heitere Geschichte über Leben und Tod und das Leben bis zum Sterben...


Eine private Party, die sich plötzlich ergibt, bewirkt, dass ich mit einer sympathischen griechischen Journalistin aus Paris, die gerade noch Isabelle Huppert interviewt hat, stundenlang übers Leben spreche, wusste gar nicht, dass ich das auf französisch besser als auf englisch kann.. Heute jedenfalls... Und die Synapsen im Hirn freuen sich in diesen Tagen eh übers ItalienischDeutschEnglischFranzösischGemisch von Mund zu Mund und Ohr zu Ohr ...

....


Der Hashtag #freedeniz oder was auch immer es war, hat glücklicherweise seine Wirkung getan und es ist das Einzige, was ich von aussen so mitbekomme. Aussen ist die Welt ausserhalb dieses geschlossenen brodelnden Berlinale-Raums, der zu spüren ist in der ganzen Stadt.

Im Hotel Savoy sind zwar die Zimmer allmählich renovierungsbedürftig, aber es ist nach wie vor ein Nest für die Berlinale-Besucher und man sitzt beim Frühstück wie mitten in einer deutschen Serie oder mitten in den herumlaufenden Credits eines Polizeirufs....  Im Aufzug vom ersten bis zum sechsten Stockwerk kann man sich kurz ´was erzählen und schon sprinten alle weiter ... Hier ist Zeit wirklich Geld ... und Stress.... wenn man sich ihn macht ...

KINO jenseits der Berlinale: Gestern "Der seidene Faden", im neuen Delphi Lux Kino. Hätte nie gedacht, dass Vermeers Mädchen mit dem Perlenohrring plötzlich als Vicky Krieps auf der Leinwand ihren Zauber verbreitet... seinen Zauber.... wie dem auch sei : ästhetisch und SCHAUSPIELERISCH und drehbuchmäßig und bild-haft, in seiner Genauigkeit, seinen Wendungen, seiner Ironie ... dieser Film ist ein Fest . Vom ersten Moment bis zum Letzten . Die Bestellung eines üppigen Frühstücks als Liebesszene ... die Bestellung von Daniel Day-Lewis wird immer länger und ausufernder, damit das Liebes-Objekt der Begierde und Verehrung ( darf das gesagt sein? ich sage nur Eugen Gomringer... das Wort Bewunderer ist ja ein No-Go inzwischen.... ) damit also die junge Kellnerin sich nicht so schnell entfernt....Was für eine Liebesszene....  Die Zärtlichkeit und Kraft der jungen Alma, wie sie "hinterhältig" ihren Maniac Reynolds zähmt... Die vorsichtige und sehr sichtbare Eifersucht der (grandiosen) Schwester, Cyril Woodcock, gespielt von Lesley Manville ....  Ach und noch und noch... Seht (und HÖRT... im ORIGINAL ! OmU) mit eigenen Augen und Ohren  :-)


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Die alte kranke Mutter einer Freundin greift in unsere Pläne ein, sie fährt zu ihrer Hilfe, und ich gehe allein ins Deutsche Theater zu "Ulysses". Lohnt sich ... Alle kennen James Joyce, alle kennen seinen Ulysses, niemand hat den Roman gelesen...fast niemand. Auf der Bühne des DT : Es geht auch anders.... oder es geht auch überhaupt nicht.... aber es geht definitiv auch SO . Berliner und -Innen : geht gucken ! Wunderbar lakonischer humorvoller Uli Matthes und köstlich auch Bernd Moss mit dem Versuch, das Quantenfeld zu erklären 
( jenseits von James Joyce ) .... 


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#metoo ist allüberlagerndes Thema hier, der Verband der Film und TV-Schauspieler BFFS und "pro quote film" und die Antidiskriminierungsstelle des Bundes luden ein zu einer Gesprächsrunde über die unguten Gebräuche Einiger in der TV-Landschaft, die ihre Macht auf zerstörerische Weise ausüben... Kollegentreffen, Zuhören, über das nachdenken, was man selbst erlebt hat diesbezüglich ... es fängt ja im Kleinen an, aber meist erkennbar, und schon als junges Mädchen konnte ich mich wehren, was vielleicht..(sicher..) auch „schädlich“ war, je nachdem von welcher Seite man es betrachtet ....
Leider zerfledderte die an sich wichtige Debatte, zu viele Themen gleichzeitig, kein Fokus, keine Klarheit. .... Viele Männer, viele Frauen, viele Gespräche nachher... wichtig, miteinander zu reden und zuzuhören....

Die kleine rechtsextreme Mädchen-Stör-Gruppe, die ein Transparent entrollte und die Themen von sexuellem Missbrauch mit der Einwanderungswelle in Verbindung brachte, zog sich dann auch wieder zurück ... 



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Neue Bilder hab ich gemacht bei einer für mich neuen Fotografin , Steffi Henn , und der Stylistin, Anne Pleli .
Spannend, wenn ein "neuer Blick" auf einen fällt, eine andere Perspektive, eine andere Sicht. Hier zwei Beispiele von noch ganz ganz "rohen", unbearbeiteten Bildern :


(c)steffi henn


(c)Steffi Henn 


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Ein paar IPhone-klicks aus und in dem Hotel Savoy :









und tschüs ...


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Das ehemalige FLORIAN heisst wohl schon längst MÄDCHENITALIENER LeBar ..

Das SAVIGNY ist immer noch mein Lieblingscafé



text&bilder: (c)krista posch
auf die Bilder klicken zum Vergrößern 





Weiterführende LINKS:

http://aldioignoto.com/

https://www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/der-seidene-faden

https://www.deutschestheater.de/programm/spielplan/ulysses/2576/


PS :
..während des shootings mit Steffi Henn ...

Sonntag, 28. Januar 2018

M U S I K ... SOOO JUNG *




Die leuchtenden Augenbrauen der Jungs vom Danish String Quartet sind immer noch als blonde kleine Schwalben 
vor meinem inneren Auge unterwegs. 


Einfach begeisternd . Bin völlig verzaubert.
Alles in mir tanzt und meine noch etwas verstopften Nasenhöhlen gehen mitten im Konzert auf.
Die Lange Nacht des Streichquartetts im Prinzregententheater in München. Veranstaltet von der Konzertagentur Hörtnagel.

Die schwarze Bühne, vor dem Eisernen, auf der ich Rosalinde, Shen Te/Shui Ta, Irma Prechtl, und wer weiss was noch alles war Ende der 80er Jahre. Bilder kommen hoch und vermischen sich mit  Schubert, Jazz, Haydn, Swing, Prokofiew,
Skandinavischer Folkmusik, Beethoven, Popstandards 
und werden davon weggeschoben.

Es ist in sich kein Vermischen, kein Es-besser-wissen, was die drei ersten, drei zweiten Geigen, drei Bratschen, drei Celli, macht drei Streichquartette höchster Güte, da hintereinander und abwechselnd vollbringen.... alles PUR, alles hochprofessionell, alles mit Ernst und Charme und Tiefe und Albernheit und Liebe zu ihren Instrumenten, ihrem Können, ihrem Publikum, dem sie alles, was sie haben und geben können, in die staunenden Herzen und Ohren legen, streichen, werfen, schenken....

Das Danish String Quartet blond und bärtig und spröde und genau und grandios, und tiefdunkelblond klingen ihre nordischen Weisen und beim "Rasumowsky"-Quartett von Beethoven schwappt pures, tiefes, un-verkopftes Spiel/Gefühl zu mir und durch den Raum.

Das Vision String Quartet eröffnet mit Minimal Music von Steve Martland, und Alexej Gerassimez an der Marimba. Die Ohren und Augen treten in Wettkampf miteinander: 
ICH hab mehr davon! Nein ICH! Die Seele lächelt.
Der Quartettsatz von Schubert später lässt eine Frau vor mir weinen. Ihr Partner krault sie im Nacken. 
Schmerz und Zärtlichkeit im Raum, und Jubilieren.

Im Armida Quartett gibt es ZWEI FRAUEN. Klein, zierlich, ausgestattet mit hochhochhackigen roten Pumps und Bratsche und Violine und Power!! Lerchengesang bei Haydn und ein fulminanter ins Mark treffender Prokofjew (Streichquartett Nr.2 F-Dur)


Vier Stunden dauert das Klingen und Swingen und Klopfen und Percussionieren und Zupfen und Weben und Streicheln und Explodieren...  erst um Mitternacht merke ich, dass die Holzsessel drücken... In der U-Bahn noch ist die Energie und das Flirren des Abends zu spüren, die gute Laune... 

Das sonst eher zurückhaltende Konzert-Publikum strahlt noch aus allen Poren... 

Alle wissen jetzt, wie eine halb mit Sprudel gefüllte Wasserflasche klingt, wenn man sie befühlt, befingert, antippt, zischen lässt wie Alexej Gerassimez... und vielleicht hat sich viel Rhythmus wellenförmig aus bayrischen Behausungen durch diese Nacht bewegt. 


Die leuchtenden Augenbrauen der Jungs vom Danish String Quartet sind immer noch als blonde kleine Schwalben vor meinem inneren Auge unterwegs...















während einer der drei Pausen... 


Hier die Links zu den Musikern :

http://danishquartet.com/

http://visionstringquartet.com/

http://armidaquartett.com/en/quartet/





text&bilder (c)krista posch




Mittwoch, 20. Dezember 2017

TAGEBUCH 21.12.2017 ...LEBEN.... BOZEN ... drei Tage



Durchs bezaubernd verschneite Österreich bin ich gefahren ... Drunter matscht es braun, so braun.



Bozen. 
Warum trug der angeleinte Mops heute einen Pelzkragen?
Was hat der Tannenbaum verbrochen, dass er mit einem O versehen uns wochenlang die Ohren verschmutzt?
Was macht für Menschen aus dem In- und Ausland den Bozner Weihnachtsmarkt dermaßen attraktiv?
Was passiert mit all dem Tand, wenn Weihnachten vorbei ist?
Was passiert mit den täglich nicht verkauften Brezeln und Broten?


Warum ist die stille Nacht so laut?

Vor den verschiedenen Weihnachtsmärkten stehen wie überall Poller. Und viel Polizei. Mit kugelsicherer Weste und gezücktem Maschinengewehr. Sie sprechen laut miteinander. Das Italienisch entschärft ihre Gefährlichkeit. 

Der Glühwein den ich an einem Stand probieren darf, bevor ich eventuell einen Becher voll bestelle, ist lecker. Die Tasse, die der junge Mann bereit hält, nicht sauber. Mir vergeht die Lust auf heissen Alkohol. Bin auch so guter Dinge .





Bozen... Meine Heimatstadt... hier bin ich geboren... aufgewachsen... Zum ersten Mal geheiratet habe ich hier , meinen wunderbaren Sohn bekommen , geschieden wurde ich hier.
Die Stimme der RAI Sender Bozen war ich jahrelang... Theater gespielt habe ich hier, nebenbei, von 5 bis 30 ... meine Mutter gepflegt und beim schmerzhaften Aufhören begleitet habe ich hier ... Also, sehr viel Leben hier in diesem Bozner Talkessel verbracht habe ich .... in immer größeren Abständen... und wenn ich nun, wo viele Menschen von damals weggezogen oder gestorben sind, oder der Kontakt sich aufgelöst hat... wenn ich nun nach Bozen komme - - - es wird mir immer ein bisschen fremder, be-fremdlicher... Das ist nicht traurig, der Heimat-Geruch ist noch da, meldet sich aus den Zellen, schwappt ins Fleisch.... die Fremdheit überwiegt, tut auch gut, Distanz lässt Klarheit zu... 


Die Talferwiesen ... 

Weihnachtliche Talferbrücke von unten...




Zwei mal Fünf Euro für die zahllosen dunkelhäutigen Bettler, die einem etwas aufdringlich den Weg versperren halte ich bereit für die nächste Gelegenheit. Plötzlich taucht keiner mehr auf.



Eine Freundin hier in Bozen macht Musik, im Haydn-Orchester von Bozen und Trient spielt sie Cello, und sie strickt in ihrer Freizeit. Mützen. Sie strickt jeden Abend, jeden Tag. Sie sieht manchmal ihre Mützen auf Flüchtlingsköpfen durch die Stadt wandern und hüpfen, sagt sie. Das gefällt mir.



Sunset vom Hotelzimmer aus. Die Tage werden wieder länger hell nun. 



Das Museion, das großartige Glas-Bauwerk, das moderne Bozner Museum, hat ein sympathisches Café, in welches ich gerne gehe. Wenn es warm ist, sitzt man direkt an der Talfer, der Cappuccino schmeckt besonders gut. Ist noch Platz hier an Ihrem Tischchen? Etwas widerwillig räumt die Dame mir Platz ein. Schweigen. Hoi, griaßDi! Eine andere begrüßt sie. Dann zu mir Hallo, wir kennen uns, vom Theater Bozen...  Kann sein. Ja. Ich bin Krista, hallo. Und die erste mischt sich ein. Krista POSCH? Ja. Und das Klima ändert sich schlagartig. Welche Ehre, lächelt sie. Ich lächle zurück. 
Sie macht soziale Bildungsarbeit. Erzählt interessant. Muss aber bald los. Ich bleibe noch sitzen. 


höchstens am Vormittag so leer, die Museion Bar 


Vor dem Museion der NachdenkBaum von Gianni Pettena
ENERGY FREE TREE


innen

lichtvoll innen 


Ein Besuch im FilmclubBozen, im Capitol-Kino ( so hieß das früher ) erweist sich als heilend von all dem verrückten Klingeling-Rummel draußen, der ja schließlich auch nicht für mich konzipiert ist, ich will den Weihnachtsrummel ja niemandem madig machen,  jeder bekommt was er braucht, was er sich wünscht! Have um Himmels Willen fun *




WALK WITH ME. Eine Doku über Stille, Achtsamkeit, Sehnsucht nach Ganzheit.  Hat meiner Meinung nach mit Weihnacht "in echt" zu tun. 
Der Film wirkt wie eine innere Massage. Mir ging es jedenfalls so.



Überall glitzert es. Weiss jemand in all dem Lärm warum das so ist? Glitzern ist gerade international. 
Wenn wir genau und tief schauen glitzern wir das ganze Jahr. Wenn wir es wollen, leuchten wir. Hach...💎 



winziger Weihnachtsmarkt im Bahnhofspark, mit Eislaufplatz ,
vom 4. Stock des LAURIN aus gesehen

Am Waltherplatz 

Alljährliches Spitzen Treffen vor dem Bozner Dom


Schulfreundinnentreffen.
Wärme. Offenheit. Lachen. Erinnerungen. Ihre Geschichten lassen mich - unter anderem - auch mein Weggehen, mein aus Bozen Weg-Gegangen-sein immer neu verstehen... und ich freue mich, bei jeder Begegnung mit ihnen eben spiegelnd auch MIR zu begegnen. Dankbar.


In der schönsten Bar Oberitaliens, der Laurin-Bar. Ich warte darauf bedient zu werden. Eine junge Frau kommt auf mich zu. Reinstes Südtiroler Idiom. Sein Sie die Herlinde? Nein. Entschuldings. 
Herlinde saß weiter drüben. 

Die Buchhandlung unter den Lauben ist rappelvoll. Ein bestimmtes Weihnachtsgeschenk möchte ich hier kaufen, keine Ahnung, wo die richtige Abteilung ist, Hauptsache ich komme durch den Menschenpulk durch. Ganz vorne steht eine junge Frau ruhig und unterbeschäftigt am Info-Stand. Ich äussere meinen Wunsch. Ich kenne Sie, sagt sie. Kann sein, ich bin Krista Posch. So kürze ich Ratespiele ab. Sie ist glücklich, macht ein Selfie für Facebook. Ich stimme zu. Sie war so unaufdringlich und klar. 

Viele Begegnungen diesmal, beabsichtigt und unbeabsichtigt. Lebendig. Lustig. Am Abend zwei Glas Franciacorta Spumante getrunken und dann bin ich meist etwas übersinnlich, wie Jan zu sagen pflegt.
Noch ist Bozen wohl nicht aus meinen Zellen raus.
Freue mich aufs nächste Mal.


Nun wieder München. Hier bin ich schon so daheim.


NachtBild


Links : 
>>  MUSEION   http://www.museion.it/?lang=de
>>   BOZEN bei Wiki
>>   Filmclub Bozen


Mein Weltnaturerbe von der Wassermauer aus gesehen ....




worte&bilder (c) krista posch